Veröffentlicht am

Kinder besser vor ungesunder Werbung schützen

  • Ausgerechnet an Kinder gerichtete Werbung bewirbt oft ungesunde Lebensmittel, die sehr viel Zucker, Fett oder Salz enthalten. Die Bundesregierung hat nicht vor, hier aktiv zu werden.
  • Dabei sind Kinder besonders empfänglich für Werbung und müssen vor negativen Einflüssen geschützt werden.
  • Auch wenn unser Vorschlag für ein Kinderschutz-Werbegesetz in der letzten Legislaturperiode blockiert wurde:  Wir kämpfen weiter für verbindliche Regeln für an Kinder gerichtete Lebensmittelwerbung.

In der letzten Legislaturperiode hatten die Ampelpartner im Koalitionsvertrag festgelegt: „An Kinder gerichtete Werbung für Lebensmittel mit hohem Zucker-, Fett- und Salzgehalt darf es in Zukunft bei Sendungen und Formaten für unter 14-Jährige nicht mehr geben.“ Das damalige Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft hatte einen Gesetzentwurf vorgelegt, der trotz großer Kompromissbereitschaft auf unserer Seite bis zum Schluss von der FDP blockiert wurde. Die neue Bundesregierung setzt den Blockade-Kurs fort und setzt auf freiwillige Reduktionsverpflichtungen für Zucker, Fett und Salz seitens der Hersteller, anstatt Kinder wirksam zu schützen. 

Kinder schützen und Eltern unterstützen

Freiwillige Regelungen der Unternehmen haben bisher nicht dazu beigetragen, Kinder als besonders schützenswerte Verbrauchergruppe hinreichend zu berücksichtigen. Dies belegt etwa das Gutachten des Wissenschaftlichen Beirats für Agrarpolitik, Ernährung und gesundheitlichen Verbraucherschutz (WBAE). In einer Studie in 49 Ländern nahm der Konsum von Junk-Food in denjenigen Ländern ab, die gesetzliche Beschränkungen für Ungesundes geltend gemacht hatten. In Ländern mit freiwilligen Selbstverpflichtungen der Industrie nahm der Konsum im gleichen Zeitraum zu.

In Deutschland sind 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen übergewichtig, 6 Prozent davon adipös. Das Problem hat sich während der Corona-Pandemie verschärft. Auch der Medienkonsum der Kinder ist in dieser Zeit gestiegen. Im Durchschnitt sieht ein Kind pro Tag 15 Werbespots für ungesunde Lebensmittel.

Daher haben wir Vorschläge für verbindliche Regelungen vorgelegt, die bundeseinheitlich und für alle relevanten Medien gelten sollten. Werbung für Lebensmittel mit hohem Anteil an Zucker, Fett oder Salz sollte nicht mehr an Kinder gerichtet werden dürfen. Als Kinder gelten alle unter 14-Jährigen. Für die Bewertung der Lebensmittel als zu süß/salzig/fettig würde ein international anerkanntes Nährwertprofil der Weltgesundheitsorganisation herangezogen, das in anderen EU-Ländern wie Portugal, Spanien und Österreich bereits angewendet wird.

Schlechter Einfluss mit gesundheitlichen Folgen

Kinder und Jugendliche werden nachweisbar von Werbung beeinflusst, auch in ihrem Essverhalten. Da die WHO und UNICEF die Evidenz für den Einfluss der Werbung als eindeutig bewerten, hat die Weltgesundheitsorganisation ihre Mitgliedsstaaten schon 2010 zur wirksamen Begrenzung von Werbe- und Vermarktungsmaßnahmen von ungesunden Lebensmitteln mit hohem Gehalt an gesättigtem Fett, Zucker oder Salz aufgefordert.

Derzeit essen Kinder und Jugendliche doppelt so viele Süßigkeiten und Snacks wie empfohlen, aber nur halb so viel Obst und Gemüse. Damit steigt das Risiko für ernährungsmitbedingte Erkrankungen wie Diabetes und Adipositas mit allen persönlichen und gesellschaftlichen Folgekosten.

Viele Gewohnheiten und Verhaltensweisen werden in der Kindheit geprägt und erlernt. Auch Ernährungsgewohnheiten verfestigen sich. Die Regulierung der Werbung ist damit auch ein wichtiger gesamtgesellschaftlicher Ansatz für den Kampf gegen Übergewicht und Diabetes. 

