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Die Fachkraft, auf die du wartest, wartet auch – auf Deutschland

Das Pflegeheim in deiner Nähe hat für deine Mutter keinen Platz frei. Es fehlt an Personal. Zur selben Zeit sitzt irgendwo auf der Welt eine ausgebildete Pflegefachkraft und wartet auf ihre Papiere für Deutschland. Ihr wartet aufeinander. Wir Grüne im Bundestag wollen, dass Fachkräfte aus dem Ausland schnell bei uns ankommen und gern bleiben.

Kurz & Knapp: Weniger Warten, mehr Willkommen

Bis eine Pflegekraft aus dem Ausland in einer deutschen Pflegeeinrichtung arbeiten kann, vergehen oft Monate: Anerkennung des Abschlusses, Termin bei der Botschaft, Unterlagen bei immer neuen Stellen. Ist sie da, sucht sie eine Wohnung – und wird dabei oft wegen ihrer Herkunft abgelehnt. Manche geben auf und gehen wieder. Das wollen wir ändern: mit schnelleren Verfahren, verständlichen Formularen und Schutz vor Ausbeutung und Diskriminierung.  Damit die Fachkraft, auf die du wartest, auch wirklich kommt – und bleibt.

Um was geht es?

Nehmen wir diese Pflegefachkraft. Sie hat einen Arbeitsvertrag, ein Heim in Deutschland will sie unbedingt haben. Jetzt beginnt das Warten. Auf die Anerkennung ihres Abschlusses: Dafür sind viele verschiedene Stellen zuständig, und jede will ihre Unterlagen, oft beglaubigt und auf Deutsch übersetzt. Und auf einen Termin bei der Botschaft. Wie lange das dauert, hängt vom Land ab: An den deutschen Vertretungen in der Türkei reicht die Wartezeit auf einen Termin für ein Arbeitsvisum je nach Standort von einem Monat bis zu mehr als einem Jahr. 

Ist sie endlich hier, wird es nicht leichter. Formulare und Beratung gibt es oft nur auf Deutsch. Und 35 Prozent der Befragten mit Migrationshintergrund berichten in einer Umfrage, bei der Wohnungssuche rassistisch diskriminiert worden zu sein – meist durch private Vermieter*innen.

Viele halten durch. Aber binnen rund eines Jahres haben etwa 260.000 Eingewanderte Deutschland wieder verlassen – und sie nennen oft dieselben Gründe:  fast jede*r Dritte die Bürokratie, mehr als jede*r Vierte den Wohnungsmarkt. Für dich heißt das: Die Stelle im Pflegeheim bleibt länger leer, als sie müsste.

Unsere Maßnahmen im Überblick

Was muss sich ändern? Wir setzen an drei Stellen an.

  • Schneller ankommen: Wir wollen ein Visum für Fachkräfte, das man komplett online beantragt und das nach höchstens sechs Wochen entschieden ist. Dafür braucht es eine zentrale Anlaufstelle für ganz Deutschland. Abschlüsse aus dem Ausland wollen wir schneller anerkennen, mit besserer Beratung und der Chance, Fehlendes nachzuholen. Alle Unterlagen kommen in eine digitale Akte, auf die jede zuständige Behörde zugreift. So muss niemand ein Papier zweimal abgeben.
  • Gut ankommen: Behördenseiten und Formulare wollen wir mindestens auf Englisch. Deutsch lernen soll schon vor der Einreise gehen, mit Kursen im Netz. Die Visa für die Familie sollen gleichzeitig bearbeitet werden, damit alle gemeinsam kommen können. Partner*innen sollen hier leichter Arbeit finden. Betriebe, die Wohnungen für ihre Beschäftigten bauen, wollen wir bei Steuern und Papierkram entlasten. Und wer selbst eingewandert ist und hier Fuß gefasst hat, soll Neuankömmlinge in der ersten Zeit begleiten können. Dieses Mentoring soll der Staat fördern.
  • Fair behandelt werden: Wer ausgebeutet wird, soll leichter den Arbeitsplatz wechseln können. Beratung zum Arbeitsrecht wollen wir auch in den Sprachen der Herkunftsländer. Ein Prüfsystem soll zeigen, welche Vermittlungsagenturen seriös sind. Vor den anderen sollen die deutschen Botschaften warnen. Und das Gesetz gegen Diskriminierung wollen wir schärfen: mit längeren Fristen, einem Klagerecht für Verbände und spürbaren Entschädigungen. Es soll auch gelten, wenn Ämter und Behörden diskriminieren.

