Ohne Geld keine Fakten? Wie Politik die Finanzierung des Journalismus stärken kann

Fachgespräch

Veranstaltungsdetails

10:30 - 16:00 Uhr
Deutscher Bundestag, Otto-Wels-Haus, Raum 0.120 Unter den Linden 50 10117 Berlin
Zur Anmeldung
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Über die Veranstaltung

Freie und unabhängige Medien sind eine zentrale Säule unserer Demokratie. Sie sichern Meinungsvielfalt, ermöglichen öffentliche Kontrolle von Macht und schaffen verlässliche Informationsgrundlagen für politische Entscheidungen.

Professioneller Journalismus steht heute unter massivem Finanzierungsdruck. Werbeeinnahmen wandern zu globalen Digitalkonzernen ab, KI-Zusammenfassungen halten Nutzer*innen fern von Nachrichtenseiten und schwächen damit die wirtschaftlichen Grundlagen von Medien weiter. 

Besonders betroffen sind Lokalmedien – Redaktionen schrumpfen, werden zusammengelegt oder schließen ganz. Dadurch schwindet die Kontrolle über politische Institutionen vor Ort. Der wirtschaftliche Druck hat auch Folgen für die journalistische Qualität: Werden professionell arbeitende Journalist*innen durch KI-Systeme ohne angemessene menschliche Aufsicht ersetzt, steigt das Risiko für Verzerrungen, Fehlinformationen und Lücken in der Berichterstattung. 

Um die Zukunftsfähigkeit des Journalismus zu sichern, braucht es faire Wettbewerbsbedingungen im digitalen Werbemarkt, tragfähige neue Geschäftsmodelle, gezielte und staatsferne Förderinstrumente sowie klare regulatorische Leitplanken für den Einsatz von KI im Nachrichtenbereich.

Im dritten Teil der Reihe „Digitale Öffentlichkeit“ diskutierte die Bundestagsfraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN mit Expert*innen aus Medien, Wissenschaft, Regulierung und Verbänden über strukturelle Reformbedarfe. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie die Finanzierung unabhängigen Journalismus angesichts veränderter Plattformökonomien und technologischer Umbrüche nachhaltig gesichert werden kann.

Im ersten Panel mit Gunnar Kallfaß (Bundeskartellamt), Manfred Kluge (Initiative18) und Sebastian Esser (Steady) wurde deutlich, dass das klassische, werbebasierte Geschäftsmodell allein keine verlässliche Grundlage mehr bietet. Die hohe Marktkonzentration im digitalen Werbemarkt erschwert eine faire Refinanzierung journalistischer Inhalte. Gleichzeitig gewinnen alternative Erlösmodelle, wie Mitgliedschaften, Spenden, Fördermittel oder gemeinnützige Ansätze an Bedeutung. Sie können jedoch, insbesondere im lokalen Bereich, strukturelle Defizite nicht vollständig ausgleichen.

Das zweite Panel widmete sich Förderbedarfen und Förderwegen für den Journalismus von morgen. Dr. Christian Wellbrock (Hamburg Media School), Lisa Sympher (Media Forward Fund) und Dr. Eva Flecken (mabb) diskutierten Programme, Projekt- und Strukturförderungen sowie die Rolle bestehender Institutionen bei der Sicherung von Medienvielfalt. Einigkeit bestand darin, dass Förderinstrumente transparent, staatsfern und nachhaltig ausgestaltet sein müssen, um redaktionelle Unabhängigkeit zu gewährleisten.

