Hitze und Trockenheit: Unser Plan für kühle Städte und Schutz für alle
Es ist nachts um zwei, draußen immer noch 24 Grad, und die Wohnung kühlt einfach nicht ab. Du liegst wach, der Kreislauf rast, am Morgen bist du wie gerädert. So geht es in heißen Sommern immer mehr Menschen. Für manche wird die Hitze sogar lebensgefährlich. Dieselbe Krise lässt draußen die Böden austrocknen und die Preise im Supermarkt steigen. Wir Grüne im Bundestag wollen das ändern: mit kühlen, grünen Städten und einem Schutz, der bei den Menschen ankommt, die ihn am dringendsten brauchen.
picture alliance/dpa | Henning Kaiser
Kurz & Knapp: Wasser sichern, Menschen schützen, Städte kühlen
Hitze ist kein laues Sommerwetter mehr. Für viele Menschen wird sie lebensgefährlich, und am härtesten trifft es die Schwächsten. Wir Grüne im Bundestag wollen unsere Städte kühler und grüner machen und gleichzeitig das Wasser in der Landschaft halten. Und wir wollen die Menschen direkt schützen: mit kühlen Räumen, mit Hilfe für alle, die der Hitze nicht entkommen, und mit klaren Regeln am Arbeitsplatz. Dafür brauchen die Städte verbindliche Pläne und endlich genug Geld von Bund und Ländern.
Um was geht es?
Im Sommer 2025 sind in Deutschland nach Schätzungen des Robert-Koch-Instituts rund 2.500 Menschen an den Folgen von Hitze gestorben. Seit dem Jahr 2000 geht fast jeder Todesfall durch Extremwetter auf Hitze zurück, nicht auf Stürme oder Hochwasser. Hitze ist damit das tödlichste Wetter, das wir kennen. Und es wird schlimmer: Gefährliche Hitzewarnungen haben in Europa stark zugenommen. Wenn wir die klimaschädlichen Abgase nicht senken, kommen bis zu 15 heiße Tage im Jahr dazu.
Hitze betrifft uns nicht alle gleich. Besonders gefährdet sind alte und pflegebedürftige Menschen, Babys und Kleinkinder, Schwangere und Menschen mit Vorerkrankungen. Schwer haben es auch die Dachdeckerin in der Mittagssonne und alle, die in schlecht gedämmten Wohnungen leben. In dicht bebauten Vierteln mit viel Asphalt und wenig Grün staut sich die Hitze besonders. Und dort wohnen oft die Menschen mit dem kleinsten Geldbeutel und den wenigsten Möglichkeiten, sich abzukühlen.
Hitze macht auch krank im Kopf. Sie raubt den Schlaf und macht gereizt. Sie kann Menschen sogar in seelische Krisen stürzen. Und sie kostet uns viel Geld. Wiederholen sich die Hitzewellen des vergangenen Jahrzehnts, kostet das Deutschland einer Untersuchung des Kreditversicherers Allianz Trade zufolge bis 2030 mehr als 100 Milliarden Euro: durch kranke Beschäftigte, Arbeitsausfälle und überlastete Krankenhäuser.
Dieselbe Krise hat ein zweites Gesicht: die Trockenheit. Unsere Böden sind so trocken wie seit fast hundert Jahren nicht. In jedem zweiten Landkreis sinkt das Grundwasser. Der Rhein führt im Sommer Niedrigwasser, Schiffe kommen kaum noch durch, und das spüren Bäckereien wie Industrie. Auf den Feldern vertrocknen die Ernten. Am Ende zahlen wir alle mehr für Brot und Bier. Zu viel Hitze und zu wenig Wasser: Das ist dieselbe Krise.
Unsere Maßnahmen im Überblick
Wir Grüne im Bundestag haben dafür einen klaren Plan:
- Kühle Räume für alle. Wir wollen offene, klimatisierte Räume schaffen, in die sich bei Hitze jede*r zurückziehen kann – mit kostenlosem Trinkwasser, Sonnencreme und Toiletten. Bibliotheken sollen an Hitzetagen auch sonntags öffnen. Und der Eintritt ins Schwimmbad muss für Kinder und Jugendliche bezahlbar bleiben. Auch Kliniken, Pflegeheime und Gesundheitszentren wollen wir mit Schatten, Lüftung und Kühlung ausstatten und ihre Dächer begrünen. Verbindliche Standards machen kranke und pflegebedürftige Menschen sicher. Das gilt natürlich auch für den Arbeitsschutz.
