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Mit Klimavorsorge die Landwirtschaft zukunftsfest machen
- Die Bundesregierung darf die Landwirt*innen nicht im Stich lassen, um die Klimafolgen zu bewältigen. Sie müssen dabei unterstützt werden, sich an das veränderte Klima anzupassen. Nur so lässt sich unsere Ernährung langfristig sichern.
- In Deutschland haben wir Grüne im Bundestag in der letzten Legislatur endlich dafür gesorgt, dass Agroforstsysteme seit Januar 2023 rechtssicher angelegt werden können und Fördermittel bereitgestellt. Bäume in der Landschaft spenden Schatten, verbessern das Mikroklima und schützen die Böden vor Austrocknung.
- Der Öko-Landbau ist aus gutem Grund unser Leitbild für eine nachhaltige Landwirtschaft. Auch wenn es um die Klimaanpassung insbesondere mit Blick auf Erosionsschutz geht, zeigt der ökologische Landbau eindeutige Vorteile.
Die Klimakrise hat die Landwirtschaft längst voll erreicht. Sie ist gefordert, sich so gut wie möglich an Hitze, Dürren und Starkregen anzupassen. Denn das Risiko von höheren Ernteeinbußen, Futterengpässen, Tierverlusten und extremen Preisschwankungen steigt. Auch in Deutschland. Ein nasser Herbst 2023, ein rekordwarmer Frühling 2024 mit Spätfrösten, vielerorts Hochwasser und ein feuchter Sommer mit zahlreichen heftigen Unwettern führten zu geringeren Erträgen. Es muss also neben dem Klimaschutz auch zunehmend um Maßnahmen der Klimavorsorge gehen, damit die Landwirtschaft zukunftsfest wird und bleibt. Nicht ohne Grund versuchen viele Betriebe bereits heute schon, sich an das veränderte Klima anzupassen.
Fruchtbare Böden und ausreichend Wasser sind essenziell, um auch in Zukunft gute Ernten zu erzielen und die Ernährung in Deutschland zu sichern. Eine artenreiche, ökologische Landwirtschaft baut Humus im Boden auf und erhöht somit ihre Wasserspeicher- beziehungsweise Wasseraufnahmefähigkeit. Humus kann das Fünffache seines Gewichts an Wasser speichern. Um mehr Wasser in der Landschaft zu halten, brauchen wir mehr Bäume und Hecken, kleinere Schläge und mehr Wiesen. Auch eine flächengebundene Tierhaltung trägt langfristig zu einem naturnahen Wasserhaushalt und zu funktionsfähigen Gewässerökosystemen bei.
Gut angepasst: Grünland erhalten, mehr Bäume und Hecken in der Landschaft
Schatten spendende Bäume und eine weitgehende Bodenbedeckung auf dem Ackerland können Hitzeextreme im Boden reduzieren. In Mitteleuropa nimmt die Intensität der Hitzeextreme im Boden um 0,7 Grad pro Jahrzehnt schneller zu als in der Luft. Auch nimmt die Zahl der Tage mit Hitzeextremen im Boden doppelt so schnell zu wie in der Luft. Robuste Sorten, tiefer wurzelnde Pflanzen und vielfältige Fruchtfolgen sorgen dafür, die Ernten zu stabilisieren. Je stabiler die Ernten, desto stabiler sind auch die Erzeuger- und Lebensmittelpreise. Dies ist gut für die Landwirt*innen und die Verbraucher*innen.
Die „Gemeinschaftsaufgabe zur Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes“ (GAK) ist das wichtigste Förderinstrument des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat. Über die GAK können Investitionen landwirtschaftlicher Betriebe in wassersparende Bewässerungsanlagen und vorbeugende Maßnahmen wie Frostschutzberegnungsanlagen und Hagelschutznetze gefördert werden. Im Ackerbau erhalten Landwirt*innen Unterstützung, wenn sie vielfältige Kulturen anbauen und Ackerland dauerhaft in Grünland umwandeln wollen. Gefördert werden ebenso das Anliegen von Hecken, Knicks, Baumreihen, Feldgehölzen oder Erosionsschutzstreifen, die das Ackerland besser gegen Erosion durch Wind und Wasser schützen. Für die Durchführung des GAK-Rahmenplans sind die Bundesländer zuständig, das heißt, sie entscheiden, ob und in welchem Umfang sie diese Fördermaßnahmen anbieten.
Der Öko-Landbau bringt viele Ökosystemleistungen
Der Öko-Landbau ist für uns Grüne im Bundestag aus gutem Grund das Leitbild für eine nachhaltige Landwirtschaft. Er schützt in besonderem Maße Klima und Artenvielfalt, Boden, Wasser und Luft. Auch wenn es um die Klimaanpassung insbesondere mit Blick auf Erosionsschutz geht, zeigt der ökologische Landbau eindeutige Vorteile. Der Gehalt von organischem Kohlenstoff im Boden ist um 26 Prozent höher. Das heißt, das Wasser wird besser gefiltert und gespeichert, die Bodenstruktur bleibt besser erhalten und die Nährstoffversorgung gesicherter. Eine Verschlämmung des Bodens tritt bei Regen um 15 Prozent weniger häufig auf. Und, Wasser versickert im Boden viel besser als im konventionellen Anbau. Der Unterschied liegt bei 137 Prozent. Die Bodenerosion und das oberflächliche Abfließen von Wasser sind unter ökologischer Bewirtschaftung niedriger, was vor allem auf den Klee- und Luzernegras-Anbau zurückzuführen ist.