Warum setzen wir uns dafür ein?

Von Juli 2025 bis Juli 2026 ist die Zahl der Beschäftigten in Deutschland um rund 180.000 gesunken. Ohne den Zuwachs bei Beschäftigten mit ausländischem Pass wären es rein rechnerisch rund 350.000 gewesen. Ihr Zuwachs hat den Rückgang also ungefähr halbiert.

Wer zu uns kommt und hier lebt, gehört dazu. Willkommen heißt für uns: ein schneller Bescheid, ein Formular, das man versteht, und eine faire Chance auf eine Wohnung.

Wir wollen Fachkräfte gewinnen, ohne anderswo Lücken zu reißen.  Deutschland soll sich an internationale Regeln für eine faire Anwerbung halten. Pflegekräfte und andere Fachleute sollen nicht dort fehlen, wo ihre Herkunftsländer sie selbst dringend brauchen.

Was die schwarz-rote Regierung macht und warum das nicht reicht

Union und SPD haben eine „Work-and-Stay-Agentur“ versprochen. Über eine zentrale Internetplattform sollen Fachkräfte ihre Anträge stellen und jede Unterlage nur einmal einreichen. Die Idee ist gut, so eine digitale Akte wollen wir auch. Die Eckpunkte hat das Kabinett im November 2025 beschlossen. Den Gesetzentwurf hatte die Regierung fürs Frühjahr 2026 angekündigt. Er liegt bis heute nicht vor. Offen ist vor allem, wie viel der Bund an sich zieht: In Deutschland gibt es mehr als 550 Ausländerbehörden, und ob der Bund ihnen Aufgaben abnimmt, ist ungeklärt.  Die SPD sieht die Entscheidung beim Innenministerium von Alexander Dobrindt (CSU). Das Ministerium schiebt sie auf die ganze Bundesregierung und nennt keinen Termin. Den Grund muss man aber nicht lange suchen. Dobrindt will sich als ein Innenminister profilieren, der Deutschland gegen Migration abschottet. Die Sorgen von Pflegebedürftigen interessieren ihn da ebenso wenig wie die Nöte von Betrieben, die dringend nach Arbeits- und Fachkräften aus dem Ausland rufen. 

Gleichzeitig macht die Regierung Deutschland für Menschen aus dem Ausland weniger einladend. Im Oktober 2025 haben Union und SPD die Einbürgerung nach drei Jahren wieder abgeschafft. Wer bestens Deutsch kann und sich besonders engagiert, muss jetzt wie alle anderen mindestens fünf Jahre hier leben, um sich einbürgern zu lassen.

Eine Plattform allein reicht ohnehin nicht. Fachkräfte brauchen auch Wohnungen, Formulare auf Englisch und Schutz vor Diskriminierung. Doch bisher gibt es nicht einmal die Plattform. Ankündigungen pflegen keine Menschen.

Weiterführende Informationen und parlamentarische Initiativen

Arbeits- und Fachkräfteeinwanderung wirksam und nachhaltig gestalten: Unser Antrag mit allen Forderungen, vom Schnellvisum bis zum Schutz vor Diskriminierung. Der Bundestag hat ihn am 4. November 2026 beraten. Zum Antrag (PDF)

Gleichbehandlungsgesetz – Gleiche Rechte für Alle: Wie wir das Gesetz gegen Diskriminierung so verbessern wollen, dass Betroffene ihre Rechte auch wirklich durchsetzen können. Zum Fachtext

Sprache ist der Schlüssel – Warum Integrationskurse so wichtig sind: Warum Deutschkurse verlässlich finanziert sein müssen, damit Ankommen gelingt. Zum Einfach erklärt