- Niemand bleibt allein. Wir wollen Hitzepatenschaften in der Nachbarschaft fördern, damit jemand nach alleinlebenden älteren Menschen schaut. Mobile Kühlteams und Hitzebusse versorgen wohnungslose Menschen mit Wasser und Erster Hilfe.
- Mehr Grün statt Grau. Wir wollen, dass Kinder im Schatten von Bäumen spielen statt auf überhitztem Beton. Bis 2030 sollen europaweit drei Milliarden neue Bäume wachsen, ein großer Teil davon in unseren Städten. Schulhöfe, Kitas und Spielplätze bekommen Schatten, zuerst in den heißesten Vierteln. Ein öffentliches Baumkataster zeigt, wie es jedem einzelnen Baum geht.
- Städte, die Wasser speichern wie ein Schwamm. Mehr begrünte Dächer und Fassaden, weniger Beton und Asphalt: So speichert die Stadt das Regenwasser und kühlt sich an heißen Tagen selbst. Bei Starkregen läuft das Wasser nicht mehr ungebremst in die Kanäle. Bei Neubauten wollen wir Gründächer zur Regel machen und versiegelten Boden aufbrechen, wo er nicht mehr gebraucht wird.
- Wasser in der Landschaft halten. Wir wollen Moore und Auen wiederherstellen, damit sie das Wasser speichern wie ein Schwamm. Unser Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz für Wälder, Moore und Gewässer wollen wir sichern und ausbauen. Auch der Ökolandbau hilft dabei.
- Unser Trinkwasser schützen. Wir brauchen klare Regeln für die Wasserentnahme. Auch große Verbraucher in der Industrie sollen endlich fair für ihr Wasser zahlen. Und an öffentlichen Plätzen wollen wir mehr Trinkbrunnen, damit alle bei Hitze kostenlos an frisches Wasser kommen.
- Verbindliche Pläne und Warnungen, die alle erreichen. Jede Stadt soll einen Hitzeplan haben, der auch wirklich umgesetzt wird. Warnungen müssen bei allen ankommen: mehrsprachig, barrierefrei und auch per Telefonkette oder Aushang für Menschen ohne Smartphone. Eine Karte der Stadt soll zeigen, welche Viertel am stärksten unter Hitze und Verschmutzung leiden, damit die Hilfe dort zuerst ankommt.
- Geld, das ankommt. Gute Pläne nützen nichts ohne Geld. Wir fordern fünf Milliarden Euro aus dem Sondervermögen für mehr Stadtgrün und Wasser in der Stadt. Dazu mindestens 400 Millionen Euro pro Jahr, damit die Kommunen ihre Klimaanpassung bezahlen können. Und wir wollen feste Fachleute vor Ort, die die Maßnahmen planen und umsetzen.
- Klimaschutz ist die beste Vorsorge. Jedes Grad weniger Erhitzung rettet Leben. Deshalb drängen wir auf den schnellen Ausbau sauberer Energie aus Sonne und Wind. Und wir wollen mehr Geld in die Schiene statt in neue Straßen stecken.
Warum setzen wir uns dafür ein?
Wir wollen Städte, in denen der Sommer eine schöne Zeit ist und keine Gefahr. Orte, an denen Kinder unter Bäumen spielen und ältere Menschen auch bei 35 Grad noch vor die Tür gehen. Parks, Trinkbrunnen und kühle Räume, die allen offenstehen, nicht nur denen, die sich eine Klimaanlage oder den Ausflug an den See leisten können.
Hitzeschutz ist für uns eine Frage der Gerechtigkeit. Die Krise trifft die Ärmsten zuerst, also muss der Schutz bei ihnen zuerst ankommen. Und Hitzeschutz lohnt sich für uns alle: Wer heute Bäume pflanzt und Häuser kühlt, spart morgen die Milliarden, die kranke Menschen und überlastete Krankenhäuser kosten.
