Gewässerschutz

Dünger und Hormongifte - Unser Wasser unter Druck

Unser Wasser wird mit Gülle und Arzneimittelrückständen vergiftet. Die toxischen Stoffe müssen teuer aus dem Wasser gefiltert werden. Wir fordern einen Masterplan für sauberes und bezahlbares Wasser. picture alliance / Arco Images GmbH
17.05.2019

Unser Wasser wird schleichend vergiftet. Gülle, Mikroplastik, Quecksilber, Arzneimittelrückstände, um nur einige wenige Stoffe zu nennen - davon wird immer mehr in unsere Gewässer gepumpt. Während die Verursacherinnen und Verursacher sich aus der Verantwortung stehlen, müssen die giftigen Stoffe aufwendig und teuer rausgefiltert werden. Wir – Verbraucherinnen und Verbraucher – bleiben auf den Kosten sitzen, die uns unter anderem die industrielle Landwirtschaft und die Kohleindustrie auflasten.

Das ist nicht nur von den VerursacherInnen verantwortungslos, sondern genauso von der Bundesregierung, die es erlaubt, dass unsere Wasserqualität langsam schlechter wird. Stellenweise wird ihnen sogar noch Geld dafür gegeben und Betriebsgarantien für ihre Dreckschleudern ausgesprochen, damit sie unsere Gewässer weiter vergiften.

Wasserqualität und Artenvielfalt: In Gewässern schlecht

Seit langem liegt die Wasserqualität gerade in Regionen mit hohem Viehbestand im Argen. Der Nitratbericht 2017 zeigt: Zirka 50 Prozent der Messstellen in Deutschland weisen erhöhte Nitratkonzentrationen aus, bei 28 Prozent werden die zulässigen Grenzwerte sogar überschritten. Hauptverantwortlich sind die Gülleüberschüsse und Gärreste aus der Landwirtschaft. Artenvielfalt, Boden- und Wasserqualität werden in Mitleidenschaft gezogen und die Bürgerinnen tragen die Kosten der mittlerweile notwendigen Trinkwasseraufbereitung.

Die Bundesregierung selbst hat im letzten Jahr geschrieben, dass in 93 Prozent der Flüsse keine typischen Flussgemeinschaften von Tieren und Pflanzen mehr zu finden seien. Spätestens seit der Veröffentlichung des Berichts zum Artensterben in der vergangenen Woche sollte jetzt wirklich jedem hier klar geworden sein, dass wir wirksame Maßnahmen brauchen, damit wir nicht auch noch den vergleichsweise kleinen Rest unserer Tier- und Pflanzenwelt  auslöschen.

Gut ein Drittel unseres Grundwassers ist in einem schlechten chemischen Zustand. Das bedeutet, dass sich dort mindestens ein Giftstoff findet, der in einer gesundheitsschädlichen Konzentration vorliegt. Hier sollte man nicht den Fehler machen und sich mit einem grundsätzlichen Hinweis auf die mancherorts gegebene Hintergrundbelastung aus der politischen Verantwortung stehlen. Das würde der Situation nicht gerecht werden. Die Giftstoffe finden sich nicht nur in unserem Wasser, sondern reichern sich auch in unseren Nahrungsmitteln an und landen letztlich in unserem Magen, wo sie uns schleichend vergiften.

Kosten der der Wasserverschmutzung: Tragen alle

Richtig teuer wird es für die SteuerzahlerInnen, wenn die Bundesregierung weiter die Gülle aus der industriellen Massentierhaltung ins Wasser schwappen lässt. Laut Umweltbundesamt müsste eine vierköpfige Familie bald bis zu 134 Euro im Jahr mehr für Trinkwasser bezahlen, denn die Schadstoffe müssen aufwendig und teuer rausgefiltert werden.

Außerdem drohen Deutschland hohe Strafzahlungen in Höhe von fast einer Million Euro pro Tag an die EU, wenn die Bundesregierung weiter EU-Recht zum Schutz des Grundwassers bricht. Doch Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner steht bei der Reform der Düngeverordnung weiter auf der Bremse. Die Bundesregierung muss bei der Düngeverordnung endlich wirksame Maßnahmen vorlegen, um die Wasserqualität in Deutschland schützen.

Wasser muss sauber und bezahlbar sein

Die Bundesregierung muss einen Aktionsplan für sauberes und bezahlbares Trinkwasser vorlegen und schleunigst umsetzen. Wir können uns das politische Kleinklein nicht mehr leisten. Chemische Stoffe, die unser Trinkwasser stark gefährden wie Mikroplastik in unseren Kosmetika oder wahrscheinlich krebserregende Parabene in Shampoos oder Gesichtscremes haben in Supermarktregalen nichts zu suchen und müssen verboten werden. Wir fordern zudem eine klare und einfache Produktkennzeichnung von Arznei-, Pflanzenschutz-, sowie Wasch- und Reinigungsmitteln, damit Verbraucherinnen und Verbraucher erkennen können, ob ein Produkt für das Wasser schädlich ist.

Hauptverantwortlich für die immer schlechtere Wasserqualität sind jedoch die Industrie und die industrielle Landwirtschaft. Sie müssen für die von ihnen verursachten steigenden Kosten bei der Wasserreinigung aufkommen. Wir fordern einen Wasserschutz-Fonds, in dem unter anderem Pharmaunternehmen, Hersteller von Wasch- und Reinigungsmitteln, sowie Agrochemie-Industrie einzahlen.

Mit dem nächsten Dürresommer vor der Tür und unseren Gewässern unter steigendem Druck durch zunehmende Verunreinigungen, muss Schluss sein mit den ständigen Ausreden. Wir fordern endlich weniger Gülle und Wirtschaftsdünger auf unseren Äckern, weniger Tiere in unseren Ställen. Wir wollen ausschließlich eine umweltfreundliche Landwirtschaft fördern. Gewässerbelastungen durch Phosphor, Pestizide und Antibiotika aus der industriellen Landwirtschaft sowie Mikroplastikeinträge müssen massiv reduziert, Vorsorge- und Verursacherprinzip konsequent angewendet werden. Wir wollen den Schadstoffeintrag schon an der Quelle vermeiden.

Mit unseren Anträgen „Wasser musss auber und bezahlbar bleiben“ und „Grundwasser schützen, Überdüngung stoppen“ setzen wir uns für einen effektiven Umwelt- und Gesundheitsschutz ein, von dem wir alle langfristig profitieren können.