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Biodiversität schützen - Vom Versprechen zur Umsetzung

  • Die Weltbiodiversitätskonferenz (COP17) in Armenien wird zum Test dafür, ob die Staaten ihre Versprechen zum Schutz der biologischen Vielfalt endlich ernst nehmen.
  • Deutschland verfehlt seine eigenen Naturschutzziele, schwächt gleichzeitig Umwelt- und Naturschutzstandards massiv und droht beim globalen Biodiversitätsschutz vom Vorreiter zum Bremser zu werden.
  • Wir Grüne im Bundestag fordern in unserem Antrag zur COP17: Deutschland muss beim Schutz der biologischen Vielfalt endlich konsequenter handeln – national, in Europa und weltweit.

Vom 19. bis 30. Oktober 2026 findet in Jerewan, Armenien, die 17. Weltbiodiversitätskonferenz (COP17) statt. Dort beraten Staaten aus aller Welt darüber, wie die globale Artenkrise gestoppt werden kann. Im Mittelpunkt wird die Frage stehen: Wie weit sind die Länder bei der Umsetzung der Ziele des Kunming-Montreal-Abkommens von 2022 – kurz Weltnaturabkommen – und wie wird der Schutz der Natur finanziert? 

Inmitten globaler Krisen ist es den 196 Vertragsstaaten der Weltnaturkonferenz vor vier Jahren gelungen, wegweisende Beschlüsse zum weltweiten Schutz und zur Wiederherstellung der Natur zu fassen. Deutschland gehörte mit starker grüner Führung – allen voran der damaligen Umweltministerin Steffi Lemke - zu den Schrittmachern der Weltnaturkonferenz.

2022 hatten sich die Staaten auf 23 Ziele geeinigt, die bis 2030 erreicht werden sollen. Dazu gehören mehr Naturschutz - bekannt ist das 30×30-Ziel, das vorsieht, bis 2030 30 Prozent der Land- und Meeresflächen der Erde zu schützen – die Wiederherstellung zerstörter Lebensräume und eine nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen. Außerdem sollen deutlich mehr Gelder für den Schutz der biologischen Vielfalt bereitgestellt werden. Denn weltweit fehlen dafür jedes Jahr rund 700 Milliarden US-Dollar.

Die bisherigen Erfahrungen zeigen jedoch: Gute Ziele allein reichen nicht aus. Bereits die früheren internationalen Biodiversitätsziele aus dem Jahr 2010 wurden weltweit verfehlt. Auch Deutschland kommt beim Naturschutz nur langsam voran.

Deutschland verfehlt seine Naturschutzziele

Der 7. Nationale Bericht Deutschlands zur Biodiversitätskonvention zeigt deutlich: Die Ziele der Nationalen Biodiversitätsstrategie werden bis 2030 mit dem bisherigen Tempo größtenteils nicht erreicht. Viele Maßnahmen reichen nicht aus oder werden zu langsam umgesetzt. Die Antwort der Bundesregierung auf unsere Kleine Anfrage bestätigt das. Die Bundesregierung verfährt nach dem Motto "Abwarten und Tee trinken".  Echte Anstrengungen gegen Treiber des Artensterbens wie hoher Pestizideinsatz, Flächenfraß und umweltschädliche Subventionen sind nicht erkennbar.

Schlimmer noch: Die Bundesregierung betreibt einen massiven Abbau von Umwelt- und Naturschutzstandards. Gesetze wie das Infrastruktur-Zukunftsgesetz und die Novelle des Umwelt-Rechtsbehelfsgesetzes werden vom Sachverständigenrat für Umweltfragen als „hoch problematisch“ bewertet. Der Rat warnt ausdrücklich vor einer substantiellen Schwächung des Umwelt- und Naturschutzes und einer drohenden Verschlechterung von Natur und Landschaft. Trotzdem wurden beide Gesetze Ende Juni 2026 im Bundestag beschlossen.

