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Digitale Teilhabe älterer Menschen
- Die Digitalisierung hat auch in den Alltag älterer Menschen Einzug gehalten. Viele stoßen allerdings auf Hürden und wünschen sich konkrete Unterstützung.
- Die bisherigen Initiativen der Bundesregierung sehen begrenzte Beratungsangebote vor, die aufgesucht werden müssen – am Bedarf vieler Älterer vorbei.
- Wir fordern ein bundesweit erreichbares Hilfetelefon für digitale Fragen, einen barrierefreien Support von Anbietern der Daseinsvorsorge und eine Qualifizierung von Beratungspersonen.
Die Digitalisierung und die Nutzung von Künstlicher Intelligenz haben in den Alltag der Menschen längst Einzug gehalten. Das gilt auch für Seniorinnen und Senioren. Drei Viertel der Deutschen ab 65 Jahre nutzen regelmäßig das Internet. Acht von zehn Angehörigen dieser Personengruppe sehen die Digitalisierung als Chance. Das hat eine repräsentative Studie ergeben, die im Auftrag des Digitalverbandes Bitkom durchgeführt und gemeinsam mit dem Bundesseniorenministerium am 15. Januar 2026 vorgestellt wurde.
Die Erhebung hat aber auch gezeigt, dass 96 Prozent der befragten Seniorinnen und Senioren sich mehr Unterstützung wünschen, um digitale Fähigkeiten besser erlernen und anwenden zu können. Freunde, Familie und Bekannte sind dafür bisher die häufigste Anlaufstelle (54 Prozent). Was bedeutet das für Menschen, die nicht über entsprechende Kontakte verfügen? Nur fünf Prozent der Teilnehmenden nutzen Sprechstunden oder Beratungsangebote, dabei würden sich 60 Prozent diese Möglichkeit wünschen. Das spricht für einen Mangel an verfügbaren Angeboten. 78 Prozent der Befragten befürworten zur Abhilfe die Einrichtung eines Hilfetelefons für digitale Fragen.
Unzureichende Unterstützung durch die Bundesregierung
Zwei zentrale Initiativen der Bundesregierung zur Unterstützung der digitalen Teilhabe älterer Menschen sind der DigitalPakt Alter und das Projekt „Digitaler Engel“. Im Rahmen des DigitalPakts Alter wurden im Zeitraum von 2021 bis 2025 insgesamt 314 „Erfahrungsorte“ mit jeweils 2.000 bis 3.000 Euro gefördert. Das Projekt „Digitaler Engel“ zeichnet sich dadurch aus, dass ein mobiles Ratgeberteam mit zwei Infomobilen aufsuchende Beratung in ausgewählten Kommunen leistet.
Beide Initiativen sind im Grundsatz zu begrüßen. Sie können aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass eine flächendeckende, niedrigschwellige Unterstützung in Deutschland nach wie vor fehlt. Ihre Wirksamkeit im Hinblick auf die Verbesserung digitaler Kompetenzen älterer Menschen wurde zudem bisher nicht ausreichend wissenschaftlich untersucht. Klar ist: beide Programme umfassen hauptsächlich Angebote, die aufgesucht werden müssen. Dies hilft älteren Menschen nicht weiter, die gerade unterwegs oder – womöglich mit Bewegungseinschränkungen – zu Hause mit Problemen bei einer Authentifizierung oder einem Ticket-Kauf zu kämpfen haben.
Grüne Bundestagsfraktion fordert weitergehende Maßnahmen
Vor diesem Hintergrund haben wir Grüne im Bundestag einen Antrag eingebracht, in dem wir die Bundesregierung dazu auffordern, die digitale Teilhabe älterer Menschen stärker zu unterstützen (vgl. Drs. 21/5336). Die Wirksamkeit der bestehenden Initiativen soll wissenschaftlich evaluiert werden, um Rückschlüsse für weitere Förderperioden zu ziehen. Gemeinsam mit den Bundesländern muss eine flächendeckende, niedrigschwellige Unterstützungsstruktur für digitale Fragen älterer Menschen auf- bzw. ausgebaut werden, insbesondere durch die Stärkung wohnortnaher Beratungs- und Lernangebote. Außerdem sollte ein bundesweit erreichbares Hilfetelefon für digitale Fragen eingerichtet werden. Ehrenamtliche Berater*innen sollten qualifiziert und die Vermittlung digitaler Kompetenzen in die Ausbildungen verschiedener Berufe integriert werden. Nicht zuletzt müssen Anbieter zentraler Dienstleistungen der Daseinsvorsorge ihre digitalen Angebote verständlich gestalten und einen barrierefreien Support vorhalten.
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