Wasser in Hitze- und Dürrezeiten - Tarek Al-Wazir
Wie verändert der Klimawandel den Wasserhaushalt in der Region? Was braucht es, damit auch bei künftigen Hitze- und Dürreperioden ausreichend sauberes Trinkwasser zur Verfügung steht? Und was passiert eigentlich mit dem Wasser, nachdem es genutzt wurde?
Mit diesen Fragen hat sich der hessische Bundestagsabgeordnete Tarek Al-Wazir bei drei Terminen in seinem Wahlkreis in Offenbach beschäftigt.
Wahlkreisbüro Tarek Al-Wazir
Weniger Niederschlag, höhere Temperaturen, trockenere Böden
Beim Deutschen Wetterdienst in Offenbach stand die Frage im Mittelpunkt, wie sich der Klimawandel bereits heute in Hessen bemerkbar macht. Fachleute des DWD erläuterten die langfristigen Veränderungen bei Temperaturen und Niederschlägen und deren Auswirkungen auf die Bodenfeuchte. Gerade für die Landwirtschaft können längere Trockenphasen und trockenere Böden erhebliche Folgen haben. Wenn Wasser in entscheidenden Wachstumsphasen fehlt, geraten Pflanzen unter Stress und Erträge können sinken. Gleichzeitig erhöhen steigende Temperaturen die Verdunstung und damit den Wasserbedarf.
„Die Auswertungen des DWD zeigen, dass wir in Hessen im Juli 2026 den trockensten Juli seit Beginn der Wetteraufzeichnungen erlebt haben. Solche Entwicklungen machen deutlich, dass wir uns auf veränderte Bedingungen einstellen müssen. Die Frage, wie viel Wasser wann zur Verfügung steht, wird für Landwirtschaft, Natur und unsere Städte immer wichtiger. Die Landwirtschaft muss sich umstellen, Pflanzen mit weniger Wasserbedarf und hitzeresistentere Sorten anpflanzen und auch so wirtschaften, dass die Bodenqualität nicht schlechter, sondern besser wird, damit der Boden mehr Feuchtigkeit aufnehmen kann“, so Tarek Al-Wazir.
Trinkwasserversorgung braucht Investitionen
Wie die Versorgung mit Trinkwasser praktisch sichergestellt wird, war Thema beim Besuch des ZWO-Wasserwerks in Jügesheim. Der Zweckverband versorgt rund 450.000 Menschen mit Trinkwasser. Dabei treffen mehrere Entwicklungen aufeinander: eine wachsende Bevölkerung, hohe Verbrauchsspitzen an immer heißeren Tagen und ein zunehmender Investitionsbedarf in die Infrastruktur. Al-Wazir informierte sich unter anderem über die Wassergewinnung und -aufbereitung, die laufende Kontrolle der Wasserqualität sowie über die Herausforderungen für das Leitungsnetz und die Speicher- und Filterkapazitäten. In den letzten Jahren immer wichtiger geworden: Der PFAS-Gehalt des Grundwassers wird an allen Brunnen regelmäßig überprüft. Der ZWO darf jährlich rund 20 Millionen Kubikmeter Wasser fördern. Gleichzeitig zeigt sich insbesondere an heißen Tagen, dass nicht allein die verfügbare Gesamtmenge entscheidend ist. Um hohe Verbrauchsspitzen zuverlässig abzufangen, sind ausreichende Speicher-, Aufbereitungs- und Transportkapazitäten nötig.
„Vor ein paar Wochen waren wir in Offenbach und Umgebung bei Temperaturen von um die 40 Grad kurz davor, dass kein Wasser mehr aus der Leitung kam. Es muss in Zukunft also darum gehen, Wasser zu sparen und wo immer möglich weniger Wasser zu verbrauchen. Natürlich muss aber auch dafür gesorgt werden, dass die Trinkwasserversorgung an besonders verbrauchsstarken Tagen gesichert ist. Wir müssen also einerseits auf die Qualität unseres Grundwassers achten und zur Abdeckung von Verbrauchsspitzen die Zulieferung von Trinkwasser anderer Versorger wie der „Hessenwasser“ möglich machen. Trinkwasser war über Jahrzehnte vergleichsweise günstig. Gleichzeitig stehen die Versorger heute vor erheblichen Investitionen – von der Digitalisierung über neue Speicher bis hin zu moderner Filtertechnik. Wer Versorgungssicherheit will, muss deshalb auch dafür sorgen, dass die notwendige Infrastruktur rechtzeitig modernisiert und ausgebaut werden kann“, sagt Al-Wazir.
Von der Abwasserreinigung bis zur eigenen Stromerzeugung
Die dritte Station führte Al-Wazir zur Kläranlage Dietzenbach. Dort ließ er sich den Weg des Abwassers durch die verschiedenen Reinigungsstufen erläutern: von der mechanischen Reinigung über biologische und chemische Verfahren bis zur Behandlung des anfallenden Klärschlamms.
Besonders deutlich wurde dabei, wie aufwendig moderne Abwasserreinigung ist. In der biologischen Reinigungsstufe übernehmen Mikroorganismen einen entscheidenden Teil der Arbeit, während unter anderem durch chemische Verfahren Nährstoffe wie Phosphor aus dem Wasser entfernt werden. Auch der Klärschlamm wird weiterbehandelt. Das dabei entstehende Klärgas kann in einem Blockheizkraftwerk zur Erzeugung von Strom und Wärme genutzt werden und so einen Teil des Energiebedarfs der Anlage decken, Phosphor später bei der Verbrennung des getrockneten Klärschlamms zurückgewonnen werden.
„Sauberes Wasser ist das Ergebnis einer großen technischen und kommunalen Leistung – bei der Gewinnung ebenso wie bei der Reinigung. Die drei Besuche haben mir gezeigt, wie eng Klimaschutz, Klimaanpassung und eine leistungsfähige Infrastruktur zusammengehören“, so Al-Wazir abschließend. „Wir müssen Wasser stärker als Kreislauf denken: vom Niederschlag über Böden und Grundwasser bis zur Trinkwasserversorgung und schließlich zur Reinigung des Abwassers. Letztere ist deutlich besser geworden als in der Vergangenheit – vieles wird herausgefiltert. Aber PFAS, Medikamentenrückstände und Co machen das Ganze immer anspruchsvoller. Und wer verschmutzt, muss sich natürlich auch an den Kosten der Reinigung beteiligen. Weil: Sauberes Wasser darf kein Luxus sein.“
„Wasser war für uns in der Vergangenheit wie selbstverständlich verfügbar – aber das ist eben keine Selbstverständlichkeit. Der Klimawandel verändert Niederschläge und Temperaturen, gleichzeitig wächst unsere Region und die Anforderungen an die Infrastruktur steigen. Deshalb müssen wir heute dafür sorgen, dass Wasserversorgung und Abwasserentsorgung auch in Zukunft zuverlässig funktionieren“