Nachhaltigkeit

Digitalisierung ökologisch gestalten

Glasfaserkabel zur Übertragung von Hochgeschwindigkeitsinternet laufen an einem Verteilerpunkt zusammen.
Breitbandkabel wie diese ermöglichen schnelle Internetverbindungen, um zu Hause in die schöne neue Streaming-Welt eintauchen zu können. Problem: Der Energie- und Ressourcenhunger ist riesig. Wir Grüne im Bundestag fordern in unserem Antrag "Digitalisierung ökologisch gestalten" eine Green-IT-Strategie, effiziente Rechenzentren und ein Recht auf Reparatur für digitale Endgeräte. picture alliance / dpa
11.02.2020
  • Ob smarte Energienetze, autonome Kleinbusse oder intelligente Haustechnik, die ökologischen Potenziale digitaler Anwendungen sind enorm.
  • Enorm ist aber auch der Energie- und Ressourcenverbrauch der Digitalisierung. Sie braucht deshalb dringend einen ökologischen Ordnungsrahmen.
  • Wir Grüne im Bundestag fordern eine Green-IT-Strategie, effiziente Rechenzentren und ein Recht auf Reparatur für digitale Endgeräte. Digitalisierung für Nachhaltigkeit wollen wir zu einem Schwerpunkt der deutschen EU-Ratspräsidentschaft machen.

Der Kampf gegen die Klimakatastrophe ist die Herausforderung unserer Zeit. Ohne den Einsatz neuer Technologien und Innovationen ist dieser kaum zu gewinnen. Digitalen Technologien wie der künstlichen Intelligenz (KI) kommt hierbei eine Schlüsselrolle zu. Dazu müssen wir die Digitalisierung als Nachhaltigkeitsmotor ausgestalten.

Digitale Innovationen für den Klimaschutz

In allen Sektoren, in der industriellen Produktion, in den Bereichen Mobilität und Logistik, Strom und Wärme oder der Landwirtschaft können digitale Innovationen helfen, die Klimaziele zu erreichen. So könnte der Energieverbrauch der Industrie bis 2030 durch IT-gesteuerte Prozessoptimierung um bis zu 30 Prozent sinken. Autonom fahrende Kleinbusse könnten in vielen Fällen den privaten PKW überflüssig machen. Durch intelligente Steuerung kann KI helfen, den Verkehr in Städten zu reduzieren, weniger Pestizide auf die Felder zu sprühen, den Ressourceneinsatz zu optimieren und durch „smarte“ Stromnetze die Energiewende schneller zu realisieren.

Stromverbrauch des Internets ist gewaltig

Die digitale Realität sieht heute aber oft völlig anders aus. Die vorhandenen Potenziale werden nicht genutzt, der Strom- und Ressourcenverbrauch der Digitalisierung wächst rapide. Insbesondere Streaming- und Video-Angebote wie Netflix, YouTube & Co. benötigen enorme Strommengen. Auch Zukunftstechnologien wie KI treiben den Stromverbrauch in die Höhe. Dadurch könnte die Digitalisierung 2030 zwischen 20 und 50 Prozent des weltweiten Stromverbrauchs verursachen. Davon geht die französische KI-Strategie aus. Gleichzeitig brauchen IT-Infrastruktur und Endgeräte große Mengen wertvoller und endlicher Rohstoffe, die teilweise unter unhaltbaren ökologischen und sozialen Bedingungen gefördert werden.

Ökologischen Ordnungsrahmen für die Digitalisierung schaffen

Damit die Digitalisierung nicht zum Klimakiller wird, braucht sie dringend einen ökologischen Ordnungsrahmen. Denn die ökologischen Potenziale der Digitalisierung lassen sich nur realisieren und negative Entwicklungen lassen sich nur vermeiden, wenn die Digitalisierung konsequent an Nachhaltigkeit und Gemeinwohl ausgerichtet wird. Bislang spielt beides in der Digitalpolitik der Bundesregierung keine erkennbare Rolle.

Technologieführerschaft bei nachhaltiger Digitalisierung anstreben

Mit unserem Antrag „Digitalisierung ökologisch gestalten" werben wir für eine umfassende Green-IT-Strategie mit dem Ziel der Technologieführerschaft bei nachhaltigen digitalen Geschäftsmodellen, Hard- und Software. Um die Digitalisierung ökologisch zu gestalten, brauchen wir eine verbindliche IT-Ökodesign-Richtlinie, die unter anderem ein Recht auf Reparatur für digitale Endgeräte schafft. Effizientere Kühlsysteme für Rechenzentren und eine konsequente Abwärmenutzung als Vorgabe sind weitere Bausteine.

Wir Grüne im Bundestag fordern die Bundesregierung auf, Digitalisierung für Nachhaltigkeit zu einem Schwerpunkt der deutschen EU-Ratspräsidentschaft zu machen und sich für einen UN-Gipfel zu Nachhaltigkeit im digitalen Zeitalter einzusetzen, wie dies auch der Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung für Globale Umweltfragen (WBGU) empfiehlt.