Veröffentlicht am

Koalitionsvertrag gefährdet Wärmewende

  • Die Abschaffung des Heizungsgesetzes treibt Menschen in fossile Abhängigkeiten und Kostenfallen.
  • Eine lasche Umsetzung der Europäischen Gebäuderichtlinie droht die Sanierung und Energieeffizienz zu verschleppen.
  • Damit sind die Klimaziele im Gebäudesektor in Gefahr und es drohen teure EU-Strafzahlungen.

Mit ihrer rein ideologisch getriebenen Abschaffung des Heizungsgesetzes schwächt die Koalition die Wirtschaft vor Ort und sorgt für massive Verunsicherung bei den Menschen.

Mit dem sogenannten Heizungsgesetz (Gebäudeenergiegesetz) haben wir Grüne im Bundestag den Menschen einen klaren Fahrplan für den Umstieg auf erneuerbares Heizen gegeben. Und die Mittel dafür, die notwendigen Investitionen zu tätigen. Die neue Regierung will dies nun rückabwickeln und sorgt damit für massive Verunsicherung. Menschen wissen nicht mehr, welche Heizung sie einbauen sollen, ob sie eine Förderung bekommen und landen in fossilen Kostenfallen. Handwerk und Industrie verlieren Investitions- und Planungssicherheit und erleiden wirtschaftliche Schäden. Ergebnis: Wir werden wieder von fossilen Oligarchen abhängig. Anstatt den eingeschlagenen Pfad Richtung Zukunftsfähigkeit fortzuführen droht die Rolle rückwärts. 

Energieeffizienz: Der schlafende Riese der Wärmewende

Auch beim Thema Energieeffizienz ist kein Gestaltungswille erkennbar. Die Umsetzung der Europäischen Gebäuderichtlinie (EPBD), die im Mai 2026 fällig wird, schreibt klare Effizienzvorgaben für Wohn- und Nichtwohngebäude vor. Das heißt ganz konkret: Die Gebäude sollen schrittweise saniert werden, zum Beispiel durch bessere Dämmung, den Austausch alter Heizungsanlagen oder den Einbau moderner Fenster. Diese Maßnahmen senken nicht nur den Energieverbrauch und die CO₂-Emissionen, sondern reduzieren auch die Energiekosten für die Nutzer*innen und sorgen für ein angenehmeres Wohnklima. Doch anstatt diese Vorhaben voranzutreiben und hier ambitioniert und planvoll voranzugehen, kündigt die neue Koalition an, „Spielräume bei der Umsetzung auszunutzen“ und sich „für eine Verlängerung der Umsetzungsfristen einzusetzen“. Das heißt, dringend nötiges Handeln wird bewusst verschleppt. Das kann zu teuren EU-Strafzahlungen für Deutschland führen, für die Nutzer*innen verteuert es das Heizen auf jeden Fall. Selbst, wenn die Umsetzung noch gelingt, stellt allein diese Ankündigung ein Erreichen der Klimaziele im Gebäudesektor immer mehr in Frage. Ein Fokus auf „CO2-Vermeidung und Quartiersansatz“ hört sich nett und harmlos an. Was es aber wirklich braucht sind klare Effizienzvorgaben am Einzelgebäude und Maßnahmen, damit vorrangig und schnell die energetisch schlechtesten Gebäude saniert werden, um für den Geldbeutel von finanziell vulnerablen Haushalten und den Klimaschutz das meiste Einsparpotenzial rauszuholen. Auch für die Bau- und Effizienzwirtschaft ist das Herumlavieren der CDU/CSU/SPD-Koalition Gift.

Starke Sanierungsförderung fehlt

Anstatt die Fördergelder sozial gestaffelt noch besser auf diejenigen zuzuschneiden, die sie wirklich brauchen, schlägt die Koalition vor, den Effizienzhaus-Standard 55 wieder förderfähig zu machen. Dieser ist im Neubau jedoch bereits Standard und benötigt keine staatliche Förderung. Hier droht eine massive Verschwendung von Fördermitteln, sodass am Ende Gelder für dringend notwendige Sanierungen und Heizungstausch fehlen werden. Die Koalition zeigt hier ihre zugleich klimapolitisch und sozial kalte Schulter.

