Ewigkeitschemikalien in der Umwelt: Unser Plan für sauberes Wasser

Du drehst morgens den Wasserhahn auf und füllst dein Glas. Eine Selbstverständlichkeit – und das soll auch so bleiben. Doch PFAS, sogenannte Ewigkeitschemikalien, stellen die Wasserwirtschaft vor wachsende Herausforderungen. Eine 100-prozentige Entfernung ist heute praktisch unmöglich. Sie ist kosten- und ressourcenintensiv. Wir Grüne im Bundestag wollen deshalb den Eintrag von PFAS stoppen. Denn Wasser ist unser Lebensmittel Nummer eins – und seine Qualität zu sichern ist eine gemeinsame Aufgabe. Sauberes Wasser darf kein Luxus werden.

Kurz & Knapp: Was einmal drin ist, bleibt drin

PFAS heißen sie offiziell. „Ewigkeitschemikalien" hat die Wissenschaft sie getauft, weil sie kaum oder gar nicht zerfallen. Diese Stoffgruppe umfasst über 10.000 organische Verbindungen, die sich in der Umwelt nicht abbauen. Einmal in Wasser, Boden und Körper gelangt, bleiben sie dort: oft für immer – seit Jahrzehnten landen sie aus Industrie und konventioneller Landwirtschaft in unserer Umwelt. Menschen können PFAS über Lebensmittel, Trinkwasser und die Atemluft aufnehmen. Das extrem langlebige Abbauprodukt Trifluoressigsäure (TFA) wird zunehmend im Wasserkreislauf nachgewiesen und gibt Anlass zur Sorge für den vorsorgenden Schutz unserer Trinkwasserversorgung. Wir Grüne im Bundestag wollen die Freisetzung dieser Stoffe an der Quelle stoppen – mit Verboten für die schlimmsten Verursacher und einem klaren Grundsatz: Wer das Wasser vergiftet, zahlt für die Reinigung.

Um was geht es?

Mehr als 1.500 Stellen mit verseuchtem Boden oder Grundwasser hat eine Recherche des NDR in Deutschland zusammengetragen. Doch das ist nur die Spitze. PFAS sind heute fast überall: in Flüssen, im Meer, im Regen, in Fischen, in Lebensmitteln. Und in uns. Eine Studie des Umweltbundesamts hat bei mehr als 20 Prozent der untersuchten Kinder und Jugendlichen in Deutschland nachweisbare Konzentrationen von Perfluoroktansäure (PFOA) im Blut gefunden – einer der bekanntesten Stoffe aus dieser Gruppe.

Diese Chemikalien stecken zum Beispiel in Pestiziden, die konventionelle Landwirte auf den Feldern ausbringen, in den Kühlmitteln von Klimaanlagen, in beschichteten Lebensmittelverpackungen oder Regenjacken. Von dort wandern sie ins Wasser. TFA wird inzwischen häufiger im Wasser gefunden als jeder andere Schadstoff dieser Gruppe. Deutsche Behörden haben bei der zuständigen EU-Agentur beantragt, TFA als „wahrscheinlich fruchtbarkeitsschädigend" einzustufen. Eine Analyse aus Skandinavien schätzt, dass PFAS in Europa jedes Jahr mit etwa 12.000 vorzeitigen Todesfällen in Verbindung stehen könnten. Außerdem könnten dadurch jährlich Folgekosten für die Gesundheitssysteme von rund 50 bis 80 Milliarden Euro entstehen.

Unsere Maßnahmen im Überblick

Wir Grüne im Bundestag haben einen klaren Plan:

  • Pestizide raus, die zu TFA zerfallen. Das zuständige Bundesamt soll alle Pestizide vom Markt nehmen, die TFA bilden oder mit hoher Wahrscheinlichkeit dazu führen. Was auf dem Acker landet, ist morgen im Grundwasser.
  • Klare Regeln gegen PFAS in Flüssen und Seen. Wir wollen rechtlich festschreiben, dass das Einleiten dieser Stoffe in Gewässer nicht genehmigt werden darf. Der Paragraf 57 im Wasserhaushaltsgesetz lässt diese überfällige Regelung längst zu.
  • Schluss mit PFAS-Papier. Herstellung und Verwendung von Papieren, die mit PFAS behandelt sind, gehören verboten. Sie geben das Gift unnötig an Lebensmittel und Umwelt ab.
  • Die wissenschaftliche Bewertung der Stoffgruppe in der EU unterstützen. Damit nicht tausende Stoffe einzeln geprüft werden müssen, unterstützen wir die bereits begonnene wissenschaftliche Bewertung des Gruppenverbots im Rahmen von REACH. Das geht schneller, spart Tierversuche und Bürokratie. Wasser macht nicht vor Grenzen halt.
  • Hersteller bezahlen, was sie verursachen. Konzerne, die PFAS herstellen oder importieren, sollen sich an den Reinigungskosten beteiligen. Der Gewinn liegt heute bei wenigen, die Folgekosten trägt die Allgemeinheit. Das Verursacherprinzip sorgt dafür, dass die Verursacher die Kosten tragen und nicht die Allgemeinheit.
  • Forschung für saubere Alternativen. Bei vielen Anwendungen gibt es bereits Ersatzstoffe – etwa bei Klimaanlagen, Pfannen oder Textilien. Wir wollen, dass die Suche nach guten Alternativen gezielt gefördert wird.

