Neue Gentechnikverfahren

Auch neue Gentechnik verantwortungsvoll regulieren

Die Mikroskopieaufnahme des Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin zeigt eine Mikroinjektion von Zebrafischembryonen. Hier wird mit dem CRISPR/Cas9-Verfahren gearbeitet
Unser Fraktionsbeschluss "Neue Gentechnik in der Landwirtschaft verantwortlich regulieren“ stellt klar: Auch mit CRISPR & Co. veränderte Pflanzen, Tiere und Mikroorganismen müssen aus grüner Sicht weiter im Rahmen des geltenden Rechts risikogeprüft und gekennzeichnet werden. Foto:Crisper Gentechnik dpa
17.06.2020
  • Unser Fraktionsbeschluss "Neue Gentechnik in der Landwirtschaft verantwortlich regulieren“ stellt klar: Auch mit CRISPR & Co. veränderte Pflanzen, Tiere und Mikroorganismen müssen aus grüner Sicht weiterhin im Rahmen des geltenden Rechts gründlich risikogeprüft und gekennzeichnet werden.
  • Dabei gilt es, Risiken für Mensch und Umwelt so gering wie möglich zu halten.
  • Agrarökologie ist aus unserer Sicht vielversprechender, um in Zeiten der Klimakrise eine wachsende Weltbevölkerung zu ernähren.

Landwirtschaft zukunftsfähig machen

Die Landwirtschaft als Grundlage unserer Ernährung muss neue Wege gehen. Industrialisierte Pflanzen- und Tierproduktion schädigt Boden, Klima und biologischer Vielfalt und hat zukünftige Generationen aus dem Blick verloren. Wir wollen Landwirtschaft zu einem Teil der Lösung machen, auch und gerade angesichts einer wachsenden Weltbevölkerung.

Neue Methoden der gentechnischen Veränderung von Pflanzen, Tieren und Mikroorganismen (neue Gentechnik) werden von vielen BiotechnologInnen und Agrarindustrieunternehmen als zentraler Ausweg und Lösung dargestellt. Diese Darstellung ist aus unserer Sicht häufig interessensgeleitet und greift zu kurz, da sie Risiken nicht ausreichend abbildet. Wir sehen wesentlich mehr Potential und deutlich weniger Risiko in den systemorientierten Ansätzen von Öko-Landbau und Agrarökologie.

Unsere Sicht wird von zahlreichen WelternährungsexpertInnen unterstützt, zum Beispiel den Mitgliedern der hochrangigen Expertengruppe zu Lebensmittelsicherheit und Ernährung (High Level Panel of Experts on Food Security and Nutrition) der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) in ihrem Bericht zu Agrarökologie und nachhaltigen Ernährungssystemen. Ein deutsches Mitglied der Expertengruppe betont, dass agrarökologische Ansätze im Vergleich zu konventionellen Ansätzen trotz ihres Potentials bisher viel weniger politische und finanzielle Unterstützung erhalten. Das wollen wir ändern, indem wir Öko-Landbau und Agrarökologie endlich die ihrer Bedeutung angemessene politische Aufmerksamkeit zukommen lassen.

Vorsorgeprinzip und Wahlfreiheit ernst nehmen: Auch neue Gentechnik als Gentechnik regulieren

Auf die intensive politische Debatte der letzten Jahre zur Frage der Deregulierung von Teilen der neuen Gentechnik geben wir mit unserem Fraktionsbeschluss „Neue Gentechnik in der Landwirtschaft verantwortlich regulieren“ von grüner Seite eine klare Antwort. Parallel hat sich auch die grüne Fraktion im europäischen Parlament eindeutig für eine Regulierung als Gentechnik positioniert. Bestrebungen, die neuen Methoden mit herkömmlicher Pflanzenzüchtung gleichzusetzen und deshalb eine Herausnahme aus der Gentechnik-Regulierung zu fordern, erteilen wir eine Absage.

Neue Gentechnik ist weder „harmlos“ noch „präzise“, sondern übertrifft die bisherigen Methoden an möglicher Eingriffstiefe und –breite und somit an Wirkmächtigkeit und Risikopotential. Keinesfalls wollen wir so entstandene Organismen unerkennbar und ohne jegliche staatliche Aufsicht in Freiland und Lebensmittelkette entlassen. Eine strikte Risikoprüfung im Sinne des Vorsorgeprinzips muss auch weiter Teil des Zulassungsverfahrens sein.

Es gilt der Grundsatz der Umkehrbarkeit: Eine gentechnikfreie Erzeugung muss auch in Zukunft möglich sein

Für uns gilt der Grundsatz der Umkehrbarkeit: Gene Drive Organismen, die explizit dafür gemacht sind, sich in der Umwelt dominant fortzupflanzen, halten wir deshalb für grundsätzlich unvereinbar mit einem vorsorgeorientierten Ansatz.

Zudem gilt: Wer die Wahl haben will, muss wissen, was drin ist. Das betrifft alle Beteiligten der Lebensmittelkette von der Erzeugung über Verarbeitung und Handel bis zum privaten Konsum. Und es betrifft die Generationen, die nach uns kommen. Ihnen würden wir mit einer Deregulierung wohl die Möglichkeit nehmen, sich noch für ein Leben und Wirtschaften in ökologischen Systemen und ohne Gentechnik zu entscheiden. Deshalb stehen wir für eine lückenlose Kennzeichnungspflicht und Rahmenbedingungen, die eine gentechnikfreie Erzeugung auch in Zukunft ermöglichen.