Artenvielfalt schützt unsere Lebensgrundlagen und unseren Wohlstand

Die Lage ist ernst: Weltweit ist rund eine Million Arten vom Aussterben bedroht. Auch in Deutschland ist fast  ein Drittel der untersuchten Arten in ihrem Bestand gefährdet – das sind rund  10.000 Arten , etwa drei Prozent sind bereits ausgestorben. Besonders schlecht geht es vielen Mooren, Feuchtgebieten, Wiesen und artenreichen Agrarlandschaften.

Der Verlust der biologischen Vielfalt betrifft nicht nur Tiere und Pflanzen. Er gefährdet auch unsere Lebensgrundlagen. Weltweit sind viele Menschen direkt auf die Natur angewiesen – etwa für Nahrung, Medizin oder Einkommen. . Auch unsere Wirtschaft braucht fruchtbare Böden, sauberes Wasser und bestäubende Insekten. Und intakte Moore, Auen und Wälder schützen uns vor Hochwasser, Dürre und Hitze. Deshalb ist der Schutz der biologischen Vielfalt auch eine soziale und wirtschaftliche Frage – und eine Frage der Sicherheit. 

Eine wichtige Rolle spielen indigene Gemeinschaften. Obwohl sie nur etwa fünf Prozent der Weltbevölkerung ausmachen, leben auf ihren Gebieten rund 80 Prozent der weltweiten Tier- und Pflanzenarten. Ihr Wissen und ihr Einsatz sind zentral für den Schutz der Natur. Deutschland sollte deshalb indigene Rechte und den Schutz ihrer Gebiete weltweit stärker unterstützen.

Invasive Arten wirksam bekämpfen

Auch invasive Arten sind ein wachsendes Problem. Durch Handel und Globalisierung breiten sich gebietsfremde Arten immer schneller aus und verdrängen heimische Tiere und Pflanzen. Beispiele in Deutschland sind die Asiatische Hornisse oder der Japanische Staudenknöterich. 

Deutschland hat sich verpflichtet, die Ausbreitung invasiver Arten bis 2030 deutlich zu verringern. Dafür braucht es bessere Vorsorge, stärkere Kontrollen und mehr Unterstützung für Naturschutzbehörden und Kommunen.

Vom Versprechen zum Handeln: Deutschland muss beim Schutz der Biodiversität liefern

Die COP17 in Jerewan ist ein entscheidender Moment: Die Staatengemeinschaft muss beweisen, dass sie ihre Versprechen ernst nimmt. Auch Deutschland ist gefordert und muss beim Schutz der biologischen Vielfalt endlich konsequenter handeln – national, europäisch und weltweit.

Mit unserem Antrag setzen wir genau hier ein starkes Signal zum Schutz unserer Lebensgrundlagen. Wir fordern die Bundesregierung auf, die Bemühungen zum Erhalt der biologischen Vielfalt massiv zu verstärken, um die Ziele des Weltnaturabkommens von Kunming und Montreal zu erreichen. Dazu gehören insbesondere die konsequente Umsetzung der Nationalen Strategie zur Biologischen Vielfalt 2030 und der EU-Wiederherstellungsverordnung sowie eine wirksame ressortübergreifende Koordination. 

Ein zentraler Punkt unserer Forderungen ist die internationale Biodiversitätsfinanzierung. Deutschland hat sich 2022 verpflichtet, die jährlichen Mittel bis spätestens 2025 auf 1,5 Milliarden Euro zu erhöhen. Tatsächlich flossen 2025 jedoch lediglich rund 1,1 Milliarden Euro – und damit deutlich weniger als zugesagt. Angesichts der sich verschärfenden globalen Klima- und Biodiversitätskrise braucht es deshalb nicht nur die Einhaltung bestehender Zusagen, sondern eine kontinuierliche Weiterentwicklung und Ausweitung der Mittel für den Schutz der biologischen Vielfalt. 

Antrag

„Bei der Weltbiodiversitätskonferenz in Jerewan ein starkes Signal zum Schutz unserer Lebensgrundlagen setzen“

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