Alt werden, wo du zu Hause bist
Deine Mutter hat einen Termin in der Hausarztpraxis, mehrere Kilometer entfernt. Auto fährt sie nicht mehr, und heute kommt kein Bus. Zu Hause wird die Treppe ins Bad jeden Tag schwerer, und seit die Nachbarin weggezogen ist, sieht deine Mutter oft tagelang niemanden. Wir Grüne im Bundestag wollen mit einem Masterplan dafür sorgen, dass ein gutes Leben im Alter nicht vom Wohnort abhängt.
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Kurz & Knapp: Nah genug für jeden Tag
Wer auf dem Land alt wird, soll dort gut leben können. Unser Masterplan „Gut altern in ländlichen Räumen“ bringt dafür alle zuständigen Ministerien an einen Tisch. Darin geht es um Wohnungen ohne Stufen und einen Bus, der wirklich fährt. Ärzt*innen und Pflege sollen in der Nähe bleiben. Die Kommunen brauchen dafür dauerhaft mehr Geld. Und das Programm „Altersgerecht Umbauen“ muss so ausgestattet sein, dass es nicht schon mitten im Jahr leer ist.
Um was geht es?
Die Menschen in Deutschland leben länger, und viele wollen diese Jahre selbstbestimmt und mittendrin verbringen. Auf dem Land sind die Menschen im Schnitt älter als in der Stadt. In manchen Landkreisen im Osten ist jeder dritte Mensch älter als 65, und es werden mehr.
Die meisten wollen dort alt werden, wo sie ihr Leben verbracht haben: im eigenen Haus, in der vertrauten Straße. Doch genau da wird es schwieriger. In vielen Dörfern haben Apotheke, Gaststätte oder Postfiliale schon zugemacht. Für Medikamente, Briefe oder den Einkauf geht es dann in den nächsten Ort. Wer nicht mehr Auto fährt, schafft das kaum noch allein. Und es fehlt der Platz, an dem man sich zufällig begegnet. Wer keine Familie oder Nachbar*innen in der Nähe hat, wird schnell einsam.
Viele Dörfer halten trotzdem zusammen. Die Freiwillige Feuerwehr, der Gesangverein, die Kirchengemeinde und die Nachbarschaftshilfe fangen viel auf. Aber gute Lebensbedingungen in Stadt und Land sind eine Aufgabe der Politik. Sie dürfen nicht davon abhängen, ob sich vor Ort genug Freiwillige finden.
Die Kommunen bekommen seit Jahren neue Aufgaben, aber nicht genug Geld dafür. 2024 fehlten ihnen fast 25 Milliarden Euro, so viel wie nie seit der Wiedervereinigung.
Unsere Maßnahmen im Überblick
Das schlagen wir für den Masterplan vor:
- Wohnen ohne Stufen. Wer neu baut oder saniert, soll ohne Schwellen planen. Das wollen wir mit den Ländern in den Bauregeln festschreiben. Der Bund soll mitzahlen, wenn du deine Wohnung fürs Alter umbaust. Leere Häuser im Ort wollen wir zu bezahlbaren Wohnungen machen, auch für Mehrgenerationen-Wohnen oder Pflege-Wohngemeinschaften.
- Mobil bleiben, auch ohne eigenes Auto. Auf dem Land brauchen viele das Auto, weil sonst nichts fährt. Wer sich das Fahren nicht mehr zutraut, soll trotzdem überall hinkommen. Deshalb fordern wir mehr Bus und Bahn, dauerhaft finanziert, und Rufbusse, die dorthin fahren, wo du hinwillst.
- Ärzt*innen und Pflege in der Nähe. In Gesundheitszentren nah an deinem Wohnort sollen Hausärzt*innen, Pflege und Therapie unter einem Dach arbeiten. Pflegefachkräfte für die ganze Gemeinde (Community Health Nurses) beraten zum Beispiel, ob die Tabletten zusammenpassen, und begleiten Menschen mit chronischen Krankheiten im Alltag. Wo keine Praxis ist, kann ein Medibus kommen, eine Arztpraxis auf Rädern.
- Eine Ortsmitte mit Schatten und Bank. Hitze trifft ältere Menschen besonders hart. Wir wollen Ortsmitten mit Bäumen, Bänken und sicheren Fußwegen. Der Bund hilft Städten und Dörfern schon heute beim Schutz vor Hitze. Dieses Programm wollen wir fortführen und aufstocken.
