Fahrzeugproduktion

Viel Potential für Klimaschutz in der Autoindustrie

Die Autoindustrie will Fahrzeuge klimafreundlicher und mittelfristig klimaneutral produzieren. In einer von uns Grünen im Bundestag beauftragten Kurzstudie hat das Öko-Institut die Ankündigungen genauer unter die Lupe genommen. Ergebnis: Es gibt noch viel Luft nach oben. picture alliance
03.06.2021
  • Autohersteller und Zulieferer wollen nach eigenem Bekunden ihre Fahrzeuge klimafreundlicher produzieren. Eine von uns beauftragte Studie zeigt: Viele wichtige Bereiche, vor allem bei Vorprodukten wie Stahl, werden von den Strategien kaum abgedeckt.
  • Viel CO2 könnte durch bessere Effizienz, neue Technologien für die Stahl- und Chemieproduktion oder durch eine andere Materialzusammensetzung eingespart werden.
  • Die Autoindustrie ist gefragt, das Klimaschutzpotenzial vollständig zu heben. Die Bundesregierung muss das über gezielte Investitionszuschüsse, Klimaverträge und verbindliche Quoten für grün erzeugte Produkte erleichtern.

Immer mehr Automobilhersteller und Zulieferer wollen ihre Fahrzeuge klimafreundlicher, bald sogar klimaneutral produzieren. Doch was genau meinen sie damit und wie wollen sie diese Ziele erreichen?

Das Öko-Institut hat im Auftrag von uns Grünen im Bundestag die Ankündigungen und Strategien wichtiger deutscher Automobilunternehmen untersucht, die wesentlichen Emissionsquellen in der Fahrzeugproduktion aufgezeigt und Möglichkeiten zur Emissionsminderung benannt.

Klimaschutzstrategien sind oft begrenzt

Die Studie zeigt, dass die Unternehmen sehr unterschiedlich vorgehen und ihre Zielsetzungen und Handlungsbereiche nicht einheitlich definieren. Sie umfassen teilweise nur die eigenen Fabriken.

Das wird durch ein Beispiel deutlich: Die Gesamtemissionen eines einzelnen Fahrzeugs (Produktion, Nutzung und Recycling) liegen zwischen 40 und 50 Tonnen CO2. Davon entfallen 70 bis 80 Prozent auf die Nutzungsphase, 16 bis 25 Prozent auf die Vorketten, aber nur 1 bis 3 Prozent auf die oft eng definierte Produktion bei den Autoherstellern. Dabei handelt es sich meistens um direkte Emissionen in den Fabriken oder aufgrund der genutzten Energie.

Das Beispiel wird noch klarer, wenn man sich nur die Produktion anschaut, also die Nutzungsphase ausklammert. Die CO2-Emissionen entstehen dann im Wesentlichen bei der Herstellung von Vorprodukten, etwa Stahl, aber nur zu rund 20 Prozent beim Energieaufwand für Verarbeitung und Montage.

Die Autohersteller wollen ihre oft eng definierten Emissionen vor allem mit mehr erneuerbaren Energien oder durch teils problematische Kompensationsmaßnahmen senken. Die Studie zeigt, dass viel mehr CO2 direkt gesenkt werden könnte als bislang – und zwar nicht nur durch bessere Effizienzmaßnahmen in den Fabriken, sondern auch schon bei den Vorprodukten, etwa durch neue Technologien für die klimaneutrale Stahl- und Chemieproduktion oder durch Änderungen der Materialzusammensetzung der Rohbaukarosserie.

Auch die Bundesregierung muss einen Beitrag leisten

Das CO2-Minderungspotenzial in der Automobilproduktion ist eindeutig vorhanden, und zwar auch über die eng definierte Produktion hinaus.

Wir Grüne im Bundestag wollen, dass Hersteller und Zulieferer schnellstmöglich klimaneutral werden. Sie müssen dafür deutlich größere Anstrengungen unternehmen als bislang, denn trotz wohlklingender Ankündigungen passiert in der Realität oft noch zu wenig.

Es reicht nicht, Emissionsminderungen über den Einsatz erneuerbarer Energien und teils fragwürdige Kompensationsmaßnahmen herbeizuführen. Viel entscheidender ist, auch die heute noch oft klimaschädlichen Vorprodukte wie Stahl, Aluminium und Kunststoff in den Blick zu nehmen – darauf muss die Autoindustrie hinarbeiten.

Doch der Ball liegt auch bei der Bundesregierung: Sie muss über gezielte Investitionszuschüsse, Klimaverträge und verbindliche Quoten für grün erzeugte Produkte die Voraussetzungen für eine grüne Autoproduktion schaffen.