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Globales Plastikabkommen: Deutschland muss wieder Vorreiter werden

  • Die Plastikflut ist eine der größten Bedrohungen unserer Lebensgrundlagen. Wir müssen global und auf nationaler Ebene konsequent die Vermüllung mit Plastik bekämpfen.
  • Seit dem Scheitern der UN-Verhandlungen in Genf im August 2025 ist das globale Plastikabkommen kaum vorangekommen. Vor der nächsten Runde im März 2027 muss die Bundesregierung Bündnisse schmieden und Deutschlands Vorreiterrolle zurückgewinnen. Das fordern wir mit unserem Antrag im Bundestag.
  • Wir müssen raus aus der Wegwerfgesellschaft. Daher setzen wir auf Reparierbarkeit, höhere Recyclingquoten, den Stopp von Mikroplastik und darauf, dass Plastikproduzent*innen für die Verschmutzung, die ihre Produkte verursachen, zur Kasse gebeten werden.

Neben der Klimakrise und dem Artensterben gefährdet eine dritte Krise unsere natürlichen Lebensgrundlagen: Die Vermüllung unserer Erde mit Plastik. Über das Plastik gelangen viele giftige Zusatzstoffe in die Umwelt und gleichzeitig hat die Plastikproduktion auch einen enormen CO2-Ausstoß. Die internationale Staatengemeinschaft hat sich im März 2022 auf der UN-Umweltversammlung in Nairobi mit einer Resolution zu einem ernsthaften Stopp der Plastikflut bekannt.  Doch ein rechtsverbindlicher globaler Vertrag steht bis heute aus: Im August endeten die Verhandlungen in Genf ohne Ergebnis.

Nach dem Scheitern: ein verlorenes Jahr

Der Ansatz der Resolution von 2022 griff weit Er nahm den gesamten Lebenszyklus von Plastik in den Blick, von der Produktion über das Produktdesign bis zur Entsorgung. Plastik sollte am Ende seiner Nutzung weder im Meer noch auf der Müllhalde oder in der Verbrennungsanlage landen, sondern über möglichst hochwertiges Recycling wieder in den Produktionskreislauf zurückgebracht werden. Nicht zuletzt umfasst die Resolution auch Mikroplastik.

Dass dieses Mandat gegen erhebliche Widerstände zustande kam, war ein diplomatischer Erfolg, an dem Deutschland maßgeblichen Anteil hatte. Im selben Jahr gehörte Deutschland zu den Gründungsmitgliedern der „High Ambition Coalition to End Plastic Pollution“.

Nach insgesamt drei Jahren und sechs Verhandlungsrunden gingen die Gespräche am 15. August 2025 in Genf ergebnislos zu Ende. Selbst ein bereits stark abgeschwächter Kompromissentwurf fand keine Zustimmung. Es gibt weiterhin weder klare Produktionsobergrenzen noch wenigstens den Ausschluss von giftigen Zusatzstoffen. Verantwortlich dafür ist zum einen die Blockadehaltung großer Ölstaaten, die an der Ausweitung der Plastikproduktion festhalten. Zum anderen hat es die Bundesregierung versäumt, ausreichend Druck für ein ambitioniertes Abkommen zu machen und sich konsequent an die Spitze der Befürworter*innen strenger Regeln zu stellen.

Seitdem ist zu wenig passiert. Die einzige formelle Sitzung, im Februar 2026 in Genf, beschränkte sich auf die Wahl eines neuen Vorsitzenden. Der Verhandlungsstand bleibt deutlich hinter dem Mandat von 2022 zurück, und selbst die Allianz der ambitionierten Staaten läuft Gefahr, sich zu spalten. Bis zur nächsten Runde im März 2027 braucht es sichtbare politische Führung ambitionierter Staaten, sonst drohen weitere verlorene Jahre.

Mehr Plastik, mehr Gesundheitsgefahren

Die Plastikproduktion steigt ohne das Abkommen ungebremst an und damit auch die Verschmutzung und die Gesundheitsgefahren. Bis 2060 droht eine Verdreifachung der Plastikproduktion. Mikroplastik ist heute schon überall im Körper nachweisbar. Immer mehr Studien bringen Mikro- und Nanoplastik sowie die damit verbundenen Chemikalien mit hormonellen Störungen, bestimmten Krebsarten sowie Fruchtbarkeits-, Atemwegs- und Gefäßerkrankungen in Verbindung. Meere, Flüsse, Böden und Tiere werden mit Plastikpartikeln regelrecht verseucht. Wer das Abkommen weiter verschleppt, nimmt steigende Gefahren für Mensch und Umwelt billigend in Kauf.

