Veröffentlicht am
Weniger Antibiotika in der Tierhaltung
- Die Ampelkoalition hat wichtige Änderungen im Tierarzneimittelgesetz vorgenommen, um den Antibiotikaeinsatz in landwirtschaftlichen Betrieben zu erfassen und zu senken.
- Als Grüne im Bundestag ist uns sehr wichtig, dass weniger Reserveantibiotika in der Nutztierhaltung eingesetzt werden, weil sie Menschenleben retten können. Kritische Reserveantibiotika werden nun stärker auf die Anwendung beim Menschen konzentriert.
- Die Regelungen des Tierarzneimittelgesetzes zur Reduzierung von Antibiotika gelten nun nicht nur für Masttiere, sondern auch für Nutzungsarten, bei denen Antibiotika in quantitativ großem Umfang eingesetzt werden. Dazu zählen Milchrinder, Zuchtschweine, nicht abgesetzte Saugferkel sowie Legehennen in der Aufzucht- und Legephase.
Der zu hohe Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung ist mitverantwortlich dafür, dass sich Antibiotikaresistenzen bilden und ausbreiten. Diese zählen zu den größten Gesundheitsproblemen weltweit und werden vom Robert-Koch-Institut als „schleichende Pandemie“ bezeichnet. Wenn Antibiotika ihre Wirkung verlieren, ist prinzipiell jede Bürger*in in Deutschland gefährdet. Kinder, ältere Menschen, Krebspatienten und Diabetiker sind einem besonders hohen Risiko ausgesetzt, die vorbeugende Antibiotikabehandlung vor Operationen, die bei größeren Eingriffen essentiell ist, betrifft uns hingegen alle. Bakterielle Infektionen mit resistenten Erregern können nur schwer bekämpft werden und im schlimmsten Fall zum Tode führen. Rund 1,3 Millionen Todesfälle pro Jahr sind weltweit direkt auf antimikrobielle Resistenzen zurückzuführen. Deshalb ist es wichtig, nicht nur in der Humanmedizin sondern auch in der Tierhaltung weniger Antibiotika einzusetzen.
EU-Vorgabe umgesetzt
Deutschland setzt nun die Vorgaben der EU um und hat das nationale Antibiotikaminimierungskonzept für die Nutztierhaltung aktualisiert. Wir Grüne im Bundestag haben uns dafür eingesetzt, dass als Ziel im Gesetz eine Halbierung der Antibiotikamenge bis 2030 verankert wurde, so wie sie auch in der europäischen Strategie "Vom Hof auf den Tisch" formuliert ist. Entscheidend ist hierbei nicht nur die Frage, ob man Medikamente, die für die Humanmedizin dringend gebraucht werden, den Tieren verabreicht oder ob es Alternativen gibt, sondern was eigentlich die Ursache für den hohen Antibiotikaeinsatz in unseren Tierställen ist. Dieser steht nämlich in direktem Zusammenhang mit einer oftmals nicht artgerechten Tierhaltung, weshalb wir uns zugleich für den Umbau der Tierhaltung und hohe Tierschutzstandards einsetzen.
Was ist neu im Gesetz geregelt?
Als Grüne im Bundestag ist uns sehr wichtig, dass weniger Reserveantibiotika in der Nutztierhaltung eingesetzt werden. Reserveantibiotika werden beim Menschen nur verwendet, wenn gängige Antibiotika nicht mehr wirken. Sie retten also Menschenleben. Konkret geht es in der Nutztierhaltung um kritische Antibiotika wie Fluorchinolone, Cephalosporine der 3. und 4. Generation und Colistin. Diese werden künftig mit einem Faktor drei gewichtet. Damit wird den Tierärzt*innen und Tierhalter*innen signalisiert, die Anwendung dieser wichtigen Antibiotika vor allem im Rahmen der Gruppenbehandlung auf das therapeutisch nicht vermeidbare Minimum zu beschränken.
