Koloniales Unrecht und Wiedergutmachung
Veranstaltungsdetails
Über die Veranstaltung
Ehemals kolonisierte Länder und ihre Gemeinschaften fordern zunehmend die Anerkennung kolonialen Unrechts und konkrete Schritte zur Wiederherstellung von Gerechtigkeit. In den vergangenen Jahren hat die Debatte über die Kolonialvergangenheit Deutschlands auf unterschiedlichen Ebenen an Fahrt aufgenommen. Die vergangene Bundesregierung hat diese Entwicklung vorangetrieben. So wurden in einigen Fällen Schritte unternommen, koloniales Unrecht anzuerkennen, es in unserer Bildungs- und Gedenkarbeit zu verankern, Kulturgüter zurückzugeben und Entschädigung zu erbringen.
Für die aktuelle Bundesregierung jedoch scheint die koloniale Aufarbeitung keine Priorität mehr zu haben. Mit der Streichung der Aussöhnung mit Namibia aus dem Koalitionsvertrag hat die Bundesregierung ein zentrales Element der kolonialen Aufarbeitung aufgegeben. Zwar hat sie sich in Teilen zur Aufarbeitung der Kolonialvergangenheit verpflichtet, bisher gibt es jedoch nur einzelne freiwillige Maßnahmen ohne klare rechtliche Grundlage. Schritte, die die Ampelregierung angefangen hatte zu gehen, die aber durch das vorzeitige Ende nicht mehr umgesetzt werde konnten, wurden nun wieder gestoppt. Das Fehlen allgemeiner normativ fundierter Leitlinien für die Aufarbeitung des kolonialen Unrechts birgt Risiken: eine inkonsistente Umsetzung, mangelnde langfristige Verbindlichkeit, Transparenzdefizite sowie eine unzureichende Akzeptanz.
Deutschland ist ein globaler Akteur, eine glaubwürdige und zukunftsfähige Politik gegenüber Ländern des Globalen Südens erfordert daher eine Auseinandersetzung mit menschenrechtsbasierten Ansprüchen aus der Kolonialvergangenheit. In dem Fachgespräch möchten wir, gemeinsam mit Expert*innen erörtern, welche Ansprüche Deutschland berücksichtigen muss, um einen kohärenten und langfristig tragfähigen Rahmen für den Umgang mit seiner Kolonialvergangenheit zu schaffen und Lehren aus dem laufenden Versöhnungsprozess zwischen Namibia und Deutschland ziehen. Die Veranstaltung wird deutsch-englisch simultan übersetzt werden.
Die Veranstaltung findet online als Videokonferenz statt. Die Moderation informiert Sie während der Veranstaltung, in welcher Form Sie Fragen stellen und sich beteiligen können. Beachten Sie bitte auch unseren Datenschutzhinweis zur Verwendung von Zoom: https://www.gruene-bundestag.de/zoom-hinweis
- Veranstalter
FB 4-Koordinationsbüro (Internationale Politik und Menschenrechte)
Platz der Republik 1, 11011 Berlin
TEL 030/227 58943
Programm
Begrüßung
Deborah Düring MdB
Sprecherin für Außenpolitik
Bündnis 90/Die Grünen Bundestagsfraktion
Politische Einführung
Claudia Roth MdB
Staatsministerin für Kultur und Medien a.D.
Sprecherin für Entwicklungspolitik
Bündnis 90/Die Grünen Bundestagsfraktion
Panel 1: Internationale Normen wirksam machen
Awet Tesfaiesus MdB
Obfrau im Ausschuss für Kultur und Medien
Bündnis 90/Die Grünen Bundestagsfraktion
Dr. Sebastian Spitra
Postdoctoral Researcher
Institut für Rechts- und Verfassungsgeschichte
Universität Wien
Almaz Teffera
Senior Researcherin
Racism in Europe
Human Rights Watch
Moderation: Maria Kind
Heinrich-Böll-Stiftung
Pause
Panel 2: Raus aus der Sackgasse: Wie kann die Versöhnung zwischen Deutschland und Namibia endlich gelingen?
Awet Tesfaiesus MdB
Prof. Dr. Henning Melber
Extraordinary Professor
Institut für Politikwissenschaften
Universität Pretoria
Jephta Nguherimo
Autor und Genozid-Aktivist
Washington D.C.
Moderation: Kirsten Krampe
Heinrich-Böll-Stiftung
Abschluss
Anschließendes Get-together