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85 Jahre Massaker von Babyn Jar – Gedenken und Verantwortung
- Immer noch ist in Deutschland wenig über die tragische Geschichte der Ukraine und die deutsche Verantwortung für grausames und massenhaftes Leid in dem Land bekannt.
- Wir richten den Blick auf das Massaker von Babyn Jar vor 85 Jahren. Deutsche Einsatzgruppen ermordeten am Stadtrand von Kyjiw, in Babyn Jar, innerhalb von zwei Tagen zehntausende Jüdinnen und Juden.
- Historische Verantwortung annehmen bedeutet: Erinnerung und Aufarbeitung, Gedenken der Opfer, Eintreten gegen Krieg und Gewalt, Verteidigung von Demokratie und Freiheit und Unterstützung der Ukraine heute.
Tragische Geschichte der Ukraine
Die Geschichte der Ukraine im 20. Jahrhundert ist geprägt von tiefgreifendem, massenhaftem Leid, verursacht durch menschenverachtende Verbrechen benachbarter Staaten mit imperialen Ansprüchen. Das Territorium der heutigen Ukraine war ein zentraler Schauplatz des russischen Bürgerkriegs, dann des vom sowjetischen Diktator Stalin herbeigeführten Terrors und millionenfachen Hungertods, dem sogenannten „Holodomor“, und nach dem Hitler-Stalin-Pakt ab 1941 ein Schlachtfeld des Zweiten Weltkriegs. Terror und Krieg kosteten Millionen Menschen in der Ukraine das Leben. Deutschland trägt die historische Verantwortung für zahllose nationalsozialistische Verbrechen auf dem Gebiet der heutigen Ukraine. Schon 2016 haben wir im Bundestag dafür geworben, sich mit dieser besonderen historischen Verantwortung auseinanderzusetzen.
Massaker von Babyn Jar
Der verbrecherische Krieg des nationalsozialistischen Deutschlands richtete sich vor allem im östlichen Europa gezielt gegen die Zivilbevölkerung. Kulturen und Gesellhaften sollten ausgelöscht, Menschen versklavt oder ermordet werden. Der Shoa, der systematischen Ermordung der europäischen Jüdinnen und Juden, fielen in Osteuropa Millionen Menschen zum Opfer. Besonders heraus ragt hier das Massaker von Babyn Jar: Am 29. und 30. September 1941 wurden in Babyn Jar, am Stadtrand von Kyjiw, 33.771 jüdische Männer, Frauen und Kinder erschossen. Bis zum Abzug der deutschen Besatzer im Herbst 1943 wurden bis zu 100.000 Menschen an diesem Ort ermordet, darunter sowjetische Kriegsgefangene, Roma sowie weitere Verfolgte des NS-Regimes.
Historische Verantwortung annehmen
Mit unserem Antrag gedenken wir der Opfer des Massakers von Babyn Jar und erinnern an unsere historische Verantwortung gegenüber der Ukraine und den weiteren Ländern Mittel- und Osteuropas. Die Erinnerung an die nationalsozialistischen Verbrechen in diesen Ländern muss dauerhaft einen sichtbaren Platz in der deutschen und europäischen Erinnerungskultur erhalten. Wir stellen uns heute Antisemitismus, Rassismus, Geschichtsrevisionismus und anderen menschenfeindlichen Ideologien entschieden entgegen. Und wir treten für die europäische Friedensordnung ein, die darauf beruht, dass es für imperiales Großmachtstreben und Unterdrückung in Europa keinen Platz mehr geben darf. Auch deshalb stehen wir an der Seite der Ukraine in ihrem Verteidigungskampf gegen den russischen Aggressionskrieg und fordern eine stärkere Unterstützung der Ukraine – politisch, finanziell, humanitär und militärisch.
Versagen von CDU/CSU und SPD
Über Monate haben wir gegenüber CDU/CSU und SPD für einen gemeinsam Antrag im Bundestag anlässlich des 85. Jahrestags des Massakers von Babyn Jar geworben. Es war jahrzehntelange Praxis, dass die demokratischen Fraktionen gerade, wenn es um Erinnerung und die Lehren aus der deutschen Geschichte ging, zusammenstanden. Gemeinsame Anträge senden ein Signal der Einheit und Stärke der Demokratinnen und Demokraten. Gerade in diesen Zeiten halten wir das für geboten.
Dass die Koalitionsfraktionen hier nicht die Kraft fanden, ein solches gemeinsames Signal zu senden, stimmt uns traurig und nachdenklich. In Reaktion auf unseren Antrag haben CDU/CSU und SPD einen eigenen Antrag zum selben Thema verfasst. So sehr wir begrüßen, dass die beiden Fraktionen sich im Bundestag ausdrücklich zur besonderen historischen Verantwortung Deutschlands gegenüber der Ukraine bekennen, so sehr ist es beschämend, bei einem solchen Thema zwei weitgehend inhaltsgleiche Anträge nebeneinander zu stellen.
Unser Antrag im Plenum
Weitere Texte und Dokumente zum Thema
Wir Grünen im Bundestag gedenken der Opfer des Massakers von Babyn Jar 1941 in der Ukraine. Heute geht es darum, dass Deutschland seine historische Verantwortung für die Ukraine annimmt.
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