Der Wirkstoff Colistin wird beim Menschen nur verwendet, wenn nichts anderes mehr hilft. In der Geflügelhaltung gehört sein Einsatz allerdings noch zum Standardprogramm. Aktuell wird beispielsweise eine ganze Hühnerherde von mitunter 30.000 Tieren behandelt, also überwiegend gesunde Hühner, wenn nur wenige Tiere Krankheitssymptome aufweisen. Im Tierarzneimittelgesetz ist jetzt festgelegt, dass es auch für Colistin – wie bereits für Fluorchinolone und Cephalosporine der 3. und 4. Generation - eine Antibiogrammpflicht gibt. Ein Antibiogramm ist das Ergebnis einer Antibiotika-Resistenzbestimmung. Es informiert darüber, gegenüber welchen Antibiotika ein bestimmter bakterieller Krankheitserreger resistent beziehungsweise sensibel ist. Diese Nachweispflicht hatte auch der Bundesrat gefordert. Dafür ist inzwischen auch die Verordnung über Tierärztliche Hausapotheken geändert worden. Der Tierarzt ist nun verpflichtet, vor der Anwendung von Colistin die Empfindlichkeit beziehungsweise Resistenz von mikrobiellen Krankheitserregern zu bestimmen. Ebenso ist ein Verbot der Umwidmung für Tierarzneimittel mit Colistin im Gesetz verankert worden. Dieses ermöglicht einen verantwortlichen Umgang mit dem Reserveantibiotikum, weil es nur noch bei Erkrankungen eingesetzt werden darf, für die es zugelassen ist.
Zudem ist auch der Vollzug verbessert worden. Anstelle des bisherigen Entschließungsermessens besteht jetzt ein Auswahlermessen, das heißt die zuständige Behörde muss Anordnungen treffen, wenn die landwirtschaftlichen Betriebe die Kennzahl 2 überschreiten. Die Kennzahl 2 erfasst die Betriebe, die mehr Antibiotika einsetzen als 75 Prozent aller Betriebe. Eine wichtige Neuerung ist, dass die zuständige Behörde anordnen kann, dass der Maßnahmenplan, der grundsätzlich oberhalb der bundesweiten jährlichen Kennzahl 2 erstellt werden muss, unter Hinzuziehung eines anderen als des behandelnden Tierarztes zu ändern oder zu ergänzen ist. Neu ist ebenso, dass das Minimierungskonzept nicht mehr nur für Masttiere gilt, sondern zahlreiche weitere Nutzungsarten umfasst.
Mit der Änderung des Tierarzneimittelgesetzes haben wir also einige wichtige Verbesserungen geschaffen, die den Einsatz von (Reserve-)Antibiotika reduzieren.
Weitere Meldungen zum Thema
Die Rente reicht oft nicht, Arzttermine sind Mangelware und gute Pflege ist extrem teuer geworden. Wir schlagen deshalb ein „Sofortprogramm Zukunft“ vor, um unseren Sozialstaat endlich gerechter, digitaler und fit für morgen zu machen.
Wir Grüne im Bundestag wollen, dass Tiere in Zukunft besser gehalten werden. In der vergangenen Legislatur haben wir den Anfang gemacht, dass immer mehr Tierhalter*innen Tiere besser halten und sich zukunftsfähig aufstellen.
Als Grüne im Bundestag ist uns sehr wichtig, dass weniger Reserveantibiotika in der Nutztierhaltung eingesetzt werden, weil sie Menschenleben retten können.
Der Ökolandbau ist zukunftsweisend. Er setzt auf gesunde Böden, vielfältige Fruchtfolgen und geschlossene Nährstoffkreisläufe. Bio-Lebensmittel werden gänzlich ohne chemisch-synthetische Dünger und Pestizide produziert.
Die EU-Kommission hat am 16. Juli 2025 ihre Pläne für die Gemeinsame Agrarpolitik nach 2028 vorgestellt. Das Ergebnis ist ein katastrophaler Rückschritt für die Umwelt und die EU.