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Mit Klimaschutz und Klimavorsorge unsere Ernährung sichern
- Die Klimakrise bedroht unsere Ernten. Die Bundesregierung setzt nur auf kurzfristige Liquiditätshilfen. Wir wollen Landwirt*innen helfen, auf widerstandsfähige Anbausysteme umzustellen.
- Agroforst gehört zu den wirksamsten Mitteln gegen Hitze und Dürre: Bäume spenden Schatten und schützen den Boden vor dem Austrocknen. In der letzten Legislatur haben wir Agroforst rechtssicher gemacht und die Förderung durchgesetzt.
- Öko-Landbau ist widerstandsfähiger als konventioneller Anbau: Er baut Humus auf, so speichert der Boden mehr Wasser. Wir wollen, dass 30 Prozent der Betriebe bis 2030 ökologisch wirtschaften.
Die Klimakrise trifft die Landwirtschaft besonders hart. Sie ist gefordert, sich so gut wie möglich an Hitze, Dürren oder Starkregen anzupassen. Denn Extremwetter gehören zu unserer neuen Klima-Realität. Hitze- und Dürresommer mit Waldbränden wie in den Jahren 2018, 2022 oder 2026 wechseln sich ab mit Starkregen oder gar Sturzfluten. In der Landwirtschaft führen sie teilweise zu Ernteausfällen und sinkenden Erträgen– so auch in diesem Jahr. Besonders betroffen waren der Süden und Westen Deutschlands. Bundesminister Rainer setzt jedoch in erster Linie nur auf Liquiditätshilfen oder Stundungen von Sozialversicherungsbeiträgen und Pachtraten, Aber nichts davon führt in die Zukunft, nichts davon fördert die Anpassung, nichts davon verhindert oder mildert die kommenden Krisen.
Ganz im Gegenteil: Die Politik der schwarz-roten Bundesregierung heizt diese Krise weiter an: Der Prüfbericht des Expert*innenrates für Klimafragen bescheinigt der Bundesregierung, mit den Maßnahmen ihres Klimaschutzprogrammes von 2026 die gesetzlichen Klimaschutz- und Emissionsminderungsziele bis 2040 zu verfehlen – insbesondere im Landnutzungssektor (LULUCF). Doch die Regierung ignoriert ihr eigenes Expertengremium und kürzt im Haushalt für 2027 erneut genau da, wo es am Dringendsten ist: beim Förderprogramm für Ökolandbau und beim Umbau der Tierhaltung. Zusätzlich zu Kürzungen aus dem Vorjahr erhält der Ökolandbau, das Leitmodel für widerstandsfähige Landwirtschaft, nun erneut ein Drittel weniger Mittel.
Dabei sind Fruchtbare Böden und ausreichend Wasser essenziell, um auch in Zukunft gute Ernten zu erzielen und die Ernährung in Deutschland zu sichern. Eine artenreiche, ökologische Landwirtschaft baut Humus im Boden auf und erhöht somit die Wasserspeicher- beziehungsweise Wasseraufnahmefähigkeit des Bodens. Humus kann das Fünffache seines Gewichts an Wasser speichern. Um mehr Wasser in der Landschaft zu halten, brauchen wir außerdem mehr Bäume und Hecken, die Äckerschläge strukturieren und mehr artenreiche Wiesen. Auch eine flächengebundene Tierhaltung, die eine bedarfsdeckende Düngung auf den eigenen Hofflächen gewährleistet und die Tiere größtenteils mit selbst produziertem Futter versorgt, hält die Böden gesund.
