Sauberes Wasser für alle – Innovationen für unsere Wasserversorgung
Veranstaltungsdetails
Über die Veranstaltung
Nach dem erfolgreichen Fachgespräch am 20.03.2026, „Wer verschmutzt, zahlt – sauberes Wasser für alle mit der Kommunalabwasserrichtlinie (KARL)“, diskutierten am 22.05.2026 ein Podium aus Politik, Verbänden, Wasserwirtschaft und kommunalen Unternehmen über Innovationen für die Wasserversorgung in Deutschland – beispielhaft anhand der sektorenübergreifenden Zusammenarbeit der Stadtwerke Trier.
Denn unser Wasser ist unter Druck. Schadstoffe unterschiedlichster Art belasten das Trinkwasser. Gleichzeitig nehmen Dürren, Wassermangel und Überschwemmungen in der fortschreitenden Klimakrise zu. Ohne eine funktionierende Wasseraufbereitung und sichere Wasserversorgung geraten Haushalte und Wirtschaft rasch ins Wanken. Die Zukunftsfähigkeit unserer Wasserversorgungsunternehmen und die vielfältigen Herausforderungen, mit denen sie konfrontiert sind, finden dabei oft zu wenig Beachtung. Dabei ist die Wasserinfrastruktur systemrelevant. Sie liegt in unser aller übergeordnetem öffentlichen Interesse und braucht Innovation.
Einige wichtige Grundlagen für auch zukünftig sauberes Wasser sind in der europäischen Kommunalabwasserrichtlinie (KARL) angelegt. Sie modernisiert als Gesamtpaket die Abwasserentsorgung insgesamt – inklusive der vierten Reinigungsstufe, des Niederschlagsmanagements, sowie mit Blick auf Energieeffizienz und Kreislaufwirtschaft.
Steffi Lemke MdB, unterstrich als zuständige Berichterstatterin der Bundestagsfraktion für Wasserpolitik einleitend, dass Wasser als die kritischste aller Infrastrukturen zu verstehen sei. Ferner seien die zahlreichen Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft hinreichend Begründung dafür, dass unsere Wasserentsorgung und -aufbereitung vieler Innovationen bedarf.
Dipl.-Ing. Arndt Müller, Vorstandsmitglied der Stadtwerke Trier, sowie sein Kollege Dipl.-Ing. Helfried Welsch, ebenfalls im Vorstand, gaben im ersten Teil des Fachgespräches einen detaillierten und eindrucksvollen Überblick über „Wasser und Versorgungssicherheit in der innovativen Praxis – das Regionale Verbundsystem Westeifel“. Entlang des Fadens einer ausführlichen Präsentation gewährten die beiden Praktiker einen beeindruckenden Einblick in die sektorenübergreifende Vorreiterrolle für die Versorgung einer ganzen Region. Wasserversorgung, Energie, Kommunikation und Frühwarnsysteme als Daseinsvorsorge aus einer Hand dokumentierten die Zukunftsfähigkeit grüner Ideen für eine nachhaltige kommunale Versorgung und Wirtschaft.
Christoph Leptien, Leiter der Stabstelle Politik bei der Deutschen Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall e. V. (DWA) bestritt gemeinsam mit Bernd Düsterdiek, Beigeordneter (Wasser & Abwasser, Gemeinde- & Stadtentwicklung) des Deutschen Städte- und Gemeindebundes den zweiten Teil der Veranstaltung.
Unter der Moderation von Karoline Otte MdB, der Berichterstatterin für Kommunales der Bundestagsfraktion diskutierte das Podium über die für solche Lösungen „Rahmenbedingungen für sauberes Wasser und eine zukunftsfähige Wasserinfrastruktur“.
Die Referenten unterstrichen, dass die Wasserversorgung als Kernpunkt des gesellschaftlichen Zusammenlebens sichergestellt werden muss. Besonders bei Fragen der Finanzierung wünscht sich die Branche Unterstützung, Stichwort sei hier der Ausbau der 4. Reinigungsstufe. Auch die brennend aktuellen Themen des Hitzeschutzes und eine stärkere Fokussierung auf den Rückhalt von Wasser in der Fläche brachte Leptien in die Diskussion ein.
