Rente

Gesetzliche Rentenversicherung umfassend stärken

Älteres Paar beim Wattwandern bei Cappel Neufeld, Deutschland, Niedersachsen
Die gesetzliche Rentenversicherung wollen wir Grüne im Bundestag mit einem umfassenden Reformprogramm stärken. Wir stabilisieren das Rentenniveau dauerhaft und sorgen dafür, dass Geringverdiener*innen besser unterstützt werden und mehr Rente im Alter bekommen. picture alliance / blickwinkel
14.04.2021
  • Für uns ist es eine Frage der Gerechtigkeit, dass alle Menschen ein gutes Leben im Alter führen können. Im Zentrum unserer Rentenpolitik steht die gesetzliche Rentenversicherung. Diese wollen wir durch ein umfassendes Reformpaket stärken und auskömmliche Renten sicherstellen. Das gesetzliche Rentenniveau stabilisieren wir dauerhaft.
  • Geringverdiener*innen wollen wir besser unterstützen und dafür sorgen, dass sie im Alter mehr Rente bekommen. Alle Menschen, die 45 Jahre Vollzeit gearbeitet haben, sollen eine Rente bekommen, die deutlich über den Leistungen der Grundsicherung im Alter liegt.
  • Langjährig Versicherte wollen wir mit der Garantierente – einer Weiterentwicklung der Grundrente –  gezielter und unbürokratischer unterstützen. Erwerbsminderungsrentner*innen im Rentenbestand, die oft sehr niedrige, kaum existenzsichernde Renten haben, wollen wir mit einem Zuschlag besser vor Altersarmut schützen.

Dauerhafte Stabilisierung der gesetzlichen Rente

In den kommenden Jahren wird die sogenannte Generation der Babyboomer*innen in Rente gehen. Dadurch sinkt die Zahl der Erwerbstätigen, während die Zahl der Rentner*innen steigt. Das stellt die gesetzliche Rentenversicherung finanziell vor eine erhebliche Herausforderung. Bis 2025 gibt es die sogenannte doppelte Haltelinie. Sie legt fest, dass das Rentenniveau 48 Prozent nicht unterschreiten und der Beitrag zur gesetzlichen Rentenversicherung 20 Prozent nicht übersteigen darf. Für die Zeit danach wollen wir eine Lösung finden und das Rentenniveau auf heutigem Stand stabil halten. Dazu hat die grüne Bundestagsfraktion den Antrag "Gesetzliche Rentenversicherung stärken, verlässliche Alterssicherung für alle sicherstellen" in den Bundestag eingebracht.

Wir setzen uns für ein stabiles Rentenniveau und einen moderaten Beitragssatz ein. Das lässt sich erreichen, indem das Erwerbspotenzial von Frauen und Menschen, die zugewandert sind, möglichst gut ausgeschöpft wird. Dafür müssen die Arbeitsbedingungen so verbessert werden, dass mehr Menschen gesünder und länger arbeiten können und der Bundeszuschuss an die gesetzliche Rentenversicherung angehoben wird. 

Geringverdiener*innen gezielt unterstützen

Auskömmliche und gerechte Löhne sorgen für existenzsichernde Alterseinkommen und schützen vor Altersarmut. In den Branchen, in denen die Löhne unter der Niedriglohnschwelle liegen, ist das Sicherungsniveau oft schlecht. Aktuell bekämen viele Menschen - nach 45 Beitragsjahren - eine Rente, die in manchen Regionen unter den Leistungen der Grundsicherung im Alter liegen würde. Das wollen wir ändern, indem wir dafür sorgen, dass Geringverdiener*innen höhere Rentenanwartschaften erwerben und besser im Alter abgesichert sind.

Wer 45 Jahre Vollzeit gearbeitet hat, soll eine auskömmliche gesetzliche Rente bekommen, die deutlich über den Leistungen der Grundsicherung im Alter liegt. Erreichen wollen wir dieses Ziel durch die Einführung einer sogenannten arbeitgeberfinanzierten Mindestbeitragsbemessungsgrundlage. Dahinter verbirgt sich die Forderung, dass Arbeitgeber für Geringverdienende einen höheren Beitrag an die gesetzliche Rentenversicherung abführen müssen, durch den die Beschäftigten besser abgesichert werden. Die Mehrkosten würden sich nach den gegenwärtigen Eckdaten auf maximal 1 Euro pro Stunde belaufen.

So könnte Altersarmut schon in der Beitragsphase abgewendet werden. Vollzeitbeschäftigte, die 45 Jahre Vollzeit gearbeitet und in die gesetzliche Rentenversicherung einbezahlt haben, bekämen eine Rente, die bei rund 1200 Euro pro Monat (nach heutiger Kaufkraft) liegen würde.

Mehr Sicherheit für langjährig Versicherte

Mit der Weiterentwicklung der Grundrente zur Garantierente wollen wir sicherstellen, dass alle Menschen im Alter, die den größten Teil ihres Lebens versichert waren, gearbeitet, Kinder erzogen, andere Menschen gepflegt oder sonstige Anwartschaften in der Rentenversicherung erworben haben, im Alter eine Rente beziehen, die oberhalb der Grundsicherung liegt. Mit der Garantierente wollen wir Altersarmut vermeiden und das Vertrauen in die gesetzliche Rente stärken.

In den vergangen Jahren hat die Bundesregierung die Einkommenssituation von Erwerbsminderungsrentner*innen durch eine Ausweitung der Zurechnungszeiten verbessert. Allerdings gilt die  Ausweitung nur für Rentenneuzugänge ab 2019 – ehemalige Erwerbsminderungsrentner*innen im Rentenbestand haben von diesen Verbesserungen nicht profitiert. Eine solche Ungleichbehandlung einer Vielzahl von Menschen, die aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr arbeiten konnten, ist sozialpolitisch nicht akzeptabel. Deshalb wollen wir Erwerbsminderungsrentnerinnen und -rentner im Rentenbestand mit einem pauschalierten Zuschlag unterstützen.

Weiterentwicklung der gesetzlichen Rentenversicherung zur Bürgerversicherung

Die gesetzliche Rentenversicherung wollen wir schrittweise zu einer Bürgerversicherung weiterentwickeln. Bürgerversicherung bedeutet, dass perspektivisch jede und jeder in die gesetzliche Rentenversicherung einbezogen wird. So sind alle gut abgesichert und jede*r beteiligt sich entsprechend des Einkommens solidarisch an der Finanzierung. In einem ersten Schritt wollen wir bisher nicht anderweitig abgesicherte Selbstständige und Abgeordnete in die gesetzliche Rentenversicherung einbeziehen. In einem zweiten Schritt sollen weitere Gruppen, wie zum Beispiel Beamt*innen, in die gesetzliche Rentenversicherung einbezogen werden.

Gut erklärt: Das grüne Rentenkonzept

Mit dem Anklicken bauen Sie eine Verbindung zu den Servern des Dienstes YouTube auf, und das Video wird abgespielt. Datenschutzhinweise dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Markus Kurth MdB, Sprecher für Rentenpolitik