Warum Atomkraft keine Zukunft hat – und die Erneuerbaren schon
Am 26. April 1986 stand die Welt still. In der Ukraine explodierte der Reaktor des Atomkraftwerks Tschernobyl. Eine radioaktive Wolke zog über Europa. Bis heute leben Menschen mit den Folgen – und bis heute lagert sich Strahlung in Waldpilzen und Wildschweinen in Süddeutschland ab. 40 Jahre später will die Union uns erzählen, Atomkraft sei die Zukunft. Wir Grüne im Bundestag sagen: Nein. Die Zukunft ist schon da – sie heißt Sonne und Wind.
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Kurz & Knapp: Atomkraft bleibt gefährlich, teuer und von gestern
Atomkraft ist die riskanteste Art, Strom zu erzeugen – egal ob als großes Atomkraftwerk oder als sogenannter Mini-Reaktor. Sie kostet Milliarden an Steuergeld, macht uns abhängig von Putin beim Brennstoff und hinterlässt strahlenden Müll für eine Million Jahre. Wir Grüne im Bundestag wollen, dass Deutschland und Europa endlich konsequent auf saubere Energie aus Sonne und Wind setzen. Denn die ist schon heute günstiger, schneller verfügbar und sicher – ohne Explosionsrisiko und ohne radioaktiven Müll.
Um was geht es?
Am 26. April 1986 explodiert in der Ukraine der Reaktor von Tschernobyl. Eine radioaktive Wolke zieht über 14 Länder, verseucht 40 Prozent von Europa. Rund 800.000 Menschen werden eingesetzt, um die Katastrophe einzudämmen – viele erkranken später schwer an Strahlenkrankheit und Krebs. In den Schilddrüsen von zwei Millionen Kindern lagert sich radioaktives Jod ab. Nur 15 Prozent der Kinder aus der Region gelten später als gesund.
40 Jahre später sind die Folgen immer noch da. Wer in Süddeutschland Pilze im Wald sammelt oder Wildschweinfleisch kauft, muss aufpassen: Das radioaktive Cäsium aus der Wolke von damals steckt heute noch im Boden, in Pilzen, in Tieren. Strahlung macht eben nicht vor Grenzen halt – und sie verschwindet nicht mit der Zeit.
Und heute kommt eine neue Gefahr dazu. Das größte Atomkraftwerk Europas liegt in Saporischschja, mitten im ukrainischen Kriegsgebiet. Russische Truppen haben es besetzt, Mitarbeiter*innen als Geiseln genommen, die Stromversorgung zur Kühlung immer wieder gekappt. Im Februar 2025 schlägt eine russische Drohne ein Loch in die Schutzhülle des havarierten Reaktors von Tschernobyl. Atomkraftwerke sind zu Zielen im Krieg geworden. Kein Meiler und kein Atommülllager ist vor Angriffen oder Terror sicher.
Und trotzdem will uns die Union erzählen, Atomkraft sei die Lösung. Bundeswirtschaftsministerin Katharina Reiche bremst den Ausbau von Sonne und Wind. Sie, Jens Spahn und Markus Söder träumen von einem deutschen Wiedereinstieg – am liebsten mit teuren Mini-Reaktoren, die es praktisch nirgendwo auf der Welt kommerziell gibt. Das ist kein Fortschritt. Das ist ein Rückschritt, der uns unsicherer und abhängiger macht.
Unsere Maßnahmen im Überblick
Wir Grüne im Bundestag haben klare Konzepte für saubere, sichere und bezahlbare Energie:
- Raus aus der Atomkraft – endgültig. Wir stehen fest zum deutschen Atomausstieg. Jedes Atomkraftwerk weniger macht unser Land sicherer. Auch die Atomfabrik in Lingen, wo Putins Staatskonzern Rosatom Fuß fassen will, gehört geschlossen.
- Vorfahrt für Sonne und Wind. Wir wollen den schnellen Ausbau der Erneuerbaren statt Milliarden für Reaktor-Experimente. Mehr Solar auf Dächern, mehr Windräder, bessere Stromnetze und Speicher – das macht deinen Strom günstiger und Deutschland unabhängiger.
- Keine Steuermilliarden für Mini-AKW. Die sogenannten SMR (Small Modular Reactors) sind ein altes Versprechen in neuer Verpackung. Nach jahrzehntelanger Forschung gibt es sie immer noch nicht marktreif. Dieses Geld brauchen wir für die Erneuerbaren.
- Schutz vor nuklearer Erpressung. Wir wollen raus aus der Putin-Falle beim Uran. Solange Russland fast die Hälfte der weltweiten Uran-Anreicherung kontrolliert, finanziert jedes Atomkraftwerk Europas indirekt Putins Krieg mit.
- Ehrliche Endlagersuche. Wir stehen zum wissenschaftsbasierten, transparenten Verfahren für ein Endlager. Den strahlenden Müll aus 60 Jahren Atomstrom können wir nicht wegdiskutieren – aber wir können verhindern, dass noch mehr dazukommt.
Warum setzen wir uns dafür ein?
Wir kämpfen für eine Energieversorgung, die dir keine Angst machen muss. Strom aus der Sonne, die jeden Morgen aufgeht. Strom aus dem Wind, der übers Feld streift. Energie, die keine Wolken aus strahlenden Partikeln hinterlässt. Keine Reaktor-Ruinen, die 100.000 Jahre lang bewacht werden müssen. Keine Abhängigkeit von Autokraten, die uns den Gashahn zudrehen oder den Uran-Export stoppen können.
Und das Beste: Diese Zukunft ist schon da. Mehr als die Hälfte unseres Stroms kommt in Deutschland schon heute aus erneuerbaren Quellen. Weltweit waren 2024 über 90 Prozent aller neuen Kraftwerke Sonne, Wind oder Wasser. Kohle, Gas, Öl und Uran teilen sich zusammen gerade noch eine kleine Restnische. Die fossile und atomare Zeit geht zu Ende – und das ist eine gute Nachricht für deine Stromrechnung, für den Frieden in Europa und für unsere Kinder und Enkel.
Was die schwarz-rote Regierung macht und warum das nicht reicht
Statt die Energiewende zu beschleunigen, legt die Bundesregierung den Rückwärtsgang ein. Wirtschaftsministerin Katharina Reiche bremst den Ausbau von Sonne und Wind aus, wo sie nur kann. Aus der Union hörst du immer wieder Forderungen nach neuen Atomkraftwerken – besonders nach diesen sogenannten Mini-Reaktoren. Markus Söder behauptet sogar, sie könnten sich mit ihrem eigenen Müll betreiben. Wissenschaftlich ist das nicht belegt. Es ist schlicht Wahlkampf-Getöse.
Die Zahlen sprechen eine andere Sprache: Eine Kilowattstunde aus kleinen Atomreaktoren würde nach Berechnungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung 18 bis 50 Cent kosten. Strom aus Windkraft kostet 5 bis 10 Cent. Selbst der frühere Siemens-Chef Joe Kaeser sagt offen: Kein neues Atomkraftwerk weltweit rechnet sich. Wer trotzdem Milliarden Steuergeld für atomare Experimente ausgeben will, nimmt dir das Geld aus der Tasche, das für bezahlbare Erneuerbare, für Schulen, für Pflege oder für deine Stromrechnung gebraucht wird. Das ist das Gegenteil von verantwortlicher Politik.
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