Düsterdiek bestärkte die Relevanz der Klärung von Finanzierungsfragen auf kommunaler Ebene. Die Aufgabenerfüllung sei zunehmend schwierig, ein negativer Saldo wegen des Investitionstaus in die kommunale Infrastruktur sei Realität (ca. 230 Milliarden Euro Defizit). Die Stimmung in den Kommunen sei in dieser Legislaturperiode entsprechend schlecht und die Finanzierungsfragen treiben die Praktiker*innen um - wichtig sei jedoch, dass die Investitionsvolumina nicht bei den Bürger*innen landen dürften. Die Hoffnung liegt auf dem Prüfauftrag zur Gemeinschaftsaufgabe Klimaanpassung, die im Koalitionsvertrag angelegt ist, um die angesprochenen Probleme anzugehen. Den berechtigten Ansatz, die Wasserinfrastruktur auch gesetzgeberisch mit einem überragenden öffentlichen Interesse (üöI) auszustatten, bewerteten die beiden Experten kritisch. Man benötige gesamtpolitisch eher sachgerechte Planungsverfahren, statt die überinflationäre Nutzung des üöI. Die Wasserwirtschaft dürfe am Ende allerdings nicht zurückfallen, wenn andere, nachrangigere Bereiche willentlich in das überragende Interesse überführt werden.
Auch die Kommunale Abwasserrichtlinie (KARL) sei laut Düsterdiek und Leptien ein europäischer Meilenstein für den Wasser-, Umwelt- und Verbraucherschutz, der nicht unterminiert werden dürfe. Im weiteren Verlauf führten die beiden Verbandsvertreter aus, dass auch die Baugesetznovelle und das Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz (ANK) wichtige Ansatzpunkte lieferten, welche die Wasserinfrastruktur in Deutschland beeinflussen und stärken können. Düsterdiek stellte ferner die Anwendung der europäischen Wiederherstellungsverordnung in den Raum, und wies an diese Stelle auf mögliche Zielkonflikte hin.
Jutta Paulus, MdEP bereicherte seitens der Fraktion Die Grünen/EFA im Europäischen Parlament die Veranstaltung mit einem aktuellen „Update aus Europa: Wasserrecht und Planungssicherheit in Gefahr“, welches von den Teilnehmer*innen weiter aufgegriffen wurde. Auf europäischer Ebene seien viele Gesetze zum Wasser- und Umweltschutz unter politischem Beschuss. Die KARL sei weiterhin unter Druck, doch gebe es auch gute Signale, da die Europäische Volkspartei (EVP) zur Stunde Schwierigkeiten hätte, politische Mehrheiten für eine Entkernung bzw. ein Stopp der KARL auf Lobbydruck hin zu organisieren. Allerdings steht im Raum, dass die Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) überarbeitet und auf diese Weise abgeschwächt werden soll. Paulus insistiert, dass Trinkwasserschutz nicht durch Wirtschaftsbelange als „Totschlagargument“ aufgeweicht werden dürfe, dafür setze sie sich ein. Den oftmals gefallenen Begriff der Vereinfachung von (Planungs-)Prozessen griff Paulus ebenfalls auf, und mahnte an, dass dieser nicht mit dem Zurückfahren von Standards, der Belastung von Bürger*innen durch externalisierte Kosten und der Privatisierung von Gewinnen einhergehen darf.
Im Anschluss wurde das Plenum für viele politische und fachliche Fragen geöffnet. Müller und Welsch beantworteten, wie sie mit der Herausforderung der unterschiedlichen regionalen Wasserqualität und -verfügbarkeit auf praktischer Ebene umgehen, und ob es Entwicklungen gibt, das Vorreitermodel der Sektorenkopplung in Trier mit anderen Praktiker*innen in Deutschland zu teilen. Hierbei ging es auch um die Frage, wie hoch die spezifischen Betriebskosten der 4. Reinigungsstufe seien und in welchem Maße die Kosten der Umrüstung für eine durchschnittliche Kläranlage stiegen.
Leptien merkte an, dass genaue Schätzungen schwer zu fassen seien, da die Rahmenbedingungen von Anlage zu Anlage sehr unterschiedlich sind. Die bisher kursierenden Zahlen, insbesondere aus den Reihen der Pharmazeutischen Industrie, seien laut seiner Aussage nicht hinreichend belastbar. Eine vorsichtige Schätzung sei, dass zwischen 0,04 und 0,08 € pro aufzubereitendem Kubikmeter Schmutzwasser anfallen könnten. Diese Werte seien jedoch hochgradig standort- sowie technologieabhängig.
