Ein Computerbildschirm mit Analysedaten davor eine Hand mit einer Probe

Gentechnik

Für gentechnikfreie Landwirtschaft

  • Wir Grüne im Bundestag stehen für eine Landwirtschaft nach den Prinzipien und Werten des ökologischen Landbaus und der Agrarökologie, die unsere Lebensgrundlagen erhält, die biologische Vielfalt bewahrt und Verbraucherschutz ernst nimmt – eine Landwirtschaft ohne Gentechnik.
  • Da es sich bei Gentechnik in der Landwirtschaft um die Freisetzung fortpflanzungsfähiger Organismen handelt, die nicht rückholbar sind, steht hier für uns das Vorsorgeprinzip an erster Stelle, um Risiken auszuschließen.
  • Wir setzen uns für eine strenge Regulierung alter und neuer gentechnischer Verfahren ein. Dazu zählt auch die lückenlose Kennzeichnung gentechnisch veränderter Produkte, um die Wahlfreiheit der Verbraucher*innen und Landwirte zu schützen.

Leitbilder: Ökolandbau und Agrarökologie

Unsere grünen Leitbilder für die Landwirtschaft – Agrarökologie und ökologischer Landbau – sind mit der Agrogentechnik nicht kompatibel. In anderen Bereichen wie der Medizinentwicklung oder anderen biotechnologischen Verfahren im geschlossenen System, haben gentechnische Verfahren viel Fortschritt gebracht. Sobald es aber um die Freisetzung lebendiger, vermehrungsfähiger Organismen geht, fordern wir einen Ausschluss von Gefahren für Mensch und Natur auf der Grundlage des Vorsorgeprinzips ein. Denn Freisetzungen sind nicht rückholbar. Wir stehen für umkehrbare Technologien, die auch die Freiheit der kommenden Generationen berücksichtigen. Die Zukunft gehört einer klimafreundlichen, kreislauforientierten und regional verwurzelten Landwirtschaft, die altes Erfahrungswissen mit modernen agrarökologischen Anbaumethoden, digitalen Anwendungen und nachhaltigem Wassermanagement kombiniert.

Wir fordern:

 

Gift durch Gentechnik auf dem Acker

Die gentechnisch veränderten Pflanzen, die seit 1996 hauptsächlich in sieben Ländern weltweit angebaut werden, beschränken sich auf vier Nutzpflanzen (Soja, Mais, Baumwolle, Raps), die gegen Unkrautvernichtungsmittel und Insekten widerstandsfähig gemacht wurden. Als Nebenwirkung ihres flächendeckenden Anbaus entwickelten sich resistente Unkräuter und Insekten, die in der Folge nur mit noch stärkerem Chemie- und Gentechnik-Einsatz in Schach gehalten werden können. Ein Wettrüsten zwischen Mensch und Natur mit erheblichen Folgen für die Pestizid-Belastung von Arbeiter*innen, Anwohner*innen und Lebensmittelkonsument*innen. Hinzu kommen die sozioökonomischen Folgen: Kleinbauern und Kleinbäuerinnen wurden von Großkonzernen und Megabetrieben verdrängt, die agroindustriell Monokulturen anbauen, zum Beispiel in Südamerika Soja als Futter für die Intensivtierhaltung. Auch die angepriesenen Ertragssteigerungen konnten bei vielen gentechnisch veränderten Kulturen wie etwa der Baumwolle nicht garantiert werden. Die EU importiert jährlich über 30 Millionen Tonnen an gentechnisch veränderten Futtermitteln, die als solche im Endprodukt nicht gekennzeichnet werden müssen.

Wir fordern:

 

Neue Gentechnik strikt regulieren

Seit der Entdeckung der Genschere CRISPR/Cas im Jahr 2012 lobbyieren die großen Agrochemie-Unternehmen dafür, dass neue gentechnische Verfahren in der Pflanzen- oder Tierzucht, wenn sie keine artfremden Gene übertragen, gar nicht oder weniger strikt geprüft und damit auch gekennzeichnet werden. Dabei wird auf einen behaupteten Beitrag der neuen Gentechnik zur Lösung der Welternährungsfrage und Klimakrise fokussiert und diese als heilsbringende und alternativlose Methode dargestellt. Denn Verbraucher*innen lehnen Gentechnik auf Acker oder Teller weiterhin mit großer Mehrheit ab. Die Logik der Unternehmen ist einfach: Was nicht gekennzeichnet werden muss, kann auch schlecht abgelehnt oder ausgelistet werden. Wir Grünen im Bundestag haben uns hierzu eindeutig positioniert: Zwischen „alter“ und „neuer“ Gentechnik bestehen mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede.

Deshalb fordern wir:

 

Gentechnikfreiheit sichern

Bis auf knapp 100.000 Hektar Mais der Sorte MON 810 in Spanien, der durch Genmanipulation ein Insektizid produziert, und wenige 1.000 Hektar derselben Sorte in Portugal, sind die Äcker der EU gentechnikfrei. Gentechnikfreie Qualität „Made in Europe“ ist global geachtet und nachgefragt und das privatwirtschaftliche deutsche „Ohne Gentechnik“-Siegel boomt. Der Ökolandbau schließt gemäß seiner Prinzipien neue und alte Gentechnik aus. In Deutschland sind viele Regionen, Städte, Gemeinden und ganze Bundesländer Mitglied der „gentechnikfreien Regionen“. Als Grüne im Bundestag wollen wir die gentechnikfreie Produktion sowie die Wahlfreiheit der Bäuerinnen, Bauern und Verbraucher*innen schützen.

Wir fordern:

 

Keine Patente auf Leben

Patente hemmen Zuchtfortschritt, statt ihn zu fördern, weshalb konventionelle Züchter*innen seit jeher darauf verzichten. Zudem zeigt die Erfahrung, dass kleine und mittelständische Unternehmen es schwer haben, sich in einem von Patenten geprägten Saatgutmarkt zu behaupten. Die kürzlich von der Großen Beschwerdekammer des Europäischen Patentamtes (EPA) getroffene Entscheidung, auf konventionell gezüchtete Pflanzen und Tiere keine europäischen Patente mehr zu erteilen, begrüßen wir ausdrücklich. Generell halten wir eine Patentierung von Tieren und Pflanzen für falsch.

Wir fordern: