30 Nov 2020

Digitale Veranstaltung Stadt-Land-Zukunft – Online-Dialog in Gera

Foto: unsplash / kinga-cichewicz
Uhrzeit Programm
18.30

Begrüßung

Katrin Göring-Eckardt MdB
Fraktionsvorsitzende
Bündnis 90/Die Grünen Bundestagsfraktion

Britta Haßelmann MdB
Sprecherin für Kommunalpolitik
Bündnis 90/Die Grünen Bundestagsfraktion

18.50

Wo drückt der Schuh? Vorstellung der Ergebnisse der Telefonumfrage in Gera

Sebastian Götte
aproxima, Weimar

19.00

Aufteilung in drei Workshop-Gruppen

Workshop 1: Und dann kam Corona
Was hat sich verändert und wie machen wir das Beste daraus?

Mit
Jana Prochow
Fachärztin für Psychiatrie und Physiotherapie, Gera

Katrin Göring-Eckardt MdB

 

Workshop 2: Arbeit, Kultur, Gesundheit, Verkehr
Alles da für die lebenswerte Stadt?

Mit
Susanne Jahn
Dipl. Soziologin und Stadtplanerin, Büro Jahn, Mack & Partner

Suzanne Vöcking
Geschäftsführerin Arbeitsförder- und Berufsbildungszentrum OTEGAU

Britta Haßelmann MdB

 

Workshop 3: Wachsen statt schrumpfen
Was braucht es, damit unsere Stadt wächst? Und wie laden wir Menschen ein zu kommen?

Mit
Thomas Laubert
Architekt, Gera

Martin Arnold-Schaarschmidt
LeerGut-Agenten, Erfurt

Gerhard Zickenheiner MdB
Bündnis 90/Die Grünen Bundestagsfraktion

20:00 Auswertung der Workshops
20.30 Ende der Veranstaltung
  • Im Online-Dialog „Stadt-Land-Zukunft“ am 30. November 2020 trafen wir uns mit Bürger*innen aus Gera, um die Stadt näher kennenzulernen.
  • Unsere vorgeschaltete Telefonumfrage ergab, dass Gera unter einer gewissen Perspektivlosigkeit leidet. Die Jugend zieht weg, trotz wohlsanierter Straßen ist der Leerstand augenfällig.
  • Gera lernten wir als Stadt mit kreativen und klugen Köpfen kennen. Es gibt bereits viele sinnvolle Ansätze für tragfähige Lösungen. Wichtig ist nun, dass Aktive institutionelle Rückendeckung erfahren, so dass die Umsetzung gelingen kann.

Auf den ersten Blick ist Gera eine hübsche Stadt, vielerorts mit Augenmaß saniert und mit Parks, die Lebensfreude versprechen. Aber die Statistik sagt: Gera ist strukturschwach.
Da lohnt ein zweiter Blick: Wir, die Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen, wollten wissen, was die Bürger und Bürgerinnen sagen: Wie geht es ihnen in der Stadt? Was läuft gut? Was sollte verbessert werden?

Der Start war eine repräsentative Telefonumfrage: Wir fragten nach Alltag und Lebensgefühl in der Region. So erfuhren wir, dass nur die Hälfte der Bewohner*innen wirklich gern in der Stadt lebt und nur ein Drittel Gera gute Zukunftsaussichten bescheinigt. Viele sprechen von Antriebslosigkeit in der Stadt. Drei von vier Befragten sehen hier die Politik gefordert, doch nur die Hälfte ist mit den aktuellen politischen Verhältnissen einverstanden. Das klingt nach gedämpfter Stimmung in der Stadt.

Wir haben am 30. November 2020 Bewohner*innen aus Gera zum Gespräch eingeladen, 36 von ihnen folgten der Einladung. Es war ein lebendiges und kenntnisreiches Zusammentreffen.
Es zeigte sich, dass Gera als Ort mit großem Potential geschätzt wird. Die Gespräche drehten sich etwa um die Frage, wie die positive Energie in die Stadt zurückkommt und die Kommunalpolitik neuen Schwung erhält.

Corona als Brennglas

Die Pandemie als Stresstest zeigt, wie wichtig eine lebendige Stadtgesellschaft ist, um sich gegenseitig mit Empathie und Herzlichkeit zu begegnen. Kultur, Einzelhandel, Gastronomie machen Gera lebenswert und sind jetzt bedroht. Damit niemand durchs Netz fällt, braucht es niedrigschwellige Unterstützung: vom Bund, aus dem Land und aus der Stadt selbst.

Gera liebt seine Jugend

Aber es scheint, dass die Jugend Gera nicht mag. Viele verlassen für die Ausbildung die Stadt, andere danach. Attraktive Ausbildungsplätze, vielleicht eine Fachhochschule, wären ein Anfang. Ergänzend könnte auch maßgeschneiderte Unterstützung junge Familien in der Familienphase zur Rückkehr bewegen und Gera als junge Stadt stärken.

Innenstadt beleben

Im Austausch über den Leerstand waren sich alle einig: Gera fehlt es an integrierter Stadtentwicklung. Schnell war die nötige Flughöhe am Beispiel skizziert: Ein Hochschulcampus, vielleicht ein Institut für Moderne Bauweisen, könnte Studierende in die Stadt ziehen. Sie bringen Ideen mit, Leerstand durch temporäre Nutzungen wieder Leben einzuhauchen, und animieren zum Gespräch: Wie planen wir – Alteingesessene und Neue, Verwaltung und Kultur – die Zukunft der Stadt gemeinsam?

Und jetzt?

Wir haben im Online-Dialog die zweite Seite von Gera kennengelernt: Es gibt hier kreative und doch bodenständige Entwicklungsideen. Und viele klugen, engagierten Personen. Woran es fehlt, ist die Vernetzung in einem Gesamtkonzept. Hier ist die Politik gefragt.

Für Gera gehen wir als Bundestagsfraktion gerade den Weg des Know-How-Transfers und der Netzwerkarbeit, um so den Rücken der Aktiven kurzfristig stärken.
Langfristig möchten wir für Gera mehr Chancengleichheit erreichen. Und ja: Wir melden uns wieder!

Impulsgeber*innen aus der Region, die an unserer Veranstaltung teilnahmen, waren unter anderen.:

Jana Prochow
geboren in Gera + nach 20 Jahren Berlin bewusst zurück gekommen + wünsche sich mehr Lebendigkeit in der Stadt + stellt sich gegen undemokratische Tendenzen + engagiert sich an der Schnittstelle zwischen Gesellschaft und Kunst

Susanne Jahn
stellt viele Fragen + bezieht alle mit ein + plant seit 30 Jahren den Umbau Ost mit + redet mit den Bürger*innen über ihre Wünsche an ihre Stadt, ihr Quartier, ihren Platz + nimmt diese Antworten sehr Ernst + gute Gestaltung führt zu einem gutgelaunten Miteinander

Martin Arnold-Schaarschmidt
Visionär mit Hang zu sozialen und bodenständigen Projekten + kann gut zuhören + liebt leere Räume, weil man sie mit guten Konzepten füllen kann + vermittelt gern zwischen Kreativen und Verwaltung + Thüringen! Wo sonst?

Thomas Laubert
in Gera geboren + war für die Ausbildung im Handwerk und Studium kurz weg + man kennt ihn schnellen Schrittes durch die Innenstadt gehend + spricht mit strahlenden Augen von Gera im Mittelalter und Gera in der Zukunft + hat Biss, aber verbeißt sich nicht

Am 09. November hatten wir bereits unseren Online-Dialog im Landkreis Rostock.

 

Graphic Recordings unserer Veranstaltung