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Heizkostenfalle verhindern: Wärmewende weiterführen
- Mit der Abschaffung des Heizungsgesetzes treibt die Koalition Millionen Menschen in eine fossile Heizkostenfalle.
- So werden Klimaschutz und günstiges Heizen ausgebremst, während künftig mehr Menschen teure Öl- und Gasrechnungen drohen.
- Wir fordern eine Beibehaltung der 65%-Anforderung für das Heizen mit erneuerbaren Energien und eine ambitionierte Umsetzung der europäischen Gebäuderichtlinie (EPBD).
Immer mehr Menschen machen ihr Zuhause zukunftsfit. Sie bauen erneuerbare Heizsysteme wie die Wärmepumpe ein und rüsten bei der Dämmung nach. Neue Fenster, Türen oder zusätzlich gedämmte Dächer und Wände sorgen dafür, dass die warme Luft im Winter drinnen und im Sommer draußen bleibt. Das sichert dauerhaft günstige Heizkostenabrechnungen und schützt das Klima.
Klimaneutralität 2045 gefährdet
Mit der letzten Novelle des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) hatten wir Grüne im Bundestag den Umstieg auf erneuerbare Wärme eingeleitet. Seit dem 1. Januar 2024 galt, dass jede neu eingebaute Heizung mit mindestens 65 Prozent erneuerbarer Energie laufen muss. So sollte bis 2045 das Heizen komplett erneuerbar werden. Doch genau diese Regeln hat Schwarz-Rot nun gestrichen. Die Koalition schafft damit Planungsunsicherheit, Kostenfallen und gefährdet die Klimaziele.
Stattdessen hat Schwarz-Rot mit ihrem Gebäudemodernisierungsgesetz (GMG) nun eine neue Regel eingeführt, dass ab 2029 für neue Öl- und Gasheizungen 10 Prozent „grüne“ Gase (dazu zählt aber auch erdgasbasierter Wasserstoff) und „grünes“ Öl beigemischt werden sollen. Dieser Anteil soll bis 2040 stufenweise ansteigen: ab 2030 mindestens 15 Prozent, ab 2035 mindestens 30 Prozent und ab 2040 mindestens 60 Prozent. Wie es danach weitergehen soll, ist unklar. Eine Wärmeversorgung, die 2040 noch zu 40 Prozent auf fossilen Energieträgern basiert, ist mit dem Pfad zur Klimaneutralität 2045 schlicht nicht vereinbar.
Abhängkeit von der Gaslobby wird gefestigt
Für bestehende Heizungen soll ab 2028 eine Luxus-Gas-Quote dem Erdgas beigemischt werden – das teuer produzierte Luxus-Gas aus Biomethan, Wasserstoff oder anderem Ursprung steht nicht ansatzweise in nötiger Menge zur Verfügung. Und niemand weiß, wo es herkommen soll und was es kosten wird. Damit baut die Bundesregierung ein Luftschloss und schickt die Verbraucher*innen in die Gaskostenfalle. Zusätzlich wird die Konkurrenz zwischen Haushalten und der Industrie geschürt und die Transformation von unseren Unternehmen behindert, die auf echte grüne Gase angewiesen sind.
Je mehr Menschen auf die Täuschung mit sogenanntem „Grüngas“ hereinfallen und sich heute noch eine Öl- und Gasheizungen einbauen, desto länger bleibt Deutschland abhängig von Flüssiggas-Importen aus Trumps USA und Golfmonarchien. Damit beugt sich die Regierung den Interessen der Gaslobby und verabschiedet sich von dem Erfolgspfad der wachsenden Energieunabhängigkeit der letzten Jahre: Jede Wärmepumpe hat Deutschland weniger erpressbar gemacht. Stattdessen ermutigt die Regierung nun, neue Öl- und Gasheizungen einzubauen, die zu fatalen und teuren Lock-In-Effekten führen: Jede dieser Heizungen wird in ein paar Jahren nicht mehr wirtschaftlich betrieben werden können – so dass dann Menschen entweder in ihren teuren Fehlinvestitionen gefangen sind, oder erneut in Heizungstechnik investieren müssen.
Dies kommt insbesondere Mieterinnen und Mieter teuer zu stehen, weil sie nicht beeinflussen können, welche Heizung eingebaut wird. Künftig sollen Mieter*innen die Hälfte des CO₂-Preises tragen, teure „grüne Gase“ mitfinanzieren und zugleich steigende Netzentgelte schultern. Statt, wie in den Eckpunkten angekündigt, eines echten Schutzes gibt es nur eine halbherzige 50‑Prozent‑Begrenzung für drei Preisbestandteile – ohne jeden Schutz vor steigenden Gas- und Ölpreisen. Damit lassen SPD und CDU/CSU Mieter*innen im Stich.
Bundesregierung handelt wirtschaftsfeindlich
Dieses Chaos ist Gift für eine Branche, die sich erst wieder von den wirtschaftlichen Schäden eines populistischen Wahlkampfes erholt hat. Das bestehende Wachstum bei Wärmepumpen wird brutal aufs Spiel gesetzt. Und eine CDU-geführte Regierung droht erneut eine ganze Wirtschaftsbranche zu beschädigen, so wie sie seinerzeit schon die Solarenergiebranche aus Deutschland vertrieben hat. Der Heizungsmarkt erholt sich gerade und Wärmepumpen sind nicht nur technologisch ausgereift und bei Verbraucher*innen immer beliebter, sondern auch Wachstumstreiber - dass ausgerechnet die Wirtschaftsministerin eine der wenigen Wachstumsdynamiken beschädigt, ist wirtschaftsfeindlich.
