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Gesund länger arbeiten und soziale Absicherung stärken
- In der Rentendebatte wird oft pauschal eine Anhebung des Renteneintrittsalters gefordert. Viele Menschen können aber aus gesundheitlichen Gründen gar nicht bis zum gesetzlichen Eintrittsalter arbeiten – für sie käme eine weitere Erhöhung einer Rentenkürzung gleich.
- Wir wollen stattdessen, dass Menschen gesund im Erwerbsleben bleiben und freiwillig länger arbeiten können.
- Gleichzeitig müssen aber auch Fehlanreize zur Frühverrentung abgebaut werden, um das Rentensystem langfristig zu stabilisieren.
Sozial gerechte statt einfacher Lösungen
Die demografischen Herausforderungen in der Rentenpolitik lassen sich unter anderem dadurch bewältigen, dass mehr Menschen erwerbstätig sind und länger im Arbeitsleben bleiben. Schnell wird von dann Teilen der Bundesregierung gefordert, das Renteneintrittsalter pauschal anzuheben – schließlich steige auch die durchschnittliche Lebenserwartung. Dabei wird jedoch übersehen, dass diese in den vergangenen 15 Jahren nur noch geringfügig zugenommen hat. Zudem schaffen es viele Menschen aus gesundheitlichen Gründen schon heute nicht, bis zum regulären Renteneintrittsalter zu arbeiten.
Wir setzen daher auf sozial gerechte Lösungen. Mit unserem Antrag „Gesund länger arbeiten und die Erwerbsminderungsrente verbessern“ rücken wir bislang unterbelichtete Aspekte wie Reha und Prävention in den Mittelpunkt. Unser Ziel ist es, die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass Menschen gesund im Erwerbsleben bleiben und freiwillig länger arbeiten können. Gleichzeitig sorgen wir für eine verlässliche und zielgenaue Absicherung all jener, die aus gesundheitlichen Gründen nicht bis zum gesetzlichen Renteneintritt arbeiten können. So fördern wir gesundes Älterwerden, würdigen die Lebensleistung erkrankter Beschäftigter und stärken den gesellschaftlichen Zusammenhalt zwischen den Generationen.
1. Prävention und Rehabilitation stärken
Damit Menschen freiwillig und bei guter Gesundheit länger arbeiten können, müssen Prävention und Rehabilitation deutlich gestärkt werden. Entscheidend ist, gesundheitliche Belastungen gar nicht erst entstehen zu lassen und bestehende Risiken frühzeitig zu erkennen.
- Prävention und Gesundheitsschutz ausbauen: Der Gesundheitsschutz in den Betrieben muss gestärkt werden, damit Beschwerden und Erkrankungen möglichst gar nicht erst entstehen.
- Präventionsleistungen gezielter einsetzen: Die Angebote der Rentenversicherung sollen früher greifen und stärker auf diejenigen ausgerichtet werden, die sie am dringendsten benötigen – nicht erst, wenn bereits erste Symptome auftreten.
- Rehabilitation bedarfsgerecht stärken: Reha-Angebote werden ausgebaut und das Budget am tatsächlichen Bedarf ausgerichtet. Insbesondere im Bereich psychischer Erkrankungen müssen Kapazitäten erweitert und Wartezeiten verkürzt werden.
- Früher erkennen, besser eingliedern: Rehabilitationsbedarfe sollen früher identifiziert und die berufliche Wiedereingliederung weiterentwickelt werden.
2. Fehlanreize zur Frühverrentung abbauen
Neben Prävention und Rehabilitation braucht es aber auch Reformen bei den bestehenden Rentenregelungen. Die sogenannte „Rente mit 63“ setzt Anreize für einen frühen Renteneintritt – oft unabhängig von tatsächlicher Belastung. Sie soll daher schrittweise abgeschafft werden.
Gleichzeitig wollen wir flexiblere Übergänge schaffen:
- Keine starren Regelungen: Arbeitsverhältnisse sollen nicht automatisch mit Erreichen des Rentenalters enden. Stattdessen soll ein flexibles Modell mit Kündigungsoptionen für beide Seiten eingeführt werden.
- Zuschläge bei längerem Arbeiten: Wer freiwillig länger arbeitet, soll stärker davon profitieren, etwa durch höhere Rentenzuschläge.
3. Menschen absichern, die nicht länger arbeiten können
Nicht alle können bis zum Renteneintrittsalter arbeiten – und genau diese Menschen brauchen besonderen Schutz. Jährlich beziehen viele Menschen erstmals eine Erwerbsminderungsrente, gleichzeitig wird ein großer Teil der Anträge abgelehnt. Die Folge sind oft schwierige Übergänge mit Arbeitslosigkeit oder finanzieller Unsicherheit.
Deshalb wollen wir die Absicherung gezielt verbessern:
- Einführung einer Überlastungsschutzrente: Für Menschen, die ihren Beruf aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben können, aber keine Erwerbsminderungsrente erhalten.
- Mehr Unterstützung bei Wiedereinstieg: Insbesondere für Menschen mit befristeter oder teilweiser Erwerbsminderung.
- Abschläge reduzieren: Es ist nicht gerecht, dass gesundheitlich eingeschränkte Menschen Rentenkürzungen hinnehmen müssen.
Zwei Seiten einer Medaille
Eine nachhaltige Rentenpolitik muss beides leisten: Sie muss ermöglichen, dass möglichst viele Menschen länger arbeiten können – und gleichzeitig diejenigen absichern, die dazu nicht in der Lage sind.
Die Bundesregierung setzt derzeit vor allem auf neue Belastungen und Kürzungsvorschläge und ignoriert, dass das Reha-Budget deutlich zu niedrig angesetzt ist, um den tatsächlichen Bedarfen der Menschen angemessen gerecht zu werden.
Dokumente
- Antrag: „Gesund länger arbeiten und die Erwerbsminderungsrente verbessern“
- Autor*innenpapier: Gute Rente sichern, junge Generation entlasten
- Gutachten: Wissenschaftlicher Dienst zum Reha-Budget
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