Agroforst, der Game Changer
Die Zukunft gehört den Bäumen auf Äckern und Wiesen oder in Waldgärten, in denen Obst-, Beeren- und Nussgehölze ähnlich wie in einem Wald in mehreren Gehölzschichten angepflanzt werden. Solche Agroforstsysteme sind eine der wirksamsten Maßnahmen, mit denen Landwirt*innen die Folgen von Hitze, Dürre oder Starkregen abpuffern können. Allen ist gemeinsam, dass sie vielfältige Lebensräume für unterschiedliche Tierarten bieten und längere Trockenperioden besser überstehen, weil durch die Schatten spendenden Bäume das Mikroklima auf dem Feld verbessert wird und weniger Wasser verdunstet. Agroforstsysteme schützen den Boden auch vor Erosion: Fruchtbare Erde wird durch Wind und Wasser weniger abgetragen. Kurzum, mit Agroforstsystemen können wir unsere Lebensmittelproduktion in Zeiten der Klima- und Biodiversitätskrise sichern.
In Deutschland haben wir Grüne dafür gesorgt, dass Agroforstsysteme seit Januar 2023 endlich rechtssicher angelegt werden können. Bund und Länder haben sich vorgenommen, die mit Agroforst bewirtschaftete Flächen bis 2026 auf 200.000 Hektar auszuweiten. Seit 2023 sind dank uns Grünen im Bundestag Agroforstsysteme auch in der Gemeinsamen Europäischen Agrarpolitik (GAP) als landwirtschaftlich genutzte Fläche förderfähig. Statt anfänglich 60 Euro pro Hektar, erhalten Betriebe jetzt 600 Euro pro Hektar, um Agroforstsysteme zu pflegen und beizubehalten. Zusätzlich können die Bundesländer seit 2023 einen Investitionszuschuss bei der Anlage eines Agroforstsystems über die Gemeinschaftsaufgabe Agrar- und Küstenschutz (GAK) anbieten. Wir haben auch dafür gesorgt, dass die Förderanforderungen über GAP und GAK aufeinander abgestimmt sind und sich ergänzen. Landwirt*innen müssen zudem nicht mehr wie zuvor lange Antragsformulare ausfüllen und auch die Verpflichtung zur Vorlage eines Nutzungskonzeptes für die Förderung der Beibehaltung dieser Systeme ist nicht mehr nötig. Dennoch: das große Potenzial von Agroforstsystemen ist somit noch nicht gehoben. Wir werden uns mit Nachdruck weiterhin dafür einsetzen, dass Bäume in die Fläche kommen.
Der Öko-Landbau hat viele Vorteile
Der Öko-Landbau ist für uns Grüne im Bundestag aus gutem Grund das Leitbild für eine nachhaltige Landwirtschaft. Er schützt in besonderem Maße Klima und Artenvielfalt, Boden, Wasser und Luft. Auch wenn es um die Klimaanpassung insbesondere mit Blick auf Erosionsschutz geht, zeigt der ökologische Landbau eindeutige Vorteile. Das liegt unter anderem an einer schonenderen Bodenbearbeitung und der Pflicht zur ständigen Bodenbedeckung, etwa mit Klee- und Luzernengras. Sie durchwurzeln den Boden und versorgen ihn gleichzeitig mit Nährstoffen. Der Gehalt von organischem Kohlenstoff im Boden ist auf Öko-Höfen um 26 Prozent höher. Das heißt, das Wasser wird besser gefiltert und gespeichert, die Bodenstruktur bleibt besser erhalten und die Nährstoffversorgung ist gesichert. Wasser versickert so deutlich besser im Boden als im konventionellen Anbau. Feuchtere, strukturreiche Böden werden nicht so leicht von Wind und Regen abgetragen. Aufgrund der vielen positiven Eigenschaften für Klimaschutz und Klimaanpassung, sowie für den Natur- und Umweltschutz, wollen wir Grüne bis zum Jahr 2030 den Ökolandbau von derzeit ca. 11 Prozent auf 30 Prozent ausbauen.