Bundesregierung setzt Urteil von Bundesverwaltungsgericht nicht um
Die Bundesregierung handelt auch aktiv gegen ein kürzlich getroffenes Urteil des Bundesverwaltungsgerichts, das sie zu mehr Klimaschutz verpflichtet und das Recht der Menschen auf Klimaschutz und eine gesunde Umwelt gestärkt hat. Außerdem schafft der Vorschlag Rechtsunsicherheit, da er womöglich verfassungs- oder europarechtswidrig ist. Eine niedrige und nur langsam steigende Grüngasquote spart signifikant weniger Emissionen ein als ein ganzheitlicher Wechsel zu einer erneuerbaren Heizung, wie mit der 65%-Erneuerbaren-Regelung im bisherigen Gebäudeenergiegesetz (GEG). Carsten Schneider und die SPD sind mit dem Versprechen sozialen Klimaschutzes angetreten. Das liegt nun in Trümmern. Sie machen weder soziale Politik noch Klimaschutz. Das ist unverantwortlich gegenüber Verbraucher*innen, Wirtschaft und all den Menschen, die heute schon und morgen noch extremer unter den Folgen der Klimakrise leiden müssen.
Absage an Energieeffizienz
Neben dem Heizungstausch braucht es eine sozialverträgliche Sanierungsoffensive. Nur eine Strategie, die das Heizen mit erneuerbaren Energien und die energetische Modernisierung des Bestands gleichzeitig vorantreibt, bekämpft die Klimakrise wirksam:
Die Europäische Union hat ihren Mitgliedsstaaten mit der EU-Gebäuderichtlinie (EPBD) zur Verbesserung der Energieeffizienz eindeutige Hausaufgaben aufgegeben, die die Bundesregierung nur mangelhaft umsetzt. Denn besonders die sogenannten „Worst Performing Buildings“, also ältere schlecht gedämmte Gebäude, werden ohne umfassende Sanierung auch mit moderner Heiztechnik zur Heizkostenfalle.
Mit ihrer Absage an Energieeffizienz und dem Verschiebebahnhof bei der Umsetzung der EPBD, den die Bundesregierung hier praktiziert, werden Verbraucherschutz und Klimaziele zusätzlich gefährdet. Wichtige Bestandteile, wie die Mindesteffizienzstandards für Nichtwohngebäude, Solarpflicht und Energieausweise werden viel zu ambitionslos umgesetzt. Zentrale Vorgaben für den Wohngebäudebestand und die flächendeckende Bereitstellung einer Beratungsinfrastruktur fehlen vollständig. Schwarz-Rot stiftet Unsicherheit für eine ganze Wirtschaftsbranche und das Handwerk mit Zehntausenden Jobs und auch die Verbraucher*innen brauchen Verlässlichkeit mit einem Gesetz, das wirkt - und keine falschen Anreize schafft.
Unsere Forderungen:
Notwendig ist daher das Zusammenspiel eines wirtschaftlich tragfähigen Sanierungskonzepts und des gezielten Einsatzes erneuerbarer Energien. Rückschritte können wir uns nicht leisten, denn eine Zielverfehlung der europäischen Klimaziele nach der Lastenteilung könnte teuer werden und Strafzahlungen in Milliardenhöhe nach sich ziehen.
- Für eine sozialgerechte Wärmewende fordern wir Grüne im Bundestag folgendes: Die 65%-Regel für erneuerbares Heizen aus dem Gebäudeenergiegesetz wieder einzuführen.
- Mietende wirksam vor hohen und unwirtschaftlichen Heizkosten zu schützen.
- Die europäische Gebäuderichtlinie (EPBD) zügig und sozialverträglich umzusetzen, insbesondere durch die Einführung von Mindesteffizienzstandards für die energetisch schlechtesten Gebäude.
- Das Drittelmodell welches die Kosten bei energetischen Modernisierungen fair zwischen Vermietenden, Mietenden und Staat aufteilt, zu etablieren.
- Die Sanierungsförderung stärker sozial zu staffeln – je geringer das Einkommen und je größer die Einsparwirkung, desto höher der Zuschuss.
- Die Heizungsförderung mit bis zu 70% Förderung fortzuführen und zusätzliche Rahmenbedingungen zu schaffen, wenn Eigentümer*innen trotz Förderung die finanziellen Mittel für die nötigen Investitionen fehlen.
- Unkomplizierte Beratungs- und Unterstützungsangebote für die Beantragung von Fördermitteln (One-Stop-Shops) zu etablieren
- Eine kurzfristig wirkende Abwrackprämie auf alte Öl- und Gasheizungen einzuführen.
Nur im Zusammenspiel von erneuerbarem Heizen und einer sozialverträglichen Sanierungsoffensive werden die Klimaziele im Gebäudesektor realistisch und wirtschaftlich erreicht – und wir sichern ein bezahlbares, warmes Zuhause für alle, heute und in der Zukunft.
Der Antrag der grünen Bundestagsfraktion vom 11. November 2025 findet sich im Wortlaut hier, der vom 19. Mai 2026 hier.
Weitere Texte und Dokumente zum Thema
Die von der Koalition beschlossene Abschaffung des Heizungsgesetzes treibt viele Menschen in eine fossile Heizkostenfalle. Um Menschen langfristig vor Hitze, Kälte und steigenden Heizkosten zu schützen, setzen wir auf Heizungstausch und Sanierung.
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