Staatsangehörigkeitsrecht für ein modernes Einwanderungsland: Warum wir die Rücknahme der schnellen Einbürgerung für einen Rückschritt halten. Zum Fachtext

Woher unsere Fakten kommen

Auswärtiges Amt – Deutsche Vertretungen in der Türkei, Aktuelle Hinweise und Antragstellung: Die Wartezeiten auf einen Visumtermin für eine Arbeit in Deutschland, die dort je nach Vertretung zwischen einem Monat und mehr als einem Jahr liegen (abgerufen am 4. November 2026). Zu den Hinweisen

Bundesregierung – Bericht zum Anerkennungsgesetz 2023: Die vielen Stellen, die für die Anerkennung ausländischer Abschlüsse zuständig sind, und die Dauer der Verfahren. Zum Bericht (PDF)

Bundesamt für Justiz – § 23 Verwaltungsverfahrensgesetz: Deutsch als Amtssprache und die Regel, dass Behörden für fremdsprachige Unterlagen eine Übersetzung verlangen sollen. Zum Gesetzestext

Antidiskriminierungsstelle des Bundes – Rassistische Diskriminierung auf dem Wohnungsmarkt: Die 35 Prozent der Befragten mit Migrationshintergrund, die bei der Wohnungssuche rassistische Diskriminierung erlebt haben, und die Angabe, dass Diskriminierung meist von privaten Vermieter*innen ausging. Zur Umfrage

Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung – Wer bleibt, wer geht – und warum Eingewanderte Deutschland wieder verlassen: Die rund 260.000 Eingewanderten, die Deutschland binnen rund eines Jahres verlassen haben, und ihre Gründe: 32 Prozent nennen aufwendige Bürokratie, 27 Prozent den Wohnungsmarkt. Zum Bericht (PDF)

Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung – Zuwanderungsmonitor September 2026: Die rund 180.000 Beschäftigten weniger von Juli 2025 bis Juli 2026 und die rund 350.000, die es ohne den Zuwachs bei Beschäftigten mit ausländischem Pass rein rechnerisch gewesen wären. Zum Bericht (PDF)

Bundesregierung – Kabinett beschließt Eckpunkte für Work-and-Stay-Agentur: Die zentrale Plattform, über die Fachkräfte Unterlagen nur einmal einreichen sollen, und der Beschluss der Eckpunkte im November 2025. Zur Meldung

t-online – Wirtschaft macht Druck – „Das Innenministerium sollte Blockade aufgeben“: Der fürs Frühjahr 2026 angekündigte Gesetzentwurf, der im Oktober 2026 noch fehlte, und die Haltung der SPD-Fraktion, die Entscheidung liege beim Innenministerium. Zum Artikel

t-online – Grüne attackieren Dobrindt – Agentur soll Behörden-Wirrwarr beenden: Der Stillstand bei der Work-and-Stay-Agentur Anfang November 2026, die offene Frage, ob die mehr als 550 Ausländerbehörden Aufgaben an den Bund abgeben, und die Antwort des Innenministeriums, die Entscheidung müsse in der ganzen Bundesregierung fallen, ohne Termin. Zum Artikel

ZDFheute – Einbürgerung – Diese Änderungen hat der Bundestag beschlossen: Die Abschaffung der Einbürgerung nach drei Jahren im Oktober 2025 und die Mindestaufenthaltsdauer von fünf Jahren, die seitdem für alle gilt. Zum Artikel

Wofür wir noch stehen

Eine Frau bei der Arbeit: Sie steht in einer Fertigungshalle an einer Maschine.

Vielfältige Gesellschaft

Chancengleichheit, Toleranz und ein respektvolles Miteinander - so sieht für uns eine vielfältige Gesellschaft aus.

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Ein Tischler in einem grünen Arbeitsanzug steht an der Werkbank und arbeitet.

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Wir kämpfen für einen fairen Arbeitsmarkt und ein soziales Sicherungssystem, das niemanden zurücklässt.

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Ein Schweißer in einer industriellen Fertigungshalle, er trägt eine Schutzmaske bei der Arbeit.

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