In der Abschlussrunde mit Lieven Uckrow (VAUNET), Dr. Jörg Eggers (BDZV) und Marie Kilg (Deutsche Welle) stand der Journalismus im KI-Zeitalter im Fokus. KI-Anwendungen verändern Produktion, Distribution und Nutzung von Nachrichten grundlegend. Automatisierte Zusammenfassungen und Chatbots greifen auf journalistische Inhalte zu, oft ohne dass die Nutzung vergütet wird, und schmälern gleichzeitig Reichweite der Originalquellen. KI-gestützte Werkzeuge bergen aber auch Potenziale für Recherche, Analyse und Effizienzgewinne in Redaktionen. Voraussetzung bleibt eine transparente Entwicklung und Nutzung, faire Vergütungsmodelle sowie eine effektive menschliche Aufsicht, um Qualität und journalistische Sorgfalt zu sichern.

Das Fachgespräch hat gezeigt: Die Sicherung unabhängigen Journalismus ist eine demokratische Kernaufgabe. Notwendig sind faire Marktbedingungen, eine Weiterentwicklung medienpolitischer Instrumente, tragfähige Geschäftsmodelle und klare Regeln für den Umgang mit KI. Nur so können Medienvielfalt, Qualität und unabhängige Berichterstattung langfristig gewährleistet werden. Dafür setzen wir Grüne uns im Bundestag weiter entschlossen ein.

Das Fachgespräch ist der dritte Teil der Veranstaltungsreihe "Digitale Öffentlichkeit". Die vorherigen Fachgespräche haben sich den Themen "Gemeinwohlorientierte soziale Medien: Hürden und Lösungen" und "Journalismus in einer digitalen Welt: Erwartungen, Sichtbarkeit, Innovation" gewidmet.et.

 

  • Veranstalter
    FB 5-Koordinationsbüro - Gesellschaftspolitik und soziale Infrastruktur
    Platz der Republik 1, 11011 Berlin
    TEL 030/227 51814

Programm

Begrüßung

Katharina Dröge MdB 
Fraktionsvorsitzende
Bündnis 90/Die Grünen Bundestagsfraktion

10:30 Uhr

Politische Einführung

Dr. Anna Lührmann MdB 
stellv. Vorsitzende des Ausschusses für Digitalisierung und Staatsmodernisierung
Bündnis 90/Die Grünen Bundestagsfraktion

10:35 Uhr

Keynote

Dr. Thomas Schnedler 
Co-Geschäftsführer 
Netzwerk Recherche

10:40 Uhr

Panel: Ist die Finanzierung durch Werbung noch zu retten?

Gunnar Kallfaß 
Leiter Grundsatzabteilung
Bundeskartellamt 

Manfred Kluge 
Co-Founder und Vorsitzender
Initiative18

Sebastian Esser
CEO & Co-Founder
Steady

Moderation: Dr. Anna Lührmann MdB

11:15 Uhr

Lunch

12:15 Uhr

Panel: Förderbedarfe & Förderwege für den Journalismus von morgen

Dr. Christian Wellbrock 
Leiter Innovation und Studium im Bereich Digital- und Medienmanagement
Hamburg Media School

Lisa Sympher
Referentin der Geschäftsführung
Media Forward Fund

Dr. Eva Flecken
Direktorin
mabb - Medienanstalt Berlin-Brandenburg

Moderation: Dr. Gergana Baeva, Referentin für Medienpolitik, Bündnis 90/Die Grünen Bundestagsfraktion

13:15 Uhr

Abschlussrunde: Zukunft des Journalismus im KI-Zeitalter

Dr. Matthias Försterling
Senior Legal Counsel (Recht und Regulierung)
VAUNET - Verband Privater Medien

Dr. Jörg Eggers 
Hauptgeschäftsführer 
Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV) 

Marie Kilg
Chief AI Officer
Deutsche Welle

Moderation: Cathleen Berger, wissenschaftliche Büroleitung, Dr. Anna Lührmann MdB

14:15 Uhr

Zusammenfassung und Fazit

Dr. Anna Lührmann MdB

15:15 Uhr

Informeller Ausklang der Veranstaltung

15:30 Uhr

Ende der Veranstaltung

16:00 Uhr

Mit dabei aus der Fraktion

Katharina Dröge
 

Fraktionsvorsitzende

Dr. Anna Lührmann
 

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