Veröffentlicht am

Umwelt-Rechtsbehelfsgesetz - Mitsprache vor Ort unerwünscht

  • Am 21. Januar wurde das Umwelt-Rechtsbehelfsgesetz im Kabinett beschlossen.
  • Mit dem Gesetzesentwurf startet die Bundesregierung den nächsten Angriff auf Umwelt-, Naturschutz- und demokratische Beteiligungsrechte. Klagemöglichkeiten werden empfindlich eingeschränkt.
  • Wir Grüne uns im Bundestag werden deutlich machen, dass nur eine Politik, die die Menschen mitnimmt, den Schutz von Klima und Natur einbezieht, unsere Demokratie und Freiheit sichert und in ein gutes Leben und Wirtschaften mit Zukunft führt. 

Die Bundesregierung greift nach dem Entwurf des sogenannten Infrastrukturzukunftsgesetz erneut demokratischen Mitspracherechte vor Ort und damit den Umwelt- und Naturschutz an. Am 21. Januar 2026 hat das Kabinett eine Novellierung des Umwelt-Rechtsbehelfsgesetzes beschlossen. Unter dem Deckmantel der Beschleunigung werden Informations- und Klagerechte von Umwelt- und Naturschutzverbänden weiter abgebaut. Das schadet am Ende nicht nur Natur und Umwelt, sondern unserer Demokratie.

Beteiligung vor Ort nicht erwünscht

Der Schutz der Natur hat in Deutschland Verfassungsrang. Es gehört zu den grundlegenden Bürgerrechten, dass Maßnahmen der Verwaltung auf ihre Rechtmäßigkeit überprüft werden können. Umweltverbände gewährleisten diesen Schutz vor Gericht. Wer gerichtliche Klagemöglichkeiten anerkannter Umweltverbände einschränkt, oder wie die CSU gleich ganz aberkennen will, greift rechtsstaatliche Prinzipien an. Wenn Umweltverbände nicht mehr wirksam klagen können, fehlt der Natur ihre Stimme und den Menschen vor Ort ein wichtiges Instrument, um sich gegen rechtswidrige und umweltschädigende Projekte zu wehren.

Bundeskanzler Merz und der Bayerische Ministerpräsident Söder phantasieren wild darüber, warum Menschen, denen saubere Flüsse und gesunde Atemluft am Herzen liegt, für unsere marode Infrastruktur verantwortlich seien anstatt Verantwortung für die Fehler jahrzehntelanger Regierungsbeteiligung ihrer Parteien zu übernehmen. Friedrich Merz wirft elf Millionen in Umweltverbänden organisierten Mitgliedern demokratieschädigendes Verhalten vor, wenn sie den in unserem Grundgesetz verankerten Schutz der Natur vor Gericht geltend machen wollen. Das ist gelebte Demokratie, auch wenn der Bundeskanzler sich scheinbar an einer lebendigen Demokratie stört. Die Zahlen sprechen eindeutig gegen die Aussagen von Merz und Söder: Momentan macht ein Bruchteil der 400 Umwelt-Organisationen vom Klagerecht Gebrauch. Insgesamt gibt es pro Jahr im Schnitt nur 66 Umweltverbandsklagen, was weniger als 0,1 Prozent aller Verwaltungsverfahrensklagen ausmacht. Mehr als die Hälfte sind allerdings erfolgreich und sorgen zum Beispiel für saubere Luft, sauberes Wasser und eine intakte Natur. 

