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Leere Büros zu Wohnungen – Günstiger Wohnraum statt Büroleerstand
In Deutschland standen 2025 mehr als 12 Millionen Quadratmeter Büroflächen in Städten leer. Gleichzeitig fehlen knapp 1,4 Millionen Wohnungen. Dennoch setzt die Bundesregierung wenig Anreize für den Umbau von Büros zu Wohnung.
Um einen nachhaltigen Beitrag bezahlbare Wohnung und Umwelt- und Klimaschutz zu leisten, müssen wir die bisherige Art und Weise des Bauens neu denken. Nichts ist nachhaltiger und günstiger als das zu nutzen, was schon da ist – der Gebäudebestand. Allein der Umbau von Büros zu Wohnraum kann schnell, klimafreundlich und sozial bis zu 350.000 Wohnungen schaffen.
Unser Ziel ist es, dieses Potential zu nutzen, indem wir Anreize setzen, die spekulativen Büroleerstand in angespannten Wohnungsmärkten entgegen wirken, den Umbau insgesamt baurechtlich vereinfachen und das günstige und gemeinwohlorientierte Wohnen fördern.
Die schwarz-rote Bundesregierung setzt nach wie vor auf das Mantra „Bauen, Bauen, Bauen“ will noch die letzte Grünfläche für den Wohnungsbau nutzen ohne soziale Leitplanken, egal welcher Mietpreis dabei herauskommt. Dabei hat der Baukulturbericht 2022/2023 mit dem Titel Neue Umbaukultur die Potentiale aufgezeigt und Maßnahmen benannt. Laut dem Bericht wollen neun von zehn der Befragten, dass neuer Wohnraum durch den Umbau nicht genutzter Büroflächen entstehen soll. Der Umbau von leerstehenden Büroflächen birgt großes Potential. Unsere Wohnraumkrise mit 1,4 Millionen fehlenden Wohnungen lässt sich durch den Umbau von Büros zu 350.000 Wohnungen deutlich lindern. Wir als Grüne Bundestagsfraktion wollen weg vom Fetisch des Neubaus auf der grünen Wiese - hin zu einer Umbaukultur. Wie das geht haben wir in dem Fraktionsbeschluss Bezahlbar und klimafreundlich: Bauen im Bestand aufgezeigt. Wir wollen gezielte Maßnahmen auf den Weg bringen, die schnell günstigen und klimafreundlichen Wohnraum schaffen. Daher haben wir einen Antrag mit Maßnahmen vorgelegt, die den Umbau von Büroräumen voranbringen. Durch die Besteuerung von spekulativem Büroleerstand, die bessere Förderung und rechtliche Vereinfachung von Umbau können wir hier vorankommen.
Günstiger Wohnraum durch Umbaukultur
Büroflächen in Großstädten werden, unter anderem aufgrund von steigenden Mieten und neuem Arbeiten, das sich seit der Corona-Pandemie verbreitet hat, weniger nachgefragt. Gleichzeitig steigen die Wohnmieten nach wie vor ungebremst, in den Großstädten im Durchschnitt um 43% mehr als noch vor zehn Jahren. Ausschließlich auf der grünen Wiese zu bauen, ohne die Möglichkeiten im Innenbereich zu nutzen, führt bisher nicht zu geringeren Mieten, widerspricht unseren CO2- und Flächenreduktionszielen und hat keine Zukunft. Wie heben wir also das riesige Potential, das im Büroleerstand steckt, um die Wohnraumkrise klimafreundlich und sozial zu bekämpfen?
Umbau besser fördern
Wir wollen den Umbau von Büros zu Wohnungen voranbringen und das Förderprogramm „Gewerbe zu Wohnen“ über 2027 hinweg verlängern, die bereitgestellten Mittel erhöhen und auch Umbauten mit mehr als 10 Wohnungen förderfähig machen. Damit auf den umgebauten Flächen nicht nur Luxuswohnungen entstehen, schreiben wir außerdem fest, dass mindestens 50% der umgebauten Flächen sozial und mietpreisgebunden vermietet werden müssen.
Leerstand darf sich nicht länger lohnen
Aufgrund der gesunkenen Nachfrage nach Büros werden ungenutzte Flächen, die einst teure Gewerbemieten einbringen sollten, aus spekulativen Gründen unvermietet gelassen. Denn für viele Gewerbevermietende lohnt es sich finanziell schlichtweg nicht, Gewerbebestand in gefragten Wohnraum umzubauen oder einer anderen Nutzung zu zuführen. Wir finden, Leerstand bei gleichzeitigem Wohnungsmangel ist absurd und wollen spekulativen Leerstand von Büro- und Gewerbeflächen in angespannten Wohnungsmärkten einen Riegel vorschieben. Hierfür wollen wir die Steuervorteile nach § 34 Grundsteuergesetz streichen. Um den Kommunen in angespannten Wohnungsmärkten weitere Instrumente an die Hand zu geben, Leerstand in Wohnraum umzuwandeln, möchten wir außerdem prüfen, ob das Grundsteuergesetzes dahingehend geändert werden kann, dass die Kommunen für Grundstücke mit dauerhaft leerstehenden Gebäuden, einen gesonderten Hebesatz bei der Grundsteuer C festsetzen können.
Umbaukultur fördern und Umbauordnung einführen
Wie Umbauexpert*innen wissen, ist grundsätzlich jedes Gebäude umbaufähig. Gleichzeitig werden viele Bauten, die einfach umgebaut oder umgenutzt werden könnten, abgerissen und durch Neubauten ersetzt. Oft liegt das an baurechtlichen Gründen, die Umbau und Umnutzung verhindern. Wir wollen daher die Musterbauordnung zu einer Umbauordnung weiterentwickeln und so den Umbau leerstehender Büros zu Wohnungen erleichtern sowie den Gebäudetyp E mit klaren praxistauglichen und rechtssicheren Baustandards auf den Weg bringen. Neben rechtlichen und Kostengründen wird oft auch deshalb nicht umgebaut, weil Architekt*innen oder Bauingenieur*innen nicht durchgehend im Umbau geschult sind.
Graue Energie nutzen, statt klimaschädlichem Abriss und Neubau
Mit „Grauer Energie“ sind die im Bestand gebundenen wertvollen Ressourcen und Emissionen gemeint. Entscheidend für Klimaschutz ist nicht allein der aktuelle Verbrauch an Energie, Heizung, Strom, sondern die Energiebilanz von Bau über Nutzung bis hin zum Abriss, welcher durch eine Lebenszyklusanalyse aufgedeckt wird. Bei einer solch ganzheitlichen Betrachtungsweise fällt die Umweltbilanz von Bestandsbauten erheblich positiver aus als bei Neubauten. Die Nutzung von bestehenden Gebäuden und die darin gebundene graue Energie wollen verbessern. Hierfür wollen wir, dass ein Abriss stärker begründet werden muss. Mit weiteren Anreizen wollen wir den Abriss von leerstehenden Büro- und Gewerbegebäuden finanziell unattraktiver machen und den Erhalt bestehender Bausubstanz im Sinne der Kreislaufwirtschaft fördern.
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