Warum setzen wir uns dafür ein?

Wir kämpfen für etwas Selbstverständliches: dass du das Wasser aus dem Hahn ohne Sorge trinkst. Dass ein Kind im Bach plantschen kann, ohne dass dort Industriechemie mitschwimmt. Dass wir unsere Lebensgrundlagen erhalten und jetzt und in Zukunft mit sauberem Trinkwasser leben können.

Sauberes Wasser ist die Grundlage von Gesundheit, Landwirtschaft und einem lebendigen Naturhaushalt. Es lässt sich nicht herstellen, sondern nur erhalten. Wir wollen die Fortschritte beim Schutz von Gewässern und Grundwasser bewahren und sicherstellen, dass auch unsere Enkelkinder von sauberem Wasser profitieren.

Und es geht: Für die meisten PFAS-Anwendungen gibt es längst Alternativen, die genauso gut funktionieren. Was fehlt, sind verbindliche Regeln, die der Industrie sagen: Wer das Trinkwasser von Millionen Menschen aufs Spiel setzt, braucht eine sehr gute Begründung – oder eben einen Ersatzstoff.

Was die schwarz-rote Regierung macht und warum das nicht reicht

Die Bundesregierung lässt die wirksamsten Hebel ungenutzt. Bei den Pestiziden, die zu TFA zerfallen, könnte sie das zuständige Bundesamt sofort anweisen, die Mittel aus dem Verkehr zu ziehen. Sie tut es nicht. Wir warten immer noch auf ein Gesetz zur Umsetzung der europäischen kommunalen Abwasserrichtlinie, welches das Verursacherprinzip für Kläranlagen und die Finanzierung der 4. Reinigungsstufe durch Pharma- und Kosmetikindustrie zur Entfernung von PFAS und anderen Spurenstoffen in Deutschland klar regelt. Und die seit 2023 laufende wissenschaftliche Bewertung eines EU-weiten Gruppenverbots braucht klare politische Rückendeckung und Druck aus Berlin, weil die Umsetzung durch wirtschaftliche Lobbygruppen ausgebremst wird. Jeder Tag, an dem PFAS in unserer Umwelt landen, verlängert das Problem um Jahrzehnte.

Weiterführende Informationen und parlamentarische Initiativen

  • Unser Antrag „Verschmutzung von Trinkwasser mit Ewigkeitschemikalien verhindern" Der Antrag bündelt unsere Forderungen für sauberes Wasser: vom Pestizid-Verbot bis zum Verursacherprinzip für die Hersteller. Zum Antrag.
  • Wasser ist Leben – und es darf kein Luxus werden Unser Plan, wie wir das Wasser in Zeiten von Dürre und Starkregen schützen: vom Vorrang des Trinkwassers über die Schwammstadt bis zum Verursacherprinzip. Zum Einfach erklärt.
  • Sauberes Wasser für alle – unser Schwerpunkt Auf unserer Schwerpunktseite findest du gebündelt, was wir Grüne im Bundestag für sauberes und bezahlbares Wasser tun: Anträge, Hintergrundtexte und Stimmen aus den Wahlkreisen. Zur Seite.
  • Unser Flyer: Ohne Wasser kein Leben

 

Wofür wir noch stehen

Ein lichtdurchfluteter Mischwald bei Sonnenschein.

Umwelt und Naturschutz

Wir wollen gesunde Luft, sauberes Wasser, weniger Lärm und Schadstoffe in unserer Umwelt und kämpfen für mehr Natur- und Artenschutz.

Informier dich über

Mehr dazu: Umwelt und Naturschutz
Zwei Personen schieben jeweils einen Einkaufswagen durch den Supermarkt.

Verbraucherschutz

Unser Ziel ist ein Verbraucherschutz, der uns zeigt, wie Produkte hergestellt worden sind, was in unserem Essen ist oder was mit unseren Daten passiert.

Informier dich über

Mehr dazu: Verbraucherschutz
Mehrere Kühe stehen auf einer Weide, zwei Kühe blicken in die Kamera, im Hintergrund geht die Sonne unter.

Ernährung und Landwirtschaft

Wir wollen gutes Essen für alle, tiergerecht gehaltene Tiere, eine Landwirtschaft, die unsere Erde gesund hält und die Bäuerinnen und Bauern fair bezahlt.

Informier dich über

Mehr dazu: Ernährung und Landwirtschaft