01 Jul 2020

Veranstaltungsbericht Regenbogenabend goes digital

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Um den traditionellen Parlamentarische Regenbogenabend 2020 nicht ersatzlos streichen zu müssen, habe wir ihn in den digitalen Raum verlegt. Videoaufzeichnung und Bericht.
Uhrzeit Programm
20.00

Begrüßung und politische Einführung:

Ulle Schauws MdB und Sven Lehmann MdB
Sprecherin und Sprecher für Queerpolitik
Bündnis 90/Die Grünen Bundestagsfraktion

Diskussion mit

Annie Heger
Sängerin, Schauspielerin, Autorin und Moderatorin

Johannes Kram
Blogger (Nollendorfblog) und Buchautor

21.30 Ende der Veranstaltung

Regenbogenabend digital – über 5.000 Zuschauer*innen

Der traditionelle Parlamentarische Regenbogenabend im Bundestag, zu dem jedes Jahr rund 700 Personen kommen, musste dieses Jahr leider wegen Corona abgesagt werden. Stattdessen hieß es am 1. Juli: „Regenbogenabend goes digital“. Mehr als 5.000 Zuschauer*innen verfolgten den Talk im Livestream oder später per Video auf Facebook und twitter.

Ulle Schauws MdB und Sven Lehmann MdB

Ulle Schauws und Sven Lehmann

Die Sprecher*innen der grünen Bundestagsfraktion für Queerpolitik, Ulle Schauws und Sven Lehmann hatten an dem Abend Annie Heger (deutsche Sängerin, Schauspielerin, Autorin und Moderatorin) sowie Johannes Kram (Blogger und Buchautor) zu Gast, mit den sie über aktuelle politische Herausforderungen in Bezug auf LSBTI gesprochen haben.

Zunächst ging es um die Bedeutung des Parlamentarischen Regenbogenabends der grünen Bundestagsfraktion für die queere Community. Johannes Kram, der schon mehrmals dabei war, betonte wie wichtig diese Veranstaltung für das Vernetzen und gegenseitiges Kennenlernen unterschiedlicher queerer Aktivist*innen sei.

Rückblick auf die Zeit vor der Corona-Krise

Danach erinnerten sich alle vier Diskutierenden an die vergangenen Prides vor Corona-Zeit und diskutierten über die aktuelle Stimmung in der Community und über die Möglichkeiten der politischen Arbeit während der Pandemie. Sven Lehmann sprach über den letzten CSD in Köln und Ulle Schauws an den letzten Dyke March Cologne. Annie Heger stellte fest, dass LSBTI gewohnt sind, kreative Formen des Demonstrierens auszuprobieren, und erzählte über ihre Erfahrungen beim CSD Oldenburg. Johannes Kram wünschte sich, dass die CSDs neue Wege ausprobieren und warnte vor der Gefahr der Kommerzialisierung.

Grünes Engagement für das queere Leben

Obwohl die Bewältigung der Corona-Pandemie viele Themen in den Hintergrund gerückt hat, und das queere Leben weniger öffentlich sichtbar war, trieb die grüne Bundestagsfraktion die Antidiskriminierungspolitik voran. Das veranschaulichten vier Videos, die dem Publikum gezeigt wurden.

Dabei ging es als erstes um das grüne Selbstbestimmungsgesetz, das das veraltete Transsexuellengesetz ersetzen und die Grundrechte von trans- und intergeschlechtlichen Menschen in Mittelpunkt rücken sollte. Zudem sieht der Entwurf ein längst überfälliges Verbot von geschlechtsverändernden Operationen an intergeschlechtlichen Kindern vor.

Das zweite Video widmete sich der Diskriminierung von Regenbogenfamilien und der seit Jahren geforderten Reform des Abstammungsrechts, das lesbische Paare und vor allem ihre Kinder benachteiligt. Ulle Schauws erinnerte dabei über den grünen Gesetzentwurf, der bedauerlicherweise von der Großen Koalition im Februar dieses Jahres abgelehnt wurde.

Schwule Männer dürfen faktisch noch immer nicht blutspenden

Dann ging es um die Regelungen zur Blutspende, die Männer, die mit Männer Sex haben, als Spender praktisch ausschließt und transgeschlechtliche Menschen diffamiert. Statt tatsächliche Risiken nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen rational abzuwägen, werden weiterhin ganze Gruppen pauschal von der Blutspende ausgeschlossen. Das ist nicht nur gesundheitspolitisch unsinnig. In der Zeit von kruden Theorien, wer für die weltweite Pandemie verantwortlich ist, suggeriert das auch, dass von den diskriminierten Gruppen eine besondere epidemiologische Gefahr ausgeht. Daher erzählte Sven Lehmann über die mehreren Anträgen, die die grüne Bundestagsfraktion dazu eingebracht hatte.

Hass und Hetze stellen nach wie vor ein Riesenproblem dar

Im letzten Video ging es um die Hass und Hetze gegen Lesben, Schwule, Bisexuelle, trans- und intergeschlechtliche Menschen. Ulle Schauws erinnerte an geschätzt 54.000 queere Menschen, die in der NS-Zeit verurteilt wurden und etwa 7000, die in Konzentrationslagern starben. Sie betonte zudem, dass auch heute Hetze und Gewalt allgegenwärtig sind. Deshalb brauchen wir einen bundesweiten Aktionsplan für sexuelle und geschlechtliche Vielfalt und die Ergänzung des Artikel 3 des Grundgesetzes um das Merkmal „sexuelle Identität“.

Gemeinsam mit der FDP-Fraktion und der Fraktion Die Linke haben wir dazu einen Gesetzentwurf zur Änderung des Grundgesetzes eingebracht.

Viele Fragen vom digitalen Publikum

Im Anschluss wurde auch unter Beteiligung des Publikums, die ihre Fragen online stellen konnte, diskutiert. Dabei zeigte sich, dass viele seit Jahren postulierte politische Forderungen von der Großen Koalition blockiert werden. Das sorgt für Unmut und Unverständnis. Dennoch versprachen Ulle Schauws und Sven Lehmann sich weiterhin vehement für die queeren Anliegen einzusetzen.

Den Abend beendete DJin Marsmädchen, die seit Jahren den Parlamentarischen Regenbogenabend der grünen Bundestagsfraktion mit ihrer Musik bereichert.

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