Was wurde diskutiert?

Freiheitskongress

Seite 3: Forum 2: Wie vertragen sich Öko und Freiheit?

Inwieweit kann, darf und muss die Politik heute die Freiheit des Einzelnen beschneiden, um die Freiheit nachfolgender Generationen nicht zu beschränken? Wie weit und in welcher Form darf Politik heute reglementieren, um nachfolgenden Generationen keine ausgebeutete Erde zu hinterlassen, in der das Klima verrücktspielt? Leidenschaftlich wurde hierüber im Workshop 2 mit Reinhard Loske und Peter Unfried diskutiert.

Wie bekommt man die Menschen dazu ihr Verhalten zu ändern, ohne sie gleichzeitig zu bevormunden?

Einigkeit bestand grundsätzlich zu zwei Aspekten. Einerseits in der Einschätzung, dass die Dimension der ökologischen Herausforderung gewaltig sei und auf jeden Fall Antworten gefunden werden müssten. Andererseits herrschte weitgehender Konsens in der Erkenntnis, dass Freiwilligkeit zur Bewältigung der Frage allein sicher nicht ausreichen wird, um das ökologisch Notwendige zu erreichen. Hinsichtlich der Frage was nun die Politik tun müsse und welche Ansätze sie verfolgen sollte, kamen dann aber recht unterschiedliche Sichtweisen zu Tage. Die zentrale Frage lautet dabei, wie bekommt man die Menschen dazu ihr Verhalten zu ändern, ohne sie gleichzeitig zu bevormunden? An dieser Stelle wurden die Erfahrungen und Erkenntnisse der vergangenen Bundestagswahl um den Vorschlag eines fleischlosen Kantinentages intensiv diskutiert. Eine in der Sache eher kleinteilige Forderung habe dem politischen Gegner einen willkommenen Anlass gegeben, die gesamte Idee der ökologischen Transformation in Frage zu stellen und angreifbar zu machen.

Es kam die Überlegung auf, ob nicht alternative Zugänge wie etwa über die Kultur, zum Beispiel in Form von Filmen, die Menschen besser erreichen und am Ende mehr bewirken könnten. Weitere Vorschläge in der Debatte zielten darauf, die Menschen stärker für alternative Produkte und ökologischere Ansätze zu begeistern, als ihnen etwas vorzuschreiben. Zum Beispiel könnte es gelingen, die Verbreitung der Elektromobilität und des Car-Sharing darüber zu steigern, dass man deren zahlreichen Vorteile vor Augen führt. Hier könnte Politik erfolgreich gestalten, indem bereits bestehende positive Entwicklungen aufgegriffen und deren Verbreitung gefördert wird. Ein gelungenes Beispiel hierfür ist die Erfolgsstory der erneuerbaren Energien. Ein solcher Ansatz sei allemal attraktiver als eine Geißelung oder gar ein Verbot von bestehenden umwelt- und klimaschädlichen Technologien. Eine andere Möglichkeit ist die Steuerung über Preise. Wenn der Preis die ökologische Wahrheit wiedergibt, bleibt den Menschen die Freiheit der Entscheidung. Umweltschädliches Verhalten werde dann eben nur teurer. Ein solcher Ansatz müsse aber über begleitende soziale Maßnahmen flankiert werden.

Auch wenn es am Ende des Workshops nicht die eine Antwort gab, grundsätzlich Konsens herrschte in jedem Fall darüber, dass die Politik solche Instrumente präsentieren muss, die der Größe der Herausforderung gerecht werden.

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