LEADER: Europa, das in deinem Dorf ankommt
Im Freibad Pfaffenberg planschen Kleinkinder in einem neuen Becken. In Leinburg springen Jugendliche mit ihren Rädern über einen Bikerpark. Im Westmünsterland kommt ein Team mit Gesundheitsangeboten direkt aufs Dorf. All das gibt es, weil Menschen vor Ort entschieden haben: Das brauchen wir hier. Möglich macht es ein EU-Programm namens LEADER. Jetzt droht der EU-Haushalt es auszubremsen. Wir Grüne im Bundestag wollen das verhindern.
Unsplash/Sebastian Unrau
Kurz & Knapp: Ein bewährtes Programm steht auf dem Spiel
Seit 35 Jahren entscheiden Menschen in ländlichen Regionen mit LEADER selbst, welche Projekte Geld bekommen, vom Dorfladen bis zum Jugendclub. Im neuen EU-Haushalt ab 2028 ist dieses Programm nicht mehr gesichert: keine feste Quote, keine verbindliche Pflicht mehr für alle Regionen, und der EU-Anteil an der Förderung soll von 80 auf rund 40 Prozent fallen. Dann können sich gerade finanzschwache Regionen LEADER kaum noch leisten. Wir Grüne im Bundestag wollen, dass LEADER bleibt: verpflichtend, mit genug Geld und einem hohen EU-Anteil, damit alle Regionen mitmachen können, auch die mit leeren Kassen.
Um was geht es?
Die EU wirkt oft weit weg. Verordnungen aus Brüssel, Gipfeltreffen, Zahlenkolonnen im Fernsehen. Bei LEADER ist das anders. Hier kannst du Europa anfassen. Es steht in deinem Dorf: als neuer Spielplatz, als saniertes Vereinshaus, als Begegnungsort am Marktplatz.
Das funktioniert nach einem einfachen Prinzip: Die Menschen vor Ort wissen am besten, was ihre Region braucht. Also entscheiden sie auch selbst. In jeder LEADER-Region gibt es dafür eine Gruppe aus Vereinen, Betrieben, Kommunen und engagierten Bürger*innen. Sie wählt aus, welche Ideen Geld bekommen. Fachleute nennen das den Bottom-Up-Ansatz, also von unten nach oben. Es heißt schlicht: Vertrauen in die Menschen, die ihre Region kennen.
In Deutschland gibt es 372 solcher Regionen, europaweit fast 2.700. Rund 20.000 Menschen engagieren sich hierzulande ehrenamtlich in den Entscheidungsgruppen. Jahr für Jahr entstehen allein in Deutschland etwa 10.000 Projekte. Über die ganze Förderperiode profitieren davon rund 60 Prozent der Menschen auf dem Land.
Doch dieser Erfolg ist in Gefahr. Im Vorschlag für den neuen EU-Haushalt taucht LEADER nur noch als kleiner Teil der Agrarförderung auf, ohne feste Quote und eng an die Landwirtschaft geknüpft. Dabei fördert LEADER weit mehr als den Acker. Es fördert das ganze Dorfleben. Und der EU-Anteil an den Kosten soll sich fast halbieren. Für eine reiche Region ist das ein Problem. Für eine arme ist es das Aus.
Unsere Maßnahmen im Überblick
Wir Grüne im Bundestag haben klare Forderungen an die Bundesregierung. Sie soll sich auf EU-Ebene dafür stark machen:
- LEADER muss verpflichtend bleiben. Jeder Mitgliedstaat soll das Programm anbieten müssen. Überall, nicht nur in einzelnen Problemregionen.
- Genug Geld für LEADER. Wir wollen eine feste Mindestquote, die mindestens so hoch ist wie heute. So stellen wir sicher, dass EU-Mittel bei den Menschen auf dem Land ankommen.
- Ein hoher EU-Anteil. Die EU soll weiter den Großteil der Kosten tragen. Nur so können auch Regionen mit leeren Kassen mitmachen — dort, wo das Geld am dringendsten fehlt.
- Geld fürs ganze Dorf, nicht nur für den Acker. LEADER soll alle Themen fördern dürfen: Kultur, Gesundheit, Treffpunkte, Nahversorgung. Dafür wollen wir, dass die EU 30 Prozent der freien Mittel im neuen EU-Topf fest für die ländlichen Räume reserviert.
- Die Menschen vor Ort entscheiden lassen. Kommunen, Vereine und Bürger*innen sollen von der Planung bis zur Umsetzung mitbestimmen. Dieses Recht wollen wir gesetzlich festschreiben.
Warum setzen wir uns dafür ein?
Wir kämpfen für lebendige Dörfer und Kleinstädte, in denen Menschen gern leben und bleiben. Für einen Ort, an dem man sich kennt und füreinander einsteht. Für Gemeinschaft statt Anonymität. Das schätzen viele am Landleben.
Bei LEADER entscheiden Menschen mit und sehen, dass ihre Idee wirklich etwas verändert. Das schafft Vertrauen in die eigene Region und in Europa. Und wo Menschen ihre Region gemeinsam gestalten, wächst Zusammenhalt. Sie packen miteinander an und machen ihre Region stark, von innen heraus.
Gerade jetzt, wo manche an Europa zweifeln, wäre es falsch, ausgerechnet dort zu kürzen, wo die EU bei den Menschen ankommt. LEADER ist Europa zum Anfassen. Diese Förderlogik brauchen wir nicht weniger, sondern mehr.
Was die schwarz-rote Regierung macht und warum das nicht reicht
Die Bundesregierung sagt, sie wolle LEADER retten. Kanzler Merz und Agrarminister Rainer haben das mehrfach angekündigt. Doch auf der entscheidenden Ebene, in den Verhandlungen in Brüssel, ist von diesem Einsatz bisher wenig zu sehen.
Das ist besonders bitter, weil viele in der Regierung die Wirkung von LEADER aus nächster Nähe kennen. Agrarminister Rainer hat in seinem Wahlkreis ein neues Kinderbecken im Freibad Pfaffenberg, möglich durch LEADER. Im Sauerländer Wahlkreis von Kanzler Merz steht ein Begegnungspavillon. Jugendliche im bayerischen Leinburg haben ihren Bikerpark bekommen. Und im Westmünsterland fährt ein mobiles Gesundheitsteam aufs Land. Vieles davon gäbe es ohne LEADER nicht.
Hinter LEADER steht ein breites Bündnis: der Deutsche Landkreistag, der Städte- und Gemeindebund, Bauern- und Handwerksverbände, Kirchen, Sozialverbände und unzählige Engagierte in den Dörfern. Sie alle sagen dasselbe. Der Deutsche Landkreistag fordert ausdrücklich, dass die EU weiter 80 Prozent der Kosten trägt.
Ankündigungen retten kein Programm. Wir Grüne im Bundestag wollen, dass die Bundesregierung ihren Worten in Brüssel jetzt Taten folgen lässt. Damit LEADER auch in den nächsten 35 Jahren in deinem Dorf ankommt.
Weiterführende Informationen und parlamentarische Initiativen
- Unser Antrag „30 Jahre Erfolg nicht aufs Spiel setzen – LEADER-Programm sichern": Hier fordern wir die Bundesregierung auf, sich in den EU-Verhandlungen für ein gesichertes LEADER und für faire Regeln für die ländlichen Räume einzusetzen. Zum Antrag