Prävention für die seelische Gesundheit von jungen Menschen
Veranstaltungsdetails
Über die Veranstaltung
Unter dem Titel „Prävention für die seelische Gesundheit von jungen Menschen“ lud die grüne Bundestagfraktion zur Konferenz ein. Gemeinsam mit vielen grünen Bundestagsabgeordneten, 16 Referent*innen aus Wissenschaft, Praxis und Politik und mehr als 200 Teilnehmenden kamen wir im Deutschen Bundestag auf Einladung von Kirsten Kappert-Gonther MdB und Misbah Khan MdB zusammen, um Erfahrungen auszutauschen und Impulse für eine wirksame, lebensweltorientierte Prävention zu geben. Wie geht es Kindern und Jugendlichen heute? Welche Maßnahmen stärken ihre seelische Gesundheit nachhaltig? Und welche Versorgungslücken und strukturellen Hürden müssen wir überwinden?
Immer mehr Kinder und Jugendliche sind psychisch belastet und erkranken. Das kann ihre schulische und soziale Teilhabe beeinträchtigen und negative Folgen bis ins Erwachsenenalter haben. Etwa die Hälfte der psychischen Erkrankungen im Erwachsenenalter beginnt bereits in der Kindheit. Umso wichtiger ist es, die seelische Gesundheit junger Menschen frühzeitig und nachhaltig zu stärken. Prävention muss dort ansetzen, wo Kinder und Jugendliche leben, lernen und aufwachsen.
Amy Kirchhoff von der Bundesschüler*innenkonferenz zeigte auf, was junge Menschen derzeit bewegt und was sie sich wünschen, damit ihre psychische Gesundheit gestärkt wird. Zukunftsängste, Kriege, Arbeitslosigkeit und die Klimakrise machen nicht vor den Schultoren halt. Sie wirken sich unmittelbar auf den Schulalltag aus und belasten Schülerinnen und Schüler. Um diesen Sorgen zu begegnen, braucht es ausreichend Unterstützung durch das Schulpersonal, etwa durch sensibilisierte Lehrkräfte und eine gut ausgebaute Schulsozialarbeit. Die Bundeschüler*innenkonferenz spricht sich zudem dafür aus, den Leistungsdruck durch die Abschaffung von Noten zu verringern.
Was hat Vogelgesang mit unserer psychischen Gesundheit zu tun? Prof. Aletta Bonn vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) beleuchtete den Zusammenhang zwischen psychischer Gesundheit und Natur. Sie zeigte auf, wie sich Aufenthalte im Wald positiv auf unser Wohlbefinden auswirken und wie unsere Lebenszufriedenheit mit der Vielfalt der Vogelwelt korreliert. Wie unsere Umwelt gestaltet ist, wie wir unsere Umwelt erleben, wirkt sich auch – positiv wie negativ – auf unsere Psyche aus.
Prof. Reininghaus vom Zentralinstitut für Seelische Gesundheit führte in das Konzept der Public Mental Health ein. Public Mental Health befasst sich mit der Prävention psychischer Erkrankungen in der Bevölkerung, deren Management und der Evaluation entsprechender Behandlungsansätze. Darüber hinaus umfasst das Fachgebiet die Förderung und den Schutz der psychischen Gesundheit. Damit leistet Public Mental Health einen wichtigen Beitrag, um den zunehmenden psychischen Belastungen junger Menschen zu begegnen.
Psychische Belastungen sind von vielen Faktoren abhängig. Jeder Mensch kann betroffen sein. Aber es gibt auch Kinder und Jugendliche, die sich in besonders vulnerablen Lebenssituationen befinden und ein erhöhtes Risiko für psychische Belastungen und Erkrankungen haben. In drei Paneldiskussionen nahmen wir die unterschiedlichen Lebenslagen junger Menschen und ihrer spezifischen Bedürfnisse in den Blick. Gemeinsam mit Expert*innen diskutierten wir die Herausforderungen und Unterstützungsbedarfe junger Menschen mit Fluchterfahrungen, aus psychisch und suchtbelasteten Familien sowie junger Menschen, die von Armut betroffen sind.
Für Kinder und Jugendliche aus psychisch und suchtbelasteten Familien und für armutsbetroffene junge Menschen zeigen sich einige Parallelen. Bei beiden Gruppen ist es entscheidend, mögliche Unterstützungsbedarfe bereits rund um die Geburt frühzeitig zu erkennen und niedrigschwellige, freiwillige und kostenfreie Angebote bereitzustellen. Unsere Expert*innen forderten, die Familienorientierung gesetzlich zu verankern, damit Kinder bei der Versorgung ihrer psychisch- und suchtbelasteten Eltern systematisch mitberücksichtigt werden. Präventions- und Therapieangebote, die die gesamte Familie in den Blick nehmen, müssen in die Regelversorgung überführt werden. Zudem sollten Babylots*innen in die Regelfinanzierung aufgenommen werden. Gleichzeitig gilt es, gesetzliche Rahmenbedingungen zu schaffen, die junge Menschen vor Armut schützen. Armut wirkt sich auf Bildungschancen, gesellschaftliche Teilhabe und Gesundheit aus.