Die aktuelle Bundesregierung von CDU, CSU und SPD gibt zwar ebenfalls an, den Ökolandbau stärken zu wollen, tut aber nichts dafür, dieses Ziel zu erreichen. Ganz im Gegenteil! Das Bundesprogramm Ökologischer Landbau (BÖL) steht unter Beschuss: schon zum zweiten Jahr in Folge wurden die Fördermittel für dieses Programm drastisch gekürzt. Die Ende 2023 vom grün geführten Bundeslandwirtschaftsministerium vorgestellte „Biostrategie 2030“, die einen Fahrplan für das Erreichen der Ausbauziele für eine ökologische Ernährungs- und Landwirtschaft darstellte, wird vom derzeitigen Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer (CSU) nicht umgesetzt. Die Einführung der Tierhaltungskennzeichnung, die dank der Grünen eine eigene Bio-Stufe bei frischem Schweinefleisch enthält, wurde von der schwarz-roten Koalition bereits zwei Mal verschoben. Das von uns Grünen eingeführte Bio-Label für Kantinen und Restaurants, welches in drei Stufen den Bio-Anteil einer Kantine oder Mensa anzeigt, wird nicht weiter beworben. Und unser Ziel, mindestens 30 Prozent des Landwirtschaftsforschungsbudgets in die Forschung für Ökolandbau zu investieren, wird nicht mehr von der Bundesregierung verfolgt.
Mehr Moore, Boden- & Waldschutz durch das Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz
Wir Grüne im Bundestag haben in der letzten Legislatur mit dem Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz (ANK) das größte Förderprogramm zur Wiederherstellung und den Schutz klimarelevanter Ökosysteme in der deutschen Geschichte aufgelegt. Zum Glück hält die aktuelle schwarz rote Bundesregierung an dem Programm fest und setzt den grünen Plan weiter um. Das Aktionsprogramm hat unter anderem das Ziel, trockengelegte Moorböden großflächig wiederzuvernässen und wirtschaftlich nutzbar zu machen. Denn Moore halten das Wasser in der Landschaft und speichern Kohlenstoff. Sie stabilisieren das ganze Jahr über den Wasserhaushalt in der ganzen Region, sichern dort die Ernteerträge und ermöglichen eine naturnahe und agrarökologische Bewirtschaftung von Böden und Wäldern. Kürzlich hat die aktuelle Bundesregierung die von uns Grünen initiierte Förderrichtlinie für die Umstellung auf "nasse Landwirtschaft" veröffentlicht. Damit können Land- und Forstwirt*innen dafür entschädigt werden, wenn Sie Äcker oder Wälder in Moor zurückverwandeln. Außerdem hilft sie dabei, Moorpflanzen wie Schilf wirtschaftlich zu nutzen.
Agrarpolitik für eine klimaangepasste und zukunftsfeste Landwirtschaft
Um unsere Ernährung trotz Klimakrise zu sichern, muss unsere gesamte Agrarpolitik konsequent auf eine klimafeste und krisenresiliente Landwirtschaft ausgerichtet werden, die unsere Lebensgrundlagen schützt und angemessene Einkommen für Landwirte und Landarbeiter*innen ermöglicht. Die Bundesregierung muss sich daher in den derzeit laufenden Verhandlungen über die Gemeinsame Agrarpolitik der EU (GAP) nach 2027 dafür einsetzen, dass EU-Fördergelder für die Landwirtschaft nicht länger pauschal pro Hektar landwirtschaftlicher Fläche vergeben werden. Die knappen Mittel müssen stattdessen dazu genutzt werden, dass Landwirte für den Schutz unserer Böden, unserer Gewässer, den Erhalt von Artenvielfalt, für Tierwohl und einen guten Wasserhaushalt in der Landschaft entlohnt werden. Umwelt- und Klimaschutz müssen zu einem verlässlichen wirtschaftlichen Standbein für landwirtschaftliche Betriebe werden. Dafür fordern wir Grüne ein verbindliches Mindestbudget für Agrarumwelt- und Klimamaßnahmen sowie für den Ökolandbau sowie für EU-weit einheitliche Umwelt-, Klima-, Tierwohl- und Sozialstandards.
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