Die Klimaziele im Gebäudesektor sind in Gefahr

Die europäischen Klimaziele nach der Lastenteilung (Effort Sharing) geben eindeutige Einsparziele vor, die Deutschland zu verfehlen droht. Rückschritte können wir uns hier nicht leisten, denn eine Zielverfehlung könnte teuer werden und Strafzahlungen in Milliardenhöhe nach sich ziehen. Um dies zu verhindern, haben wir mit dem Heizungsgesetz und dem Wärmeplanungsgesetz dringend notwendige Weichen gestellt, auf die aufgebaut werden könnte. 

Im Koalitionsvertrag zeigt sich eindeutig der mangelnde Gestaltungswille von CDU/CSU und SPD. Anstatt die gesellschaftlich notwendigen Herausforderungen der Wärmewende mutig anzupacken, droht die Rolle rückwärts. Aber wir werden nicht tatenlos zusehen, wie die Koalition durch Nicht-Handeln unser Land in Klimachaos und unübersehbare Kosten treibt.

Weitere Texte und Dokumente zum Thema

Stromnetze und Erneuerbare ausbauen - nicht kaputtregulieren

Das sogenannte Netzpaket von Energieministerin Reiche bremst den Ausbau der erneuerbaren Energien aus, die unseren Strom billiger machen, unsere Wettbewerbsfähigkeit und unsere Energiesouveränität sichern.

Fachtext
Fachtext: Stromnetze und Erneuerbare ausbauen - nicht kaputtregulieren
Dr. Julia Verlinden und Michael Kellner zur aktuellen Lage am Energiemarkt und niedrigen Gasspeicherfüllständen

Die deutschen Gasspeicher sind zum heutigen Tag bei unter 30% Füllstand. Dies ist der niedrigste Füllstand für diesen Stichtag.

Pressemitteilung
Pressemitteilung: Dr. Julia Verlinden und Michael Kellner zur aktuellen Lage am Energiemarkt und niedrigen Gasspeicherfüllständen
Die Haushaltspolitik der Koalition ist verfassungswidrig

Die Gutachten, die im Auftrag von der Grünen Bundestagsfraktion verfasst wurden, bestätigen: Der Haushalt 2025 ist verfassungswidrig. Statt in Klimaschutz zu investieren, verprasst die Koalition das Geld aus dem Sondervermögen für Wahlgeschenke.

Fachtext
Fachtext: Die Haushaltspolitik der Koalition ist verfassungswidrig
Bundesregierung zu mehr Klimaschutz verurteilt

Das Klimaschutzprogramm von 2023 war nicht ausreichend, um das Klimaziel für 2030 mit einer CO2-Minderung von -65 Prozent einzuhalten. Die Bundesregierung muss hier nun nachbessern, das hat das Bundesverwaltungsgericht in letzter Instanz entschieden.

Fachtext
Fachtext: Bundesregierung zu mehr Klimaschutz verurteilt
Wirtschaft jetzt stärken: Unser Sofortprogramm

Unsere Wirtschaft steht weiter vor großen Herausforderungen und der Bundesregierung fehlt die Strategie. Wir fordern jetzt ein Sofortprogramm der Bundesregierung und zeigen auf, wie wir unsere Wirtschaft stärken wollen.

Fachtext
Fachtext: Wirtschaft jetzt stärken: Unser Sofortprogramm
Es wurden keine Treffer gefunden.

Unsere Publikationen

6 Postkarten liegen auf einem Tisch

Postkarten-Set

Grüne Grüße aus dem Bundestag

Sonstiges
Zur Publikation: Postkarten-Set

Die grüne Fraktion im 21. Deutschen Bundestag

Hier lernen Sie uns und unsere Arbeit kennen.

Flyer & Broschüren
Zur Publikation: Die grüne Fraktion im 21. Deutschen Bundestag
Britta Haßelmann und Katharina Dröge auf der Fraktionsebene des Deutschen Bundestags

Blick nach vorn

profil:GRÜN 7/2025

Zeitschrift
Zur Publikation: Blick nach vorn