Für mehr Kinderschutz in der Werbung

Der Schutz der Kinder ist im Grundgesetz verankert, ebenso die körperliche Gesundheit und Unversehrtheit. Während in England Anfang 2026 ein Junkfood-Werbeverbot in Kraft getreten ist und Kinder effektiv schützt, dringen Werbebotschaften für Snacks und Zuckerbomben in Deutschland weiterhin ungefiltert in die Kinderzimmer. Kinder sind dem ungeschützt ausgeliefert. Bis zum achten Lebensjahr können sie Werbung und ihre Wirkung nicht einordnen und von anderen Inhalten hinreichend unterscheiden.

Klare Regeln für an Kinder gerichtete Werbung bringen die Unternehmen dazu, für ihre gesunden Produkte zu werben. Jede*r darf selbst entscheiden, was sie/er isst, aber nicht jede*r, die/der sich ungesund ernährt, tut dies aus freiem Entschluss. Das gilt insbesondere für Kinder. Die Regulierung von Werbung für Ungesundes hilft dabei, dass unsere Kinder in gesunden Ernährungsumgebungen aufwachsen.

Wir werden deshalb weiter auf die Bundesregierung Druck machen, ihrer Schutzfunktion nachzukommen und Werbung für ungesunde Lebensmittel, die gezielt an Kinder gerichtet ist, endlich zu verbieten.

Weitere Texte und Dokumente zum Thema

Warum die Wolfsjagd keine Antwort ist

Populistische Wolfsjagd statt echter Lösungen verschärft die Probleme – wirksamer Herdenschutz mit verlässlicher Förderung ist der einzige Weg, Weidetierhaltung dauerhaft zu sichern.

Fachtext
Fachtext: Warum die Wolfsjagd keine Antwort ist
Schutz der Artenvielfalt - bekommen wir noch die Kurve?

Die Weltbiodiversitätskonferenz COP17 in Jerewan 2026 wird zum Test, ob Staaten ihre Versprechen zum Schutz der Artenvielfalt ernst nehmen. Deutschland verfehlt eigene Ziele, schwächt Schutzstandards und droht vom Vorreiter zum Bremser zu werden.

Fachtext
Fachtext: Schutz der Artenvielfalt - bekommen wir noch die Kurve?
Igel schützen – Mähroboter sicherer machen

Immer mehr Igel werden durch die scharfen Klingen von Mährobotern schwer verletzt oder getötet. Wir Grüne im Bundestag fordern jetzt gesetzliche Regeln und technische Standards – bevor es zu spät ist.

Fachtext
Fachtext: Igel schützen – Mähroboter sicherer machen
Globale Hungerkrisen durch Ernährungssouveränität bekämpfen

Die Blockade der Straße von Hormus treibt Menschen in Hungersnot. Dennoch kürzt die Bundesregierung Hilfen. Es braucht mehr Mittel und den ökologischen Umbau der Agrar- und Ernährungssysteme, um Abhängigkeiten zu reduzieren und Resilienz zu stärken.

Fachtext
Fachtext: Globale Hungerkrisen durch Ernährungssouveränität bekämpfen
Mit Klimavorsorge die Landwirtschaft zukunftsfest machen

Erfahre wie Klimavorsorge die Landwirtschaft in Deutschland zukunftsfest macht. Die Grünen im Bundestag setzen auf nachhaltige Agrarstrukturen und Förderprogramme, um Landwirt*innen zu unterstützen.

Fachtext
Fachtext: Mit Klimavorsorge die Landwirtschaft zukunftsfest machen
Es wurden keine Treffer gefunden.

Unsere Publikationen

Sauberes Wasser für alle!

Wir wollen keine Chemikalien für die Ewigkeit im Wasser.

Flyer & Broschüren
Zur Publikation: Sauberes Wasser für alle!
5 Postkarten liegen auf einem Tisch

Postkarten-Set Wasser

Wasser: warum wir es brauchen, wie wir es schützen

Sonstiges
Zur Publikation: Postkarten-Set Wasser
Eine Unterwasseraufnahne eines Jungen, der ins Wasser gesprungen ist; Dasrüber steht der Titel der Zeitung "extragrün".

Wasser

Alles, was Sie schon immer über Wasser wissen wollten: in der Zeitung "extragrün".

Zeitschrift
Zur Publikation: Wasser