10 Mai 2021

Online-Fachgespräch Mörderische Medizin. NS-"Euthanasie"-Verbrechen

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NS-„Euthanasie“-Morde und Zwangssterilisation. Nachgeschichte erforschen

Zwischen 1939 und 1945 wurden fast 300 000 Menschen mit Behinderungen oder psychischen Erkrankungen ermordet, darunter viele Kinder und Jugendliche. Die Verbrechen fanden „halb geheim, doch inmitten der Gesellschaft“ statt, so der Historiker Götz Aly. Ärzt*innen sowie Angehörige des Pflegepersonals wurden zu Täter*innen, selektierten Patient*innen und entschieden über Leben und Tod. Den Weg ebnete das 1934 in Kraft getretene „Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“, das die rechtliche Grundlage für die Zwangssterilisierung von etwa 400 000 Menschen bildete. Erst 2007 wurde es vom Deutschen Bundestag geächtet, für nichtig erklärt wurde es aber bis heute nicht.

Ein Fehler, meinen Fachleute, denn dies ignoriere nicht nur die Praxis der Nachkriegszeit, Zwangssterilisationen als grundgesetzkonforme Maßnahmen zu betrachten, sondern auch die Wirkungsmächtigkeit der Unwerturteile nach 1949. Auch schließt das Bundesentschädigungsgesetz (BEG) von 1956 die Opfer von „Euthanasie“ und Zwangssterilisation weiter aus. Die gegen sie gerichteten Verfolgungsmaßnahmen müssen als typisches NS-Unrecht anerkannt werden. Insgesamt sind viel zu wenige Einzelschicksale bekannt. Auch die Nachgeschichte und ihre weltanschaulichen, personellen und institutionellen Kontinuitäten sind längst nicht aufgearbeitet. Es ist ein generelles Kassationsverbot für alle relevanten Akten erforderlich, um sie für Forschung und Aufarbeitung zu erhalten.

Die Veranstaltung wird gestreamt. Per Beteiligungs-Tool können Sie sich mit Fragen und Kommentaren einbringen. Die Zugangsdaten erhalten Sie mit Ihrer Anmeldebestätigung. Kurz vor Beginn der Veranstaltung senden wir Ihnen eine Erinnerungs-Mail.

Uhrzeit Programm
18.00

Begrüßung und politische Einführung:

Dr. Kirsten Kappert-Gonther MdB
Obfrau im Ausschuss für Gesundheit
Stellv. Mitglied im Kulturausschuss
Bündnis 90/Die Grünen Bundestagsfraktion

Kurzinterview mit:

Gerhard Schneider
Krankenhausdirektor des Bezirksklinikums Mainkofen

Diskussionsrunde mit:

Prof. Thomas Beddies
Institut für Geschichte der Medizin und Ethik in der Medizin
Charité -- Universitätsmedizin Berlin
 

Ulrika Mientus
Wissenschaftliche Mitarbeiterin
Philipps-Universität Marburg
 

PD Dr. Winfried Süß
Leiter der Abteilung "Regime des Sozialen"
Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung
 

Dr. Sibylle von Tiedemann
Koordinatorin der Gedenkinitiative für die „Euthanasie“-Opfer

Moderation: Erhard Grundl MdB
Sprecher für Kulturpolitik
Obmann im Kulturausschuss
Bündnis 90/Die Grünen Bundestagsfraktion

Dr. Kirsten Kappert-Gonther MdB

Schlusswort: Erhard Grundl MdB

19.30 Ende der Veranstaltung