Bundesregierung greift Naturschutz an

Umweltverbände müssen ihr Klagerecht nach fünf Jahren bei Erstantrag beziehungsweise zehn Jahren bei Verlängerung jedes Mal wieder aufs Neue beantragen. Dies schafft zusätzliche Bürokratie und Kosten bei den Verbänden aber auch bei der stellenweise eh schon überlasteten Verwaltung. Zudem dürfen im Gerichtsverfahren keine neuen Erkenntnisse mehr vorgebracht werden, wenn diese nicht schon im ursprünglichen Genehmigungsverfahren vorgebracht wurden. Diese sogenannte materielle Präklusion ist europarechtswidrig und wurde deswegen erst im Jahr 2017 abgeschafft. Darüber hinaus soll es den Gerichten erschwert werden den Sachverhalt zu ermitteln. Im Ergebnis sollen Gerichte also gezwungen werden auf einer lückenhaften Grundlage zu entscheiden. Auch soll im Fall einer Klage nun einfach weitergebaut werden können, obwohl Zweifel an der Rechtmäßigkeit von Projekten bestehen. Fristen werden verkürzt, sodass eine ordentliche Bearbeitung kaum möglich ist und alles in allem verstößt das Gesetz so gegen Völker- und Europarecht.

Das Vorgehen der Bundesregierung fügt sich somit zu einer offensichtlichen Strategie zusammen: Die Zivilgesellschaft soll Stück für Stück mundtot gemacht werden. 

Dem stellen wir Grüne uns im Bundestag und überall entschieden entgegen und werden deutlich machen, dass nur eine Politik, die die Menschen mitnimmt, den Schutz von Klima und Natur einbezieht, unsere Demokratie und Freiheit sichert und in ein gutes Leben und Wirtschaften mit Zukunft führt. 

Weitere Themen und Dokumente zum Thema

Dienstag-Statement: Britta Haßelmann zu den Themen Golfregion, Energiepolitik und Wirtschaftsbeirat

Wieder einmal herrscht Krieg im Nahen Osten. Das wird erhebliche Auswirkungen haben – nicht nur auf die Weltpolitik, sondern auch auf die Politik in Deutschland.

Pressemitteilung
Pressemitteilung: Dienstag-Statement: Britta Haßelmann zu den Themen Golfregion, Energiepolitik und Wirtschaftsbeirat
Koalition würgt Wärmewende ab

Das neue Gebäudemodernisierungsgesetz macht das Heizen für Verbraucher*innen teuer und treibt sie in eine fossile Heizkostenfalle.

Fachtext
Fachtext: Koalition würgt Wärmewende ab
Solarkiller stoppen - Sonnenstrom vom Dach retten

Der geplante Solarkiller-Gesetzesentwurf Ministerin Katherina Reiche (CDU) fegt die Dächer leer. Wir kämpfen weiter für Erneuerbare – für die Menschen, für das Klima!

Fachtext
Fachtext: Solarkiller stoppen - Sonnenstrom vom Dach retten
Katharina Dröge: Reiche plant nichts anderes als einen Solarkiller

Erst sorgen Spahn und Reiche mit dem Teuer-Heizen-Gesetz für eine Heizkostenexplosion bei den Menschen und jetzt bestrafen sie auch noch diejenigen mit Solaranlage auf dem Dach.

Pressemitteilung
Pressemitteilung: Katharina Dröge: Reiche plant nichts anderes als einen Solarkiller
Reformen angehen statt Stillstand verwalten - Für ein Sofortprogramm Zukunft

Die Rente reicht oft nicht, Arzttermine sind Mangelware und gute Pflege ist extrem teuer geworden. Wir schlagen deshalb ein „Sofortprogramm Zukunft“ vor, um unseren Sozialstaat endlich gerechter, digitaler und fit für morgen zu machen.

Autor*innenpapier
Autor*innenpapier herunterladen: Reformen angehen statt Stillstand verwalten - Für ein Sofortprogramm Zukunft
Es wurden keine Treffer gefunden.

Unsere Publikationen

6 Postkarten liegen auf einem Tisch

Postkarten-Set

Grüne Grüße aus dem Bundestag

Sonstiges
Zur Publikation: Postkarten-Set

Die grüne Fraktion im 21. Deutschen Bundestag

Hier lernen Sie uns und unsere Arbeit kennen.

Flyer & Broschüren
Zur Publikation: Die grüne Fraktion im 21. Deutschen Bundestag
Britta Haßelmann und Katharina Dröge auf der Fraktionsebene des Deutschen Bundestags

Blick nach vorn

profil:GRÜN 7/2025

Zeitschrift
Zur Publikation: Blick nach vorn