- Digital dabei, persönlich erreichbar. Den Antrag auf Wohngeld oder andere Behördengänge sollst du online erledigen können, mit schnellem Internet bis ins letzte Dorf. Wer Hilfe am Telefon oder vor Ort braucht, soll sie weiter bekommen.
- Treffpunkte, die bleiben. Im Chor, im Sportverein oder in der Bibliothek finden gerade Menschen, die allein leben, Anschluss. Solche Orte wollen wir erhalten und Vereinen den Weg zu Fördergeld leichter machen.
- Geld für die Kommunen. Wo der Bus fehlt und warum der Dorftreff wichtig ist, wissen die Menschen im Ort selbst. Damit ihre Gemeinde handeln kann, braucht sie mehr Geld von Bund und Ländern. Wir fordern dafür einen größeren Anteil an der Umsatzsteuer.
Warum ist das nicht nur für ältere Menschen wichtig?
Was älteren Menschen hilft, macht das Dorf für alle besser. Der Weg ohne Stufe hilft auch dem Vater mit Kinderwagen und der Frau im Rollstuhl. Der Rufbus bringt auch Jugendliche zum Training. Die Praxis im Nachbarort brauchen Familien genauso wie Senior*innen.
Ältere Menschen tragen viel zum Leben im Dorf bei. Sie organisieren das Vereinsfest oder hüten die Enkel. Wir wollen, dass sie das auch im hohen Alter noch können. Und dass sie dafür nicht wegziehen müssen.
Was die schwarz-rote Regierung macht und warum das nicht reicht
Mit dem Förderprogramm „Altersgerecht Umbauen“ unterstützt der Bund Menschen, die Barrieren in ihrer Wohnung abbauen. 2024 gab es dafür 150 Millionen Euro, 2026 stellt die Bundesregierung nur noch 50 Millionen bereit. Ende Juli 2026 war dieses Geld aufgebraucht, nach knapp vier Monaten. Dabei fehlen bereits heute Millionen barrierefreie Wohnungen.
Für ältere Menschen auf dem Land sieht der Koalitionsvertrag der schwarz-roten Bundesregierung keine neuen Vorhaben vor. Die Regierung beschränkt sich auf einzelne Projekte des Landwirtschaftsministeriums. Das reicht nicht für eine Aufgabe, die Wohnen, Bus, Arztpraxis und Pflege zugleich betrifft.
Wir wollen das ändern. Unser Ziel: Praxis, Bus und Treffpunkt sind wieder in Reichweite, für alle, die auf dem Land alt werden.
Weiterführende Informationen und parlamentarische Initiativen
- Fraktionsbeschluss „Gut leben im Alter – überall“. Hier skizzieren wir den Masterplan „Gut altern in ländlichen Räumen“, mit allen Forderungen zu Wohnen, Mobilität, Gesundheit, digitaler Teilhabe und Treffpunkten. Zum Beschluss
- Einfach erklärt: LEADER – Europa, das in deinem Dorf ankommt. Wie Menschen auf dem Land selbst entscheiden, welche Projekte Geld bekommen, und warum die Finanzierung von LEADER ab 2028 nicht mehr gesichert ist. Zum Text
- Einfach erklärt: Starke Kommunen. Warum Städte und Gemeinden, die handeln können, die Grundlage für ein gutes Leben vor Ort sind. Zum Text
- Einfach erklärt: Rente sicher machen. Wie wir dafür sorgen wollen, dass die Rente zum Leben reicht, für Jung und Alt. Zum Text
- Ländliche Räume. Unsere Ziele für Dörfer und Kleinstädte auf einen Blick. Zur Seite
- Digitale Teilhabe älterer Menschen. Unser Fachtext dazu, wie ältere Menschen sicher und selbstbestimmt digital mitmachen können. Zum Fachtext
- Autor*innenpapier „Ostdeutschland als Spiegel der Zukunft“. Unsere ostdeutschen Abgeordneten zeigen, was ganz Deutschland von den Erfahrungen im Osten lernen kann. Dazu gehört auch, wie Klein- und Mittelstädte gute Orte zum Leben bleiben, mit Ärzt*innen, Bus und Bahn in der Nähe. Zum Papier