Veröffentlicht am

Taxonomie als Instrument beschädigt

  • Die EU-Kommission hatte Anfang Februar angekündigt, Atomenergie und Erdgas als nachhaltig im Rahmen der Taxonomie einstufen zu wollen. Dies gab sie damals mit einem ergänzenden delegierten Rechtsakt bekannt.
  • Bei der Abstimmung über den Vorschlag der EU-Kommission im Europäischen Parlament kam keine Mehrheit für eine Ablehnung zu Stande.
  • Das Ergebnis ist ein fatales Signal und schadet der Taxonomie insgesamt. Damit wird die Chance verpasst, mit Taxonomie unsere Energieversorgung umzubauen sowie die Wirtschaft bei der Transformation zur Klimaneutralität zu unterstützen.

Die EU-Taxonomie dient als Klassifizierungssystem für nachhaltige Finanzprodukte und Investitionen. Sie soll Investoren und Anlegern Orientierung geben und grundsätzlich die ökologische Transformation der Wirtschaft in Richtung Klimaneutralität unterstützen. Mit der Aufnahme der Atomenergie und Erdgas in die Taxonomie ist dieses Instrument eindeutig beschädigt. Damit wird die Chance verpasst, mit Taxonomie die ökologische Transformation der Wirtschaft voranzubringen verbunden mit der Energiewende und der Umstellung unserer Energieversorgung auf erneuerbare Basis.

Zuvor hatten die Mitgliedstaaten die Möglichkeit zu Stellungnahmen gehabt, auch die Bundesregierung hatte sich geäußert und sich dabei deutlich gegen die Aufnahme von Atomenergie ausgesprochen sowie Kriterien für die Aufnahme von Gas genannt.

Atomenergie ist nicht nachhaltig

Wir Grüne im Bundestag lehnen die Aufnahme von Atomenergie als „nachhaltig“ entschieden ab. Atomenergie ist gefährlich, klimaschädlich und dazu auch extrem teuer. Die Endlagerung für die nächsten hundertausende Jahre ist weiterhin ungeklärt. Wirtschaftlich trägt sich der Bau von AKW aufgrund der hohen Baukosten und enormen Risiken nicht.

Der Ausstieg ist in Deutschland gesetzlich klar geregelt und wird so umgesetzt, daran hält auch die Ampel-Koalition fest. Es ist von der EU-Kommission wie vom EU-Parlament falsch, diese Hochrisikotechnologie als nachhaltig einzustufen. Damit verkennen sie die Auswirkungen und Risiken auf Menschen und Umwelt sowie das ungelöste Endlagerproblem.

Niemand, der ökologisch und ökonomisch verantwortungsvoll handelt, wird in diese Technologie investieren. Vielmehr ist die Taxologieeinordnung eine Selbstrechtfertigung von Staaten, die weiterhin Steuermilliarden in die Atomkraft pumpen wollen.

Die Verbrennung von Erdgas ist ebenfalls nicht nachhaltig. Auch wenn neben einem schnellen und massiven Ausbau der erneuerbaren Energien, den wir in unserer Regierungsverantwortung sehr unterstützen, übergangsweise ein beschränkter Zubau an Gaskraftwerken notwendig ist, braucht es dafür kein Investitions-Gütesiegel. Zudem müssen die Gaskraftwerke möglichst schnell auf grünen Wasserstoff umgestellt werden.

Investitionen in Erneuerbare lenken

Für die Transformation zur Klimaneutralität muss vor allem der Ausbau der erneuerbaren Energien vorangebracht werden. So müssen auch die Investitionen in den Ausbau der Erneuerbaren gelenkt werden, statt die Gelder in Atomenergie als Hochrisikotechnologie zu verschwenden. Jede Milliarde, die in Atomkraft fließt, fehlt bei den zukunftsfesten Investitionen. Daher brauchen wir glaubwürdige Nachhaltigkeitsstandards für Investitionen, um Greenwashing zu verhindern.

Weitere Meldungen zum Thema

Wald vor Feuer schützen - präventiv und effektiv

Der Wald ist ein unverzichtbarer Lebens- und Arbeitsraum, Klimaschützer und Erholungsort. Doch Hitze, Dürre und menschliche Brandstiftung lassen die Gefahr von Waldbränden drastisch steigen.

Autor*innenpapier
Autor*innenpapier herunterladen: Wald vor Feuer schützen - präventiv und effektiv
Netzpaket und EEG im Kabinett – die Ausbaubremsen bleiben

Reiches Netzpaket und EEG Novelle bremsen auch nach langen Regierungsberatungen den Erneuerbaren-Ausbau

Fachtext
Fachtext: Netzpaket und EEG im Kabinett – die Ausbaubremsen bleiben
Gerechter Umgang mit Wasser - 6-Punkte-Plan zur Sicherung der Wasserversorgung

Deutschland ist aufgrund der Klimakrise in einem neuen Zeitalter angekommen. Wasser wird zur immer knapperen Ressource. Autorinnenpapier von Britta Haßelmann, Dr. Julia Verlinden und Steffi Lemke.

Autor*innenpapier
Autor*innenpapier herunterladen: Gerechter Umgang mit Wasser - 6-Punkte-Plan zur Sicherung der Wasserversorgung
Gemeinsam Moore schützen und Wasserrückhalt stärken

Wir wollen Wiedervernässung, Klimaschutz und zukunftsfähige Wirtschaftsperspektiven für Land- und Waldwirtschaft ermöglichen.

Fachtext
Fachtext: Gemeinsam Moore schützen und Wasserrückhalt stärken
Wie wir unsere Lebensmittelversorgung krisenfest und unabhängig machen

Wir setzen uns dafür ein, dass alle Menschen in Deutschland – auch in Krisen- und Katastrophenfällen – Zugang zu gesunden und ausgewogenen, ökologisch und möglichst regional produzierten Nahrungsmitteln haben.

Fachtext
Fachtext: Wie wir unsere Lebensmittelversorgung krisenfest und unabhängig machen
Es wurden keine Treffer gefunden.

Unsere Publikationen

Ein Stadtpark mit einem Springbrunnen in der Mitte und vielen Menschen drumherum, darüber der Titel "Menschen schützen, Wasser sichern"

Menschen schützen, Wasser sichern

Unser Plan gegen Hitze und Trockenheit.

Flyer & Broschüren
Zur Publikation: Menschen schützen, Wasser sichern
6 Postkarten liegen auf einem Tisch

Postkarten-Set

Grüne Grüße aus dem Bundestag

Sonstiges
Zur Publikation: Postkarten-Set

Die grüne Fraktion im 21. Deutschen Bundestag

Hier lernen Sie uns und unsere Arbeit kennen.

Flyer & Broschüren
Zur Publikation: Die grüne Fraktion im 21. Deutschen Bundestag