17 Apr 2020

Fachgespräch Wie übersteht der Kulturbetrieb die Corona-Krise? Diskussion zusätzlicher Hilfsmaßnahmen und ein Blick in die Zukunft

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Aufzeichnung des Webinars vom 17. April 2020. Zum Start klicken Sie auf den Pfeil im Bild rechts unten.
13.30

Begrüßung und Moderation

Katrin Göring-Eckardt MdB
Fraktionsvorsitzende
Bündnis 90/Die Grünen Bundestagsfraktion

 

Input zur aktuellen Lage

Henning May
AnnenMayKantereit

 

Grüne Forderungen und Bewertung der Maßnahmen der Bundesregierung

Erhard Grundl MdB
Sprecher für Kulturpolitik
Bündnis 90/Die Grünen Bundestagsfraktion

 

Bewertung der grünen Vorschläge

  • Pamela Schobeß
    Mitglied Krisenstab der LiveKomm; Vorsitzende Clubcommission Berlin, Betreiberin Gretchen-Club
  • Stephan Behrmann
    Geschäftsführer, Bundesverband Freie Darstellende Künste

im Anschluss Diskussion mit Fragen der Gäste

15.00 Ende des Webinars
  • Wir brauchen in der Corona-Krise gezielte Hilfen für die Kulturszene.  
  • Die bisherigen Maßnahmen der Bundesregierung sind unzureichend, um die kulturelle Viel-falt auch nach der Corona-Krise erhalten zu können.
  • Wir fordern einen Kulturrettungsfonds für all jene Kulturschaffenden und -einrichtungen, die durch die bisherigen Maßnahmen von Bund und Ländern nicht zielgerichtet unterstützt werden.

Als erstes geschlossen – als letztes wieder geöffnet. Das ist die Situation, mit der sich Clubs, Konzerthäuser, Theater, Museen, Galerien, Kinos, Soziokulturelle Zentren und andere in der Corona-Krise konfrontiert sehen. Die bisherigen Maßnahmen der Bundesregierung helfen den meisten Kulturschaffenden nicht, um in der Krise ihre Existenz zu sichern.

In unserem Antrag "Grüne Maßnahmen zur Rettung der kulturellen Infrastruktur" fordern wir Grüne im Bundestag deshalb einen eigenen Kulturrettungsfonds für all jene Kulturschaffenden und -einrichtungen, die durch die bisherigen Maßnahmen von Bund und Ländern nicht zielgerichtet unterstützt werden. Durch diesen Fonds sollen auch Ausfälle über nicht-zurückzuzahlende Zuschüsse finanziert werden.

Zu wenig zum Überleben

Zur Vorbereitung des Antrags luden die Fraktionsvorsitzende Katrin Göring-Eckardt und der kulturpolitische Sprecher Erhard Grundl die Kulturszene zu einem öffentlichen Webinar ein, an dem als ExpertInnen der Musiker Henning May (AnnenMayKantereit), Pamela Schobeß (Krisenstab Live-Komm; Vorsitzende Clubcommission Berlin, Betreiberin Club Gretchen) und Stephan Behrmann (Geschäftsführer Bundesverband Darstellende Künste) teilnahmen.

Kredite helfen nur wenigen

Sie beantworteten Fragen der über 300 Gäste. Unser Vorschlag eines eigenen Kulturrettungsfonds fand in der Runde große Unterstützung. Denn, das wurde überdeutlich: Kredite helfen den meisten nicht, da sie zu wenig Rücklagen bilden können. Und während das Kurzarbeitergeld für viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an Kultureinrichtungen zu wenig zum Überleben ist, bedeutet die Grundsicherung einen zu großen bürokratischen Aufwand.

In diesem Zusammenhang wurde auch die Forderung der grünen Bundestagsfraktion, eine zentrale Anlaufstelle für alle Kulturschaffenden einzurichten, unterstützt. Ganz grundsätzlich wiesen Pamela Schobeß und Henning May darauf hin, dass auch die Menschen „drumherum“, die für die analoge und digitale Infrastruktur zuständig sind, stark von den Veranstaltungsabsagen betroffen sind und bei Rettungsmaßnahmen immer bedacht werden sollten.

Stephan Behrmann lobte die in Baden-Württemberg praktizierte Soforthilfe, da dieser UnternehmerInnenlohn es freien Kulturschaffenden ermöglicht, nicht nur Betriebskosten, sondern auch Lebenshaltungskosten abzudecken.    

Wie kommen wir da wieder raus?

Auch mögliche Exitstrategien für den Kulturbetrieb waren Thema. Henning May äußerte den Wunsch, dass konkrete Szenarien, unter welchen virologisch verantwortbaren Bedingungen Kultur wieder stattfinden könnte, zügig erarbeitet werden. Womöglich seien ja Veranstaltungen mit wenig Publikum in ausreichend großen Räumlichkeiten oder Konzerte in „Walk Through“-Parks, durch die das Publikum sich bewegt, denkbar.

Angesichts der massiven Planungsunsicherheit für Kulturschaffende sei eine solche Diskussion notwendig. Stephan Behrmann wies darauf hin, dass über eine mögliche Exitstrategie im Kulturbereich nicht branchenspezifisch im Sinne einer Rangfolge diskutiert werden sollte. Theater sei nicht wichtiger als Musik und umgekehrt. Jede Kultur sei wichtig, das zeige sich jetzt in der Krise mehr dann je. Denn was machen die Leute derzeit zuhause? Sie produzieren und rezipieren Kultur, so Behrmann.