Aufgrund der vielen positiven Eigenschaften für Klimaschutz und Klimaanpassung, sowie für den Natur- und Umweltschutz, wollen wir bis 2030 30 Prozent Ökolandbau erreichen. Die Bundesregierung hält am Ziel fest, tut aber nichts dafür, dieses Ziel zu erreichen. Ganz im Gegenteil! Das Bundesprogramm Ökologischer Landbau (BÖL) ist unter Beschuss. Die Ende 2023 veröffentlichte „Biostrategie 2030“ stellt einen Meilenstein auf dem Weg zu einer ökologischen Ernährungs- und Landwirtschaft, wird aber nicht umgesetzt. Die Tierhaltungskennzeichnung, die dank der Grünen eine eigene Bio-Stufe bei frischem Schweinefleisch enthält, wird von der Bundesregierung immer wieder verschoben. Außerdem gibt es dank uns ein neues Bio-Label für Kantinen und Restaurants, welches in drei Stufen den Bio-Anteil der Kantine oder Mensa anzeigt. Unser Ziel, dass mindestens 30 Prozent des Landwirtschaftsforschungsbudgets in die Öko-Forschung investiert wird, wird nicht mehr von der Bundesregierung verfolgt.
Agroforst, der Game Changer
In Deutschland haben wir dafür gesorgt, dass Agroforstsysteme seit Januar 2023 endlich rechtssicher angelegt werden können. Bund und Länder haben sich vorgenommen, die mit Agroforst bewirtschaftete Fläche bis 2026 auf 200.000 Hektar auszuweiten. Nicht ohne Grund. Produktive Gehölzstreifen können nämlich einen enorm wertvollen Beitrag zur Klimaanpassung leisten und das betriebswirtschaftliche Risiko der landwirtschaftlichen Betriebe streuen. Das Spektrum reicht von Streuobstwiesen über Baumreihen im Ackerbau bis hin zur syntropischen Agroforstwirtschaft. Letzteres beinhaltet, dass Waldstrukturen nachgeahmt und der Boden kontinuierlich bedeckt wird. Allen ist gemeinsam, dass sie vielfältige Lebensräume für unterschiedliche Tierarten bieten und längere Trockenperioden besser überstehen, weil sich durch die Schatten spendende Bäume das Mikroklima auf dem Feld verbessert und weniger Wasser verdunstet. Sie schützen den Boden auch vor der Erosion fruchtbarer Erde durch Wind und Wasser. Kurzum, Agroforstsysteme sind ein wichtiger Pfeiler einer Landwirtschaft, um die Ernährung in Zeiten der Klima- und Biodiversitätskrise zu sichern.
Seit 2023 sind Agroforstsysteme im Rahmen der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) als landwirtschaftlich genutzte Fläche förderfähig. Die Fördermittel wurden sukzessive angehoben. Seit dem Jahr 2023 gibt es in der GAK auch die „Investitionsförderung zur Einrichtung von Agroforstsystemen“, das heißt, die Länder können diese Förderung anbieten. Aktuell wird diese Option noch zögerlich genutzt, das große Potenzial von Agroforstsystemen ist noch nicht gehoben. Zudem brauchen Gehölzstreifen nicht mehr drei Meter breit sein. Auch müssen Landwirt*innen nicht mehr lange Formulare ausfüllen. Auch die Verpflichtung zur Vorlage eines Nutzungskonzeptes bei Agroforstsystemen wurde während der Ampelregierung aufgehoben. Die Förderanforderungen über GAP und GAK sind aufeinander abgestimmt und ergänzen sich.
Boden schützen mit Mulchgeräten und Messerbalkenmähwerken
Dank uns Grünen wurde während der Ampelregierung das größte Förderprogramm zur Wiederherstellung und den Schutz klimarelevanter Ökosysteme aufgelegt. Positiverweise hält die Bundesregierung an dem Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz (ANK) fest. Neben großflächiger Renaturierung von Moorböden – ein zentraler Beitrag sowohl zum Klimaschutz als auch zur Klimaanpassung in der Landwirtschaft - stellt das Ministerium seit Ende Juni 2024 100 Millionen Euro für Maschinen und Geräte bereit, damit Landwirt*innen den Boden schonend und das Grünland extensiv bewirtschaften können. Sei es durch die Förderung von Messerbalkenmähwerke für die insektenschonende Grünlandernte oder Mulchgeräten. Wenn gesät oder gepflanzt wird, öffnen Mulchgeräte die Streumatte, damit Samen oder Setzlinge in den Schlitz fallen können. Wie ein Reißverschluss drücken danach zwei schrägstehende Räder den Boden wieder zusammen. Der Boden ist so dauerhaft durchwurzelt und bedeckt, somit besser vor Wetterextremen geschützt.
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