Muslimisches Leben in Deutschland

Parlamentarischer Abend zum Ramadan

Veranstaltungsdetails

17:15 - 21:30 Uhr
Deutscher Bundestag, Marie-Elisabeth-Lüders-Haus , Veranstaltungsfoyer 1.101 Adele-Schreiber-Krieger-Str. 1 10117 Berlin
Zur Anmeldung
bis

Über die Veranstaltung

Parlamentarischer Abend: Muslimisches Leben in Deutschland

Am 16. März 2026 fand im Deutschen Bundestag erstmals ein Parlamentarischer Abend zum Thema muslimisches Leben in Deutschland statt. Im Rahmen eines gemeinsamen Fastenbrechens während des Ramadans kamen auf Einladung der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen zahlreiche Gäste aus Politik, Wissenschaft und Zivilgesellschaft zusammen, um über Sichtbarkeit, Teilhabe und gesellschaftlichen Zusammenhalt zu sprechen.

Austausch und Begegnung im Zeichen des Ramadans

Die Veranstaltung wurde von Lamya Kaddor, Beauftragte für Religionspolitik der Grünen Bundestagsfraktion, eröffnet, die die besondere Bedeutung dieses Abends hervorhob: Erstmals stand muslimisches Leben im Bundestag im Mittelpunkt eines parlamentarischen Abends. 

In ihrer Begrüßungsrede betonte Britta Haßelmann, Fraktionsvorsitzende Bündnis 90/Die Grünen, die Bedeutung von Vielfalt, gegenseitigem Respekt und einem friedlichen Zusammenleben. Ziel des Abends sei es, Räume für Begegnung zu schaffen und den Austausch über den Alltag muslimischer Menschen in Deutschland zu fördern. Zugleich verwies sie auf bestehende Herausforderungen wie Islamfeindlichkeit und Alltagsrassismus, von denen Musliminnen und Muslime überdurchschnittlich häufig betroffen sind. Muslimisches Leben müsse stärker sichtbar werden, politische Beteiligung und gleichberechtigte Teilhabe seien entscheidend für eine lebendige Demokratie.

Muslimisches Leben als Teil Deutschlands

In ihrer Rede unterstrich Lamya Kaddor die historische und gesellschaftliche Verankerung muslimischen Lebens in Deutschland. Rund 5,6 Millionen Musliminnen und Muslime prägen das Land in vielfältiger Weise – in Politik, Kultur, Wissenschaft und im Alltag. Gleichzeitig kritisierte sie einen häufig verengten öffentlichen Diskurs, der sich vor allem auf Sicherheitsthemen konzentriere und die Vielfalt muslimischer Lebensrealitäten ausblende.

Sie formulierte konkrete politische Forderungen, um Gleichberechtigung und Teilhabe zu stärken. Dazu zählen unter anderem der Ausbau des islamischen Religionsunterrichts, die Ausbildung von Imamen und Imaminnen in Deutschland, eine intensivere Zusammenarbeit zwischen Staat und muslimischen Organisationen sowie die konsequente Bekämpfung von Islamfeindlichkeit. Zugleich wurde betont, dass der Kampf gegen Extremismus eine gemeinsame Aufgabe sei, die nur im Dialog mit den muslimischen Communities gelingen könne.

Entwicklungen und Herausforderungen der Integrationspolitik

Der Islamwissenschaftler Bekim Agai gab in seinem Vortrag einen Überblick über zentrale Entwicklungen der deutschen Islam- und Integrationspolitik der vergangenen zwei Jahrzehnte. Er verwies auf die Staatsangehörigkeitsreform, die Deutsche Islamkonferenz sowie die sicherheitspolitischen Verschiebungen nach den Anschlägen vom 11. September 2001.

Zugleich machte er auf aktuelle Herausforderungen aufmerksam: den Anstieg rechtsextremer Gewalt, die Instrumentalisierung internationaler Konflikte im Inland sowie bestehende Defizite bei der Bekämpfung von Extremismus. Neben diesen Problemlagen hob er auch positive Entwicklungen hervor, etwa den Ausbau islamischer Theologie an Universitäten, Fortschritte im Bildungsbereich und neue Strukturen in der Wohlfahrtsarbeit.

Perspektiven für eine pluralistische Gesellschaft

Die Sozialwissenschaftlerin Meltem Kulaçatan entwarf in ihrem Beitrag eine Zukunftsvision für das Jahr 2046. Sie skizzierte eine Gesellschaft, in der religiöse und ethnische Vielfalt selbstverständlich ist und Kategorien von Mehrheits- und Minderheitsgesellschaft zunehmend an Bedeutung verlieren. Der Fokus liege auf einem gemeinsamen gesellschaftlichen Miteinander, in dem Unterschiede nicht trennen, sondern bereichern.

