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Die Ostsee schützen – jetzt handeln, bevor es zu spät ist
- Wer die Ostseeküste kennt, weiß um ihre besondere Schönheit – flache Buchten, Sandbänke, und das ganz eigene Licht über dem Wasser. Die Ostsee ist Lebensraum, Heimat, Erholungsraum und Arbeitsort.
- Doch sie ist eines der am stärksten belasteten Meere weltweit – überfischt, vermüllt und durch die Klimakrise und Überdüngung bedroht.
- Obwohl seit 2020 ein guter Umweltzustand hätte erreicht werden sollen, bleibt die Bundesregierung entscheidende Schritte für die Ostsee schuldig. Wir Grüne im Bundestag fordern einen umfassenden Aktionsplan: wirksame Schutzgebiete, ein Stellnetzverbot in sensiblen Bereichen, ambitionierte Düngepolitik und verbindliche Zwischenziele für die Wiederherstellung mariner Ökosysteme.
Die Ostsee ist kein gewöhnliches Meer: Als halbumschlossenes Binnenmeer mit sehr langsamem Wasseraustausch reagiert sie auf Belastungen besonders empfindlich – und besonders langsam.
Jahrzehntelange Übernutzung hat tiefe Spuren hinterlassen. Heute ist die gesamte Ostsee zu 100 Prozent eutrophiert. Sauerstoffarme Todeszonen am Meeresgrund wachsen weiter. Und die Klimakrise verschärft die Situation: Die Ostsee erwärmt sich etwa doppelt so schnell wie die Meere weltweit im Durchschnitt.
Die Probleme der Ostsee sind vielfältig und miteinander verknüpft: Überfischung hat Fischbestände stark dezimiert, Stell- und Geisternetze töten jährlich zahlreiche Schweinswale, Seevögel und andere Meerestiere. Der Schweinswal, die einzige heimische Walart, ist inzwischen vom Aussterben bedroht.
Gleichzeitig führen Nährstoffeinträge - vor allem Stickstoff & Phosphor aus der intensiven Landwirtschaft - zu ungebremstem Wachstum von Algen- und Wasserpflanzen , während Munitionsaltlasten, Schifffahrts- und Militärlärm sowie Plastik die Meeresumwelt zusätzlich belasten. Auch der Zustand der Meeresschutzgebiete in der deutschen AWZ (Ausschließliche Wirtschaftszone) ist unzureichend: Trotz ihres Schutzstatus werden Fischerei und Rohstoffabbau – meist Kies und Sand – dort weiterhin weitgehend zugelassen.
Das Buckelwal-Ereignis im März 2026, als die Öffentlichkeit gebannt das Schicksal eines einzelnen gestrandeten Tieres verfolgte, hat symbolisch gezeigt: Die Menschen interessieren sich für den Schutz unserer Meere. Diese Anteilnahme muss in politisches Handeln umgemünzt werden.
Was wir jetzt fordern – auf allen Ebenen
Mit unserem Antrag “Die Ostsee schützen” fordern wir die Bundesregierung auf, endlich konsequent zu handeln und zusammen mit den Küstenbundesländern einen gemeinsamen Aktionsplan Meeresschutz für die Ostsee aufzulegen:
- Schutz jetzt: Mindestens 10 Prozent der Ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) als Nullnutzungszonen, Stellnetzverbot in sensiblen Bereichen und wirksames Management der bestehenden Schutzgebiete. Schleswig-Holstein zeigt, wie es geht: Das grüne Umweltministerium hat im März 2026 drei neue marine Naturschutzgebiete ausgewiesen, in denen ein komplettes Fischereiverbot gilt, um Lebensräume wie Riffe und Seegraswiesen zu schützen.
- Belastungen reduzieren: Ambitionierte Düngepolitik, konsequente Umsetzung der EU-Nitratrichtlinie, gesetzliches Verbot der Öl- und Gasförderung in der AWZ und strengere Grenzen für Unterwasserlärm.
- Wiederherstellen: Verbindliche Zwischenziele für Seegraswiesen, Sandbänke und Riffe sowie vollständige Umsetzung der Empfehlungen der Zukunftskommission Fischerei.
- Geisternetze bergen, Munition räumen: Wir fordern die Fortsetzung der Munitionsbergung in Kooperation mit EU-Partnern sowie eine Meldepflicht für verlorenes Fanggerät und schrittweise GPS-Pflicht für alle Fischernetze.
- Kein Abbau von Schutzstrukturen: Dass die Bundesregierung ausgerechnet jetzt den Meeresbeauftragten abgeschafft hat, ist das falsche Signal. Wir wollen diese Entscheidung rückgängig machen.
Artenschutz beginnt im Meer – jetzt
Der Schutz der Ostsee ist keine freiwillige Option, sondern eine Pflicht, die uns aus dem Grundgesetz erwächst. Wir stehen für wirksame Schutzgebiete, konsequente Entlastung und die Umsetzung verbindlicher Wiederherstellungsziele – und erwarten von der Bundesregierung, endlich entschlossen zu handeln, statt weiter abzuwarten.
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