Junge Menschen mit Fluchterfahrung können diese Belastungen teilen, unterscheiden sich von anderen jungen Menschen jedoch durch ihre spezifischen Erfahrungen und Lebensumstände. Die Erlebnisse der Flucht sind oft ständiger Begleiter. Gleichzeitig fehlen verlässliche Unterstützungsstrukturen nach der Ankunft in Deutschland: Geflüchtete Kinder und Jugendliche sind häufig mit prekären Lebensbedingungen konfrontiert, etwa in Sammelunterkünften. Daraus können besondere psychosoziale Unterstützungsbedarfe entstehen, denen das Versorgungssystem frühzeitig und bedarfsgerecht begegnen muss. Dafür braucht es nicht nur einen schnellen Zugang ins Gesundheitssystem. Kitas und Schulen, sollten unterstützende, seelenfreundliche Lebenswelten schaffen. Durch Unterstützungsangebote für Teilhabe und Integration. Dafür müssen gesetzlichen Rahmenbedingungen so gestaltet sein, dass sie die Handlungsspielräume und Ressourcen junger Geflüchteter stärken, anstatt sie durch Leistungskürzungen weiter einzuschränken.
Den Abschluss gestalteten Prof. Silvia Schneider (Ruhr-Universität Bochum), Prof. Mazda Adli (Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Charité) und Prof. Tobias Renner (DGJKP). Alle drei sprachen sich für eine lebensweltorientierte Präventionsansätze aus. Prävention gelingt da, wo junge Menschen von Beginn an an Versorgungsfragen beteiligt werden. Von Kita, Schule über die Gestaltung von Begegnungsräumen im öffentlichen Raum – junge Menschen müssen einbezogen werden: was brauchen sie, was hilft ihnen, welche Maßnahmen sind passend und wirken? Jana Bauer vom Gesunde Städte-Netzwerk stellte dazu Best-Practice-Beispiele vor. Projekte aus Stuttgart und Frankfurt, etwa der Beratungsbus des Projekts FORT (FraMe vor Ort), zeigen, wie Prävention für die seelische Gesundheit gelingen kann: wenn sie gemeinsam mit jungen Menschen entwickelt wird, Zugehörigkeit stärkt und Menschen direkt in ihren Lebenswelten erreicht.
- Veranstalter
FB 5-Koordinationsbüro (Gesellschaftspolitik und soziale Infrastruktur)
Platz der Republik 1, 11011 Berlin
TEL 030/227 51814
fachbereich5@gruene-bundestag.de
Programm
Begrüßung und politische Einführung
Britta Haßelmann MdB
Fraktionsvorsitzende
Bündnis 90/Die Grünen Bundestagsfraktion
Dr. Kirsten Kappert-Gonther MdB
Obfrau im Gesundheitsausschuss
Bündnis 90/Die Grünen Bundestagsfraktion
Impulsvortrag: Wie geht es Kindern und Jugendlichen heute?
Amy Kirchhoff
Bundesschüler*innenkonferenz
Impulsvortrag: Welche Auswirkungen hat die physische Umwelt auf die psychische Gesundheit?
Prof. Dr. Aletta Bonn
Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung – UFZ | Friedrich-Schiller-Universität Jena | iDiv Halle-Jena-Leipzig
Impulsvortrag: Was ist Public Mental Health?
Prof. Dr. Ulrich Reininghaus
Zentralinstitut für Seelische Gesundheit
Pause
Parallele Panels
- Panel 1: Prävention für die Seelische Gesundheit von armutsbetroffenen jungen Menschen
Prof. Dr. Raimund Geene
Alice Salomon Hochschule Berlin
Annika Maretzki
BAG-Wohnungslosenhilfe
Cordula Heckmann
Vorsitzende Fachbeirat Inklusion, SenBJF | UNICEF AG-Leiterin Berlin
Moderation: Misbah Khan MdB
stellvertretende Fraktionsvorsitzende
Bündnis 90/Die Grünen Bundestagsfraktion
- Panel 2: Prävention für die Seelische Gesundheit von jungen Menschen mit Fluchterfahrungen
Marie Melior
Bundesverband Psychosozialer Zentren
Joshua Spieker
Plan International
Xenia Kastner
Save the Children Deutschland
Moderation: Filiz Polat MdB
Parlamentarische Geschäftsführerin
Bündnis 90/Die Grünen Bundestagsfraktion
- Panel 3: Prävention für die Seelische Gesundheit von jungen Menschen aus psychisch oder suchtbelasteten Familien
Prof. Dr. Silke Wiegand-Grefe
Bündnis KipsFam
Mechthild Paul
Nationales Zentrum Frühe Hilfen (NZFH)
Juliane Wittekop
Babylots*innen Berlin
Linda Heitmann MdB
Bündnis 90/Die Grünen Bundestagsfraktion
Moderation: Dr. Kirsten Kappert-Gonther MdB
Obfrau im Gesundheitsausschuss
Bündnis 90/Die Grünen Bundestagsfraktion
Pause
Zusammenführung der Panels
Impulsvortrag: Resilienz von Kindern und Jugendlichen stärken
Prof. Dr. Silvia Schneider
Ruhr-Universität Bochum
Impulsvortrag: Best Practices von Public Mental Health
Jana Bauer
Gesunde-Städte Netzwerk
Impulsvortrag: Junge Menschen und Einsamkeit: Hinsehen, handeln, vorbeugen
Prof. Dr. Mazda Adli
Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Charité
Impulsvortrag: Mit allen! - Prävention an Kita und Schule
Prof. Dr. Tobias Renner
Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie e. V
Zusammenführung der Erkenntnisse und Schlusswort
Dr. Kirsten Kappert-Gonther MdB
Obfrau im Gesundheitsausschuss
Bündnis 90/Die Grünen Bundestagsfraktion
Ende der Veranstaltung