Literatur, Erinnerung und Zugehörigkeit

Eine literarische Lesung von Lale Öztürk griff zentrale Themen wie Identität, Zugehörigkeit und die Geschichte der Gastarbeiter*innen auf. Sie thematisierte die spirituelle Bedeutung des Fastens und stellte den Ramadan-Abend im Bundestag als symbolischen Ort des gemeinsamen Erlebens und der Verbundenheit dar.

Stimmen aus der Praxis: Herausforderungen vor Ort

Im anschließenden Podiumsgespräch wurden konkrete Erfahrungen und Herausforderungen diskutiert. Dabei ging es unter anderem um die Situation muslimischer Communities im ländlichen Raum, wo häufig Infrastruktur und Begegnungsorte fehlen.

Persönliche Einblicke, etwa in Flucht- und Migrationserfahrungen, verdeutlichten die Bedeutung von Gemeinschaftsstrukturen wie Moscheegemeinden als soziale Anker. Gleichzeitig wurde auf eine wachsende Bedrohung durch Rechtsextremismus und gesellschaftliche Polarisierung hingewiesen. Diskutiert wurde auch ein zunehmendes Gefühl der Entfremdung gegenüber staatlichen Institutionen in Teilen der muslimischen Bevölkerung.

Ein zentrales Thema war die Frage, wie Engagement gestärkt werden kann, ohne dass Menschen Angst vor Anfeindungen haben müssen. Zugleich wurde betont, dass gesellschaftlicher Zusammenhalt eine gemeinsame Aufgabe aller Akteurinnen und Akteure ist.

Ein wichtiger Schritt für Sichtbarkeit und Dialog

Den Abschluss bildeten das gemeinsame Fastenbrechen und sowie die persönlichen Gespräche der Gäste beim anschließenden Empfang. Der Abend wurde von vielen als wichtiger Impuls für mehr Sichtbarkeit muslimischen Lebens und für einen offenen Dialog im politischen Raum begrüßt.

Der Parlamentarische Abend hat deutlich gemacht: Eine vielfältige Gesellschaft braucht Begegnung, gegenseitiges Verständnis und den politischen Willen, Teilhabe und Gleichberechtigung aktiv zu gestalten.

 

  • Veranstalter:
    FB 3-Koordinationsbüro (Demokratie und vielfältige Gesellschaft)
    Platz der Republik 1, 11011 Berlin
    TEL 030/227 58900
    fachbereich3@gruene-bundestag.de
Eine Familie, Mutter, Vater, ein Junge, ein Teenager-Junge, ein Mädchen sitzen im Restaurant beim Abendessen und beten mit offenen Händen vor sich

Programm

Begrüßung

Britta Haßelmann MdB 
Fraktionsvorsitzende
Bündnis 90/Die Grünen Bundestagsfraktion

17:15 Uhr

Politische Einführung

Lamya Kaddor MdB 
Beauftragte für Religionspolitik
Bündnis 90/Die Grünen Bundestagsfraktion

17:25 Uhr

Keynote: Muslimisches Leben in Deutschland – eine Bestandsaufnahme

Prof. Dr. Bekim Agai
Direktor
Akademie für Islam in Wissenschaft und Gesellschaft 

17:35 Uhr

Keynote: Muslimisches Leben in Deutschland 2046 – Wo geht es hin?

Prof. Dr. Meltem Kulaçatan
Professur für Soziale Arbeit
Internationale Hochschule in Nürnberg

17:50 Uhr

Iftar mit Möglichkeit zum Gebet, im Anschluss Essen und Getränke

18:12 Uhr

Spoken word

Lale Öztürk

19:00 Uhr

Panel: Lebensrealitäten muslimisches Leben in Deutschland

Dua Zeitun  
Koordinatorin und Projektleiterin
Muslimische Jugendcommunity Osnabrücker Land e.V.

Meho Travljanin
Vorsitzender
Islamisches Kulturzentrum der Bosniaken in Berlin e.V.

Moderation: Lamya Kaddor MdB

19:10 Uhr

Musikalischer Act

Tayfun Guttstadt 

20:00 Uhr

Get together mit Essen und Getränken

20:10 Uhr

Ende der Veranstaltung

21:30 Uhr

Mit dabei aus der Fraktion

Britta Haßelmann
 

Fraktionsvorsitzende

Lamya Kaddor
 

Religionsbeauftragte