Koloniales Unrecht und Wiedergutmachung
Veranstaltungsdetails
Über die Veranstaltung
In den vergangenen Jahren hat die Auseinandersetzung über die Kolonialvergangenheit Deutschlands auf unterschiedlichen Ebenen an Fahrt aufgenommen. Ehemals kolonisierte Länder und ihre Gemeinschaften fordern zunehmend die Anerkennung kolonialen Unrechts und konkrete Schritte zur Wiederherstellung von Gerechtigkeit. Zu Beginn des Fachgesprächs konnte Claudia Roth als ehemalige Staatsministerin für Kultur und Medien und jetzige Sprecherin für Entwicklungspolitik aufzeigen, welche Schritte die letzte Bundesregierung unternommen hatte, um koloniales Unrecht aufzuarbeiten und anzuerkennen, das Thema stärker in der Bildungs- und Gedenkarbeit zu verankern und Kulturgüter zurückzugeben. Sie betonte dabei auch die Bedeutung dieser Initiativen für Deutschlands internationale Verantwortung und für den Dialog mit den betroffenen Ländern. Dass die jetzige Bundesregierung diese Aufarbeitung nicht engagiert weiterführt, bedauerte die Sprecherin für Außenpolitik der Grünen im Bundestag, Deborah Düring.
Erinnern ist wichtig für die Gestaltung der Zukunft
Das erste Panel befasste sich mit bestehenden internationalen Normen und deren Durchsetzung. Die grüne Obfrau im Ausschuss für Kultur und Medien, Awet Tesfaiesus, diskutierte dazu mit den Forscher*innen Almaz Teffera (Human Rights Watch) und Dr. Sebastian Spitra (Institut für Rechts- und Verfassungsgeschichte der Universität Wien). Es wurde deutlich, welche internationalen rechtlichen Verpflichtungen bestehen, aber auch welche Herausforderungen damit verknüpft sind. Awet Tesfaiesus ging darauf ein, welche politische Möglichkeiten darüber hinaus existieren, um die Aufarbeitung umzusetzen. Es wurde festgehalten, dass nach dem Ansatz der „reparative Justice“, die Aufarbeitung des kolonialen Unrechts mehrere Dimensionen umfasst: Restitution, Entschädigung, Genugtuung/Anerkennung, Garantie der Nicht-Wiederholung und die Wahrheitsfindung.
Am Anfang der Versöhnung steht die Entschuldigung
Im zweiten Panel betrachteten Prof. Dr. Henning Melber vom Institut für Politikwissenschaften der Universität Pretoria und Jephta Nguherimo, Autor und Genozid-Aktivist, zusammen mit Awet Tesfaiesus den konkreten Fall Namibia. Die deutsche Regierung ringt bis heute mit sich, den Völkermord an den Herero und Nama als solchen zu bezeichnen und eine Entschuldigung auszusprechen. Aber auch in Namibia selbst haben sich wiederholt Fragen von rechtmäßiger Vertretung und dem richtigen Umgang mit der Aufarbeitung gestellt. In der Paneldiskussion wurde erneut klar, wie komplex der Prozess von Versöhnung und Ausgleich auf allen Seiten ist.
Fest stand am Ende: Die Aufarbeitung des kolonialen Unrechts braucht Kontinuität, etablierte Regeln, Forschung, Gelder, Ressourcen und den politischen Willen und die Aufmerksamkeit, um all dies umzusetzen. Diese Aufarbeitung muss fortgesetzt werden. Es geht nicht allein um Rückgabe oder finanzielle Entschädigungen, sondern um Wahrheitsfindung, Würde, Gerechtigkeit und Prävention. Der maßgebliche Einbezug von Betroffenen und ihren Gemeinschaften ist eine zentrale Voraussetzung für eine legitime und nachhaltige Aufarbeitung kolonialen Unrechts.
Deutschland ist ein globaler Akteur. Eine glaubwürdige und zukunftsfähige Politik gegenüber Ländern des Globalen Südens erfordert eine Auseinandersetzung mit menschenrechtsbasierten Ansprüchen aus der Kolonialvergangenheit.
- Veranstalter
FB 4-Koordinationsbüro (Internationale Politik und Menschenrechte)
Platz der Republik 1, 11011 Berlin
TEL 030/227 58943
Programm
Begrüßung
Deborah Düring MdB
Sprecherin für Außenpolitik
Bündnis 90/Die Grünen Bundestagsfraktion
Politische Einführung
Claudia Roth MdB
Staatsministerin für Kultur und Medien a.D.
Sprecherin für Entwicklungspolitik
Bündnis 90/Die Grünen Bundestagsfraktion
Panel 1: Internationale Normen wirksam machen
Awet Tesfaiesus MdB
Obfrau im Ausschuss für Kultur und Medien
Bündnis 90/Die Grünen Bundestagsfraktion
Dr. Sebastian Spitra
Postdoctoral Researcher
Institut für Rechts- und Verfassungsgeschichte
Universität Wien
Almaz Teffera
Senior Researcherin
Racism in Europe
Human Rights Watch
Moderation: Maria Kind
Heinrich-Böll-Stiftung
Pause
Panel 2: Raus aus der Sackgasse: Wie kann die Versöhnung zwischen Deutschland und Namibia endlich gelingen?
Awet Tesfaiesus MdB
Prof. Dr. Henning Melber
Extraordinary Professor
Institut für Politikwissenschaften
Universität Pretoria
Jephta Nguherimo
Autor und Genozid-Aktivist
Washington D.C.
Moderation: Kirsten Krampe
Heinrich-Böll-Stiftung
Abschluss
Anschließendes Get-together