Am Ende geht es um konkrete Menschen. Um die Nachbarin allein im vierten Stock, das Baby im Kinderwagen, den Bauarbeiter in der Mittagssonne. Für sie kämpfen wir.
Was die schwarz-rote Regierung macht und warum das nicht reicht
Unter grüner Regierungsbeteiligung sind wichtige Grundlagen entstanden: Musterpläne für Krankenhäuser, Aufklärung für die Bevölkerung, ein erster Hitzeschutzplan des Gesundheitsministeriums. Seit dem Regierungswechsel aber kommt der Hitzeschutz kaum noch voran. Es fehlt an klaren Zuständigkeiten und vor allem am Geld. Die Hitzepläne bleiben freiwillig, und viele Städte stecken fest.
Besonders kritisch sehen wir eines: Geld, das für den Klimaschutz gedacht ist, will die Bundesregierung in billigeres Gas und neue Gaskraftwerke stecken. Das heizt die Krise weiter an, statt sie zu bremsen.
Dass es anders geht, zeigt Frankreich. Nach der Hitzewelle 2003, bei der in Europa rund 70.000 Menschen starben, hat das Land ein verbindliches Hitzeschutzsystem aufgebaut: von der frühen Warnung bis zur Betreuung gefährdeter Menschen. Deutschland kann das auch. Es fehlt nur der politische Wille.
Fragen und Antworten
Was ist eine Schwammstadt?
Eine Schwammstadt nimmt das Regenwasser auf, speichert es und gibt es langsam wieder ab, ähnlich wie ein Schwamm. Statt dass das Wasser bei jedem Schauer in die Kanalisation rauscht und weg ist, bleibt es vor Ort. Begrünte Dächer, offene Böden und kleine Speicher halten es fest. Das kühlt die Stadt an heißen Tagen und schützt bei Starkregen vor vollgelaufenen Kellern.
Ist die Dürre vorbei, wenn es einmal stark regnet?
Nein. Ausgetrocknete Böden sind hart wie Beton. Sie können einen kräftigen Regen kaum aufnehmen, das Wasser läuft oben ab, statt in die Tiefe zu sickern. Nach langer Trockenheit steigt deshalb sogar die Gefahr von Überschwemmungen. Erst Böden mit genug Feuchtigkeit speichern Wasser wie ein Schwamm und mildern die nächste Dürre.
Ist es nicht normal, dass es im Sommer Hitzewellen gibt?
Heiße Sommertage gab es immer, aber nicht in diesem Ausmaß. In den 1950er-Jahren zählte Deutschland im Schnitt drei bis fünf Hitzetage über 30 Grad pro Jahr. Heute sind es oft mehr als 15, in Großstädten wie Berlin oder Frankfurt über 25. Die Hitzewellen beginnen früher, dauern länger, und die Nächte kühlen kaum noch ab. Das ist kein normaler Sommer mehr, sondern eine Folge der Klimakrise.
Müssen wir jetzt alle Wasser sparen?
Nicht alle und nicht überall, aber an den richtigen Stellen. Uns ist wichtig, dass die Grundwasserspeicher gefüllt bleiben, mit sauberem und bezahlbarem Trinkwasser für alle. Dafür sollen vor allem große Verbraucher in der Industrie fair für ihren Wasserverbrauch zahlen. Und jede*r kann mithelfen: Eine Regentonne im Garten fängt Wasser auf, das sonst ungenutzt abfließt.
Weiterführende Informationen und parlamentarische Initiativen
Antrag „Hitzekrise ernst nehmen“: Unser Antrag macht Hitzeschutz verbindlich, sozial gerecht und finanziell sicher – von der kommunalen Vorsorge über den Schutz in Pflege und Krankenhaus bis zum Arbeitsschutz. Zum Antrag
Antrag „Städte klimafit machen“: Wie wir mit mehr Bäumen, Entsiegelung und dem Schwammstadt-Prinzip unsere Städte vor Hitze und Überschwemmung schützen. Zum Antrag
Fraktionsvorstandsbeschluss Hitze (1. Juli 2025): Unser Gesamtplan gegen Hitze und Dürre auf einen Blick. Zum Beschluss
Nachhaltiger Klimaschutz: Warum die beste Vorsorge gegen Hitze ein konsequenter Klimaschutz ist. Zur Ziele-Seite