Agrarförderung

Artenschutz braucht kleinteilige Agrarlandschaften

Selbständige Bauern (Archivfoto und Text 1992)
Kleinteilig strukturierte Agrarlandschaften sind wichtig für die Biodiversität. In der Umsetzung der Gemeinsamen Europäischen Agrarpolitik (GAP) sollte diese Erkenntnis unbedingt berücksichtigt werden. dpa - Report
20.04.2021
  • Die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe sank von 2007 bis 2019 um 55.000 auf nur noch 266.000. Vor allem kleinere und mittlere Betriebe verschwanden.
  • Kleinteilige Agrarlandschaften mit einer Vielzahl kleiner und mittlerer Betriebe beherbergen jedoch einen deutlich erhöhten Artenreichtum und sind deshalb für den Biodiversitätsschutz von zentraler Bedeutung. Das ergab eine von uns beauftragte Studie.
  • Wir brauchen deshalb eine Honorierung einer kleinteiligen Bewirtschaftung im Rahmen der Gemeinsamen Europäischen Agrarpolitik (GAP) durch eine Gemeinwohlprämie und eine gerechtere Verteilung der Agrargelder durch Kappung und Degression der Agrarzahlungen.

Für die Studie wurde eine Vielzahl von Studien und Metastudien zur Bedeutung einer vielfältigen und kleinteiligen Agrarstruktur für die Biodiversität ausgewertet. Sie umreißt die Möglichkeiten der Förderung im Rahmen der Gemeinsamen Europäischen Agrarpolitik (GAP).

Intensive Bewirtschaftung verringert Biodiversität

Die landwirtschaftliche Intensivierung ist eine der wichtigsten Ursachen für die Abnahme der Biodiversität. Diese Intensivierung ist verbunden mit einer dramatischen Verringerung der Anzahl landwirtschaftlicher Betriebe, was wiederum zu einer stetigen Vergrößerung der Felder geführt hat. Ergebnis ist eine Homogenisierung ehemals vielfältiger Kulturlandschaften, ein Verlust an bäuerlichen Landwirtschaft und an Lebensräumen vor allem für Insekten und Vögel.

Kleinteilige Agrarlandschaften mit kleinen Feldern beherbergen einen deutlich erhöhten Artenreichtum. Die deutliche Reduzierung der Feldgröße und eine vielfältige und kleinteilige Agrarstruktur sind ein wichtiger Hebel, um das Artensterben zu stoppen. Die Kopplung der Agrarförderung an die Flächengröße benachteiligt aber kleinere Betriebe mit großem Wert für die Biodiversität.

Eine regionale, vielfältige und kleinteilige landwirtschaftliche Erzeugung ist von größter Bedeutung. Dies erreichen wir nur, wenn wir auch unsere bäuerlichen Betriebe erhalten und ihnen eine Zukunftsperspektive bieten.

Friedrich Ostendorff, Sprecher für Agrarpolitik

GAP muss Artenschutz besser fördern

Anreizsysteme für eine vielfältige und kleinteilige Agrarlandschaft stellen eine effektive Möglichkeit zur Förderung der Artenvielfalt in Agrarlandschaften und gleichzeitig eine Maßnahme gegen den Strukturwandel dar. Unterstützungszahlungen im Rahmen der GAP sollten dies besser berücksichtigen und Betriebe mit einer kleinteiligen Bewirtschaftung eine deutlich höhere finanzielle Unterstützung pro ha erhalten.

Wir brauchen eine Neuausrichtung der Europäischen Agrarpolitik (GAP) durch eine Gemeinwohlprämie mit einer gezielten Honorierung einer kleinteiligen Bewirtschaftung und von naturfreundlichen Bewirtschaftungsmaßnahmen. Agrargelder müssen gerecht und gemeinwohlorientiert statt an flächenreiche Agrarholdings und Kapitalinvestoren verteilt werden. Eine Kappung und Degression der Agrarzahlungen und eine Gemeinsamveranlagung verbundener Unternehmen sind etwa dafür geeignete Maßnahmen.

Wer das Insektensterben und Vogelsterben vor allem in Agrarlandschaften stoppen will, muss auch das Höfesterben und die damit einhergehende Strukturverarmung angehen.

Harald Ebner, Sprecher für Bioökonomiepolitik