Verbindliche internationale Regelungen sind längst überfällig. Rund 430 Millionen Tonnen Plastik werden weltweit jährlich produziert und nur etwa neun Prozent davon recycelt. Allein 19 bis 23 Millionen Tonnen Plastik landen jährlich in unseren Meeren, Flüssen und Seen. Das entspricht zwei Lkw Müll, die jede Minute in unseren Gewässern abgeladen werden.

Hinzu kommt: Herkömmliches Plastik besteht überwiegend aus fossilen Rohstoffen, vor allem Erdöl. Weniger Neuplastik bedeutet deshalb auch mehr Klimaschutz und weniger fossile Abhängigkeit. Wie verwundbar uns diese Abhängigkeit macht, zeigt der Iran-Krieg.

Einer der größten Plastikmüllproduzenten: Deutschland

Auch Deutschland hat an dieser unerträglichen Entwicklung einen beachtlichen Anteil. Mit fast 40 Kilogramm Plastikverpackungsabfall pro Person und Jahr ist Deutschland weltweit einer der größten Plastikmüllproduzenten. Tendenz steigend. Davon werden nicht einmal 20 Prozent der bei den Verbraucher*innen anfallenden Abfälle recycelt. Der Rest wird verbrannt, exportiert oder landet in unseren Gewässern, unserer Natur und auf Äckern. Geisternetze in der Ostsee, Plastikbecher im Park, Bindegarn und Abdeckfolien auf den Feldern – das kennen wir auch aus Deutschland.

Breiter Rückhalt für ein starkes Abkommen

Ein wirksames, verbindliches Abkommen ist mehrheitsfähig: Über 100 Staaten stehen dafür bereit. Auch Teile der Wirtschaft fordern weltweit vergleichbare Standards. Der „Business Coalition for a Global Plastics Treaty“ gehören große deutsche Unternehmen wie Beiersdorf, Henkel, die Schwarz Gruppe und Aldi Süd an. Und in einer repräsentativen Ipsos-Umfrage aus 2022 sprachen sich 86 Prozent der Menschen in Deutschland für ein rechtsverbindliches internationales Abkommen gegen Plastikverschmutzung aus.

Was die Bundesregierung jetzt tun muss

Von der Ambition, mit der Deutschland 2022 das Verhandlungsmandat auf den Weg gebracht hat, ist heute wenig zu erkennen. Mit unserem Antrag fordern wir die Bundesregierung deshalb auf, mit anderen ambitionierten Staaten gemeinsame klare Linien für das UN-Plastikabkommen festzulegen und sie hochrangig zu vertreten. Bundesumweltminister Schneider muss persönlich mitverhandeln. Das Abkommen soll besonders schädliche Plastikprodukte und Chemikalien weltweit verbieten, das Produktdesign verbindlich regeln und die Neuproduktion von Plastik senken. Mehrheitsentscheidungen sollen verhindern, dass einzelne Produzentenstaaten es blockieren, und verlässliche Finanzierungszusagen sollen einkommensschwache Länder unterstützen. Scheitern die UN-Verhandlungen erneut, muss Deutschland mit einer Koalition williger Staaten vorangehen.

Ob mit einem verpflichtenden Angebot von Mehrwegverpackungen und -produkten insgesamt, die man nach Benutzung eben nicht wegwirft, einer Einweg-Verpackungsabgabe oder einem Verbot von giftigen Zusatzstoffen in Kunststoffen: Mit unseren grünen Vorschlägen zeigen wir, wie ein verantwortungsvoller Umgang mit Plastik aussehen kann.

Grüne Initiativen

Antrag: Ein Jahr nach dem gescheiterten UN-Plastikabkommen – Bundesregierung muss wieder Vorreiter werden

Antrag: Verschmutzung der Meere – Plastikflut unverzüglich stoppen

Antrag: Meeresschutzgebiet im Weddellmeer der Antarktis jetzt einrichten

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