15 Jan 2021

Online-Reihe "Zukunft der Landwirtschaft" Gutes Essen ist grün!

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Aufzeichnung vom 15. Januar 2021
Uhrzeit Programm
16.00

Begrüßung und politische Einführung:

Dr. Anton Hofreiter MdB
Fraktionsvorsitzender
Bündnis 90/Die Grünen Bundestagsfraktion

Moderation: Dr. Tanja Busse
Journalistin

Keynote:
Gesunde Erde, gesunde Menschen - warum wir mit der Planetary Health Diet Ernährung neu denken können

Dr. Eckart von Hirschhausen
Arzt, Wissenschaftsjournalist und Gründer der Stiftung Gesunde Erde-Gesunde Menschen

Dialog mit:

Dr. Peter Strohschneider
Vorsitzender der Zukunftskommission Landwirtschaft

Friedrich Ostendorff MdB
Sprecher für Agrarpolitik
Bündnis 90/Die Grünen Bundestagsfraktion

16.40

Podiumsdiskussion

Prof. Dr. Harald Grethe
Humboldt-Universität zu Berlin

Jutta Sundermann
Aktion Agrar

Renate Künast MdB
Sprecherin für Ernährungspolitik
Bündnis 90/Die Grünen Bundestagsfraktion

Harald Ebner MdB
Sprecher für Gentechnik und Bioökonomiepolitik
Bündnis 90/Die Grünen Bundestagsfraktion

17.30 Ende der Veranstaltung
  • Wir brauchen eine Agrar- und Ernährungswende - hin zu einer grünen Landwirtschaft und Ernährung, die Klima und Umwelt schützen.
  • Mit der Online-Reihe „Zukunft der Landwirtschaft“ zur Internationalen Grünen Woche 2021 wollen wir aufzeigen, wie die grüne Bundestagsfraktion den Wandel zu einer zukunftsfähigen, ökologischen und tiergerechten Landwirtschaft und Ernährung für Natur, Landwirt*innen und Verbraucher*innen gestalten möchte.
  • Die Agrar- und Ernährungswende findet im gesellschaftlichen Diskurs statt. Auf unserer Auftaktveranstaltung skizzierten wir Wege und Maßnahmen gemeinsam mit Teilnehmer*innen und namhaften Expert*innen.

Mit der Auftaktveranstaltung zu unserer fünfteiligen Reihe setzten wir Grüne im Bundestag Impulse, wie der Umbau der Landwirtschaft von statten gehen kann.

Landwirtschaft braucht Systemwechsel

Anton Hofreiter skizzierte in seiner Eröffnungsrede das Spannungsfeld, in dem wir uns befinden. So hat die Landwirtschaft bis zur Mitte des letzten Jahrhunderts sehr viel zur Entwicklung der Artenvielfalt beigetragen. Erst in den letzten Jahrzehnten hat sich das ins Gegenteil verkehrt und die Art, wie wir heute Landwirtschaft betreiben, zu einer Hauptursache für den dramatischen Verlust von Artenvielfalt geworden. Mit der Neuverhandlung der EU-Agrarpolitik hätten wir jetzt die Gelegenheit, einen echten Systemwechsel einzuläuten - die Bundesregierung lässt diese Chancen aber weitgehend ungenutzt verstreichen.

Eckart von Hirschhausen betonte die Verbindung zwischen Ökologie und Gesundheit und erläuterte den sogenannten One-Health-Ansatz. Der Klimawandel sei die größte Gesundheitsbedrohung des 21. Jahrhunderts. Das sei vielen Menschen bisher nicht bewusst, wäre aber ein wichtiger Ansatzpunkt für notwendige Veränderungen in der Ernährungs- und Agrarpolitik. Mit dem Vorschlag der Lancet Kommission für eine „planetary health diet“ gebe es Ernährungsempfehlungen, die sowohl Klima als auch Gesundheit berücksichtigten.

Heraus aus den Gegensätzen

Im Dialog zwischen Friedrich von Ostendorff und Dr. Peter Strohschneider, dem Vorsitzenden der Zukunftskommission Landwirtschaft, wurde die Frage erörtert, wie die „Quadratur des Kreises“ gelingen könnte -  wie also die Interessen von Landwirtschaft und Klima- und Umweltschutz harmonisiert werden könnten. Dazu sei es nötig, aus ideologisch überhöhten Gegensatzpaaren wie "öko vs. konventionell" oder "großindustriell vs. kleinbäuerlich" herauszukommen, so Strohschneider. Er betonte die Notwendigkeit eines zivilisatorischen Wandels statt eines Gesellschaftsvertrages, denn Verträge seien kündbar.

Bei der Podiumsdiskussion, die von Dr. Tanja Busse moderiert wurde, drehte sich das Gespräch zwischen Renate Künast, Harald Ebner, Prof. Harald Grethe (HU Berlin) und Jutta Sundermann (Aktion Agrar) um nötige weitere Schritte, mit denen gesellschaftlichen und ökologischen Herausforderungen gemeinsam mit den Landwirtinnen und Landwirten gestemmt werden können.

Der Umbau muss kommen - und zwar schnell

Dabei warnte Sundermann vor einer weiteren vertanen Chance, wenn die aktuelle GAP wieder nicht zur Einleitung eines Systemwechsels genutzt werde. Faktisch blieben nur die nächsten 10 Jahre Zeit, um rechtzeitig den Umbau zu gestalten.

Prof. Grethe sieht in der Multifunktionalität der Landwirtschaft und deren systemischen Stärkung den richtigen Weg, um die Gesellschaft in die Verantwortung zu nehmen, auch höhere Preise zu zahlen. Die Politik müsse Anreize schaffen, um einen Ausgleich für Leistungen zu schaffen, die keinen Marktpreis haben.

Einigkeit bestand darin, dass über die Einführung einer Gemeinwohlprämie Klima- und Umweltleistungen für Landwirte honoriert werden sollten. Dabei käme es darauf an, sowohl die konventionelle Landwirtschaft weiter zu ökologisieren, als auch beim Ausbau des Ökolandbaus schnell voranzukommen. Die grüne Bundestagsfraktion nimmt zudem die Ernährungswende und Umbau der Tierhaltung gemeinsam in den Fokus, da gleichzeitig zu einem Umbau und einer Reduktion der Tierhaltung unbedingt eine Ernährungswende und eine Regionalisierung der Landwirtschaft stattfinden müsse.

Im Video können sie die gesamte Veranstaltung ansehen.

Weitere Veranstaltungen der Online-Reihe „Zukunft der Landwirtschaft“:
18.01.2021 Ernährungswende jetzt!
19.01.2021 Bäuerliche Strukturen erhalten, Flächenfraß stoppen! 
22.01.2021 Agrarökologie statt Gentechnik! 
25.01.2021 Nachhaltig produzieren, nachhaltig vermarkten!