Düsterdiek nahm Bezug auf die Zahlen des Verbundes kommunaler Unternehmen (VKU). Dieser schätzt die Kosten in einer Höhe von ungefähr 8,7 Milliarden Euro bis 2045 für den adäquaten Ausbau der 4. Reinigungsstufe in Deutschland.
Nach diesem fruchtbaren Austausch mit dem Publikum im virtuellen Raum fasste Steffi Lemke, MdB die Veranstaltung zusammen und nahm eine fachpolitische Einordnung vor. Gelobt wurde dabei der sektorenübergreifende Ansatz, den die Vertreter der Stadtwerke Trier vorstellten, speziell hinsichtlich der Eigenerzeugung von grüner Energie und der Inklusion von Sicherheitsaspekten, die auch die öffentliche Diskussion um die KRITES-Strukturen in Deutschland sehr gut aufgreift. Lemke bekräftigte die Notwendigkeit parteiübergreifenden Handelns, um die im Fachgespräch besprochenen Herausforderungen zu lösen. In Rückgriff auf die europäische Ebene ist es für die Demokratie in Europa existentiell, dass KARL nicht durch Stop-The-Clock-Verfahren und andere Störfeuer entkernt wird, da dadurch die politische Konsensfindung mehrerer Jahre kompromittiert und Vertrauen in demokratische Prozesse zerstört wird.
Sie resümierte, dass die anwesenden Expert*innen sich besonders auf die regulatorische Ebene der Politik konzentrierten - sei es die Wiederherstellungsverordnung, die KARL oder auch das ANK, welches die angesprochenen Finanzierungsprobleme ein Stück weit auffangen kann. Kritisch ging Lemke mit dem Prinzip des allgegenwärtigen überragenden öffentlichen Interesses ins Gericht, dessen Präzedenz auch beim Entwurf für ein so genanntes „Infrastruktur-Zukunftsgesetz“ Zielkonflikte schafft. Auch hinsichtlich des in der Diskussion angesprochenen „Bauturbos“ stellte Lemke fest, dass dort Konfliktpotenzial existiere, dass politisch aufgegriffen werden muss. Darunter fallen Gerechtigkeitsfragen, sei es zu individuellen Wohnraumbedürfnisse und wie vorhandene Fläche genutzt werden sollte. Ihr Resümee:
„Wir müssen uns gemeinsam unserer Überlebensgrundlage widmen, an einem Strang ziehen, damit unsere Welt eine lebenswerte und Wasser verfügbar bleibt.“
- Veranstalter
FB 2-Koordinationsbüro (Ökologie)
Platz der Republik 1, 11011 Berlin
TEL 030/227 59406
fachbereich2@gruene-bundestag.de
Programm
Begrüßung & politische Einführung
Steffi Lemke MdB
Bundesumweltministerin a. D.
Bündnis 90/Die Grünen Bundestagsfraktion
Wasser und Versorgungssicherheit in der innovativen Praxis – das Regionale Verbundsystem Westeifel
Vortrag & Präsentation
Dipl.-Ing. Arndt Müller
Vorstand
Stadtwerke Trier AöR
Dipl.-Ing. Helfried Welsch
Vorstand
Kommunale Netze Eifel AöR
Rahmenbedingungen für sauberes Wasser und eine zukunftsfähige Wasserinfrastruktur
Christoph Leptien
Leiter Stabstelle Politik
Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall e. V. (DWA)
Bernd Düsterdiek
Beigeordneter (Wasser & Abwasser, Gemeinde- & Stadtentwicklung u. a. m.)
Deutscher Städte- und Gemeindebund
Moderation: Karoline Otte MdB
Berichterstatterin für Kommunales
Bündnis 90/Die Grünen Bundestagsfraktion
Update aus Europa: Wasserrecht und Planungssicherheit in Gefahr
Jutta Paulus MdEP
Die Grünen/EFA im Europäischen Parlament
Diskussion und Austausch mit dem Publikum im virtuellen Raum
Moderation: Karoline Otte MdB
Zusammenfassung und Fazit
Steffi Lemke MdB
Ende der Veranstaltung