Weltklimarat-Bericht zu Landnutzung

Land- und Waldwirtschaft verschärfen Klimakrise

Intakter Regenwald neben einer illegal abgeholzten Waldfläche
Der Weltklimarat stellt in einem Bericht fest: Mit der aktuellen Art und Weise, mit der wir Land- und Waldwirtschaft betreiben, machen wir unsere eigenen Lebensgrundlagen kaputt. Das Bild zeigt illegale Abholzung des Regenwaldes auf Sumatra in Indonesien. dpa
08.08.2019
  • Der Weltklimarat hat seinen Bericht zur Landnutzung vorgestellt: Die fortschreitende Abholzung von Wäldern und die Art der Landwirtschaft heizen die Klimakrise an. Die Ernährungssicherheit ist bedroht.
  • Wir Grüne im Bundestag wollen Land- und Waldwirtschaft klimafreundlich gestalten, um unsere Lebensgrundlagen zu sichern.
  • Wichtige Maßnahmen sind: Weniger Tierhaltung, weniger Lebensmittelverschwendung, Wälder und Moore schützen.

Kein anderer Bereich ist so unmittelbar auf den Erhalt unserer Lebensgrundlagen angewiesen wie die Land- und Waldwirtschaft. Sie ist daher auch eine der ersten Leidtragenden der Klimakrise, die sich immer weiter zuspitzt. Auch dieses Jahr haben viele Bäuerinnen und Bauern in vielen Teilen Deutschlands mit extremer Trockenheit zu kämpfen. Durch den zweiten Dürresommer in Folge droht jetzt ein Waldsterben in einem Ausmaß, wie wir es noch nicht gesehen haben. Dabei könnte uns eine richtige Nutzung des Landes im Kampf gegen die Klimakrise unterstützen.

Erheblicher Beitrag zur Klimakrise

Umso frappierender ist es, dass die Art und Weise, wie wir Land momentan nutzen, die Klimakrise über zahlreiche Wege verschärft. Der neue Bericht des Weltklimarats (IPCC) zu Landnutzung nennt aktuelle Zahlen und Fakten:

  • 72 Prozent der eisfreien Landflächen werden vom Menschen genutzt, darunter zwei Drittel der weltweiten Waldflächen.
  • Global stammen 22 Prozent der von Menschen verursachten Treibhausgase aus der Landnutzung. Haupttreiber sind vor allem Abholzung, Tierhaltung, die Zerstörung von Mooren und die Verschwendung von Lebensmitteln.
  • Seit den frühen 60er Jahren haben sich die Emissionen aus der Landwirtschaft verdoppelt, ebenso der Fleischkonsum. Die Lebensmittelverschwendung ist um 40 Prozent gestiegen.

Ernährungssicherheit zunehmend gefährdet

Damit sägt die Land- und Waldwirtschaft an dem Ast, auf dem sie selbst sitzt. Böden werden geschädigt, Extremwetter erhöhen die Wahrscheinlichkeit für sich wiederholende Missernten. Die immer weiter fortschreitende Abholzung von Wäldern - meist für Ackerfläche - heizt die Klimakrise noch weiter an. Der Weltklimarat sieht die Ernährungssicherheit in all ihren Bereichen bedroht – etwa in der Verfügbarkeit von Lebensmitteln und dem Zugang dazu.

Grüne Landwirtschaft

Dabei gibt es Möglichkeiten, die Land- und Waldwirtschaft klimafreundlich zu gestalten – und zwar so, dass sie gleichzeitig Schutz vor den Folgen des Klimawandels bietet. Der Weltklimarat schlägt dazu Maßnahmen vor, die auch wir Grüne im Bundestag seit Jahren unterstützen. Dazu zählen vor allem:

  • Tierhaltung – Weniger ist mehr. Wir wollen eine Tierhaltung, die auf Qualität setzt statt auf Masse. Aus der Massentierhaltung wollen wir in den nächsten 20 Jahren aussteigen, und die Tierhaltung in Deutschland in ihrem Umfang deutlich reduzieren.
  • Der Überdüngung Einhalt gebieten. Die schiere Menge an Stickstoff, die in Deutschland über Gülle, Mist oder Mineraldünger ausgebracht wird, übersteigt, was Pflanzen und Böden aufnehmen können – und zwar um das Doppelte. Wir brauchen endlich Düngeregeln, die Klima und Wasser schützen - mit einer deutliche Begrenzung der Menge an Düngemitteln, die ausgebracht werden darf.
  • Moorböden schützen, Wiesen und Weiden erhalten: Dass Moorböden als Acker- und Grünland genutzt werden, verursacht etwa ein Drittel der landwirtschaftlichen Treibhausgasemissionen in Deutschland und etwa vier Prozent der gesamten deutschen Treibhausgas-Emissionen. Deshalb wollen wir Nutzung der Moorböden einschränken. Sie dürfen nicht mehr umgebrochen oder entwässert werden, sämtliche Zuschüsse zur Entwässerung solcher Böden und Direktzahlungen für Ackerbau auf Moorböden werden gestrichen. Regenerierbare Moorböden wollen wir dauerhaft wiedervernässen. Um Wiesen und Weiden und ihren Nutzen als Kohlenstoffspeicher zu erhalten, wollen wir ihren Umbruch bundesweit beenden.
  • Waldumbau schaffen: Auch in Deutschland müssen wir in unserem Wald klotzen. Wir brauchen  Wälder, die der Klimakrise besser gewappnet sind und Kohlenstoff speichern können. Dazu brauchen wir den  Umbau hin zu naturnahen Laubmischwäldern.
  • Entwaldung stoppen: Ob Tierfutter, Palmöl oder direkte Holzprodukte, wir übernutzen den Wald, bzw. tragen dazu bei, dass Wälder weltweit in rasantem Tempo abgeholzt werden. Wir brauchen verbindliche Regelungen zu entwaldungsfreien Lieferketten und Soja, bzw. Palmölreduktionsstrategien.
  • Klimaschutz auf dem Teller: Unsere Ernährung macht ein Fünftel unserer Klimabilanz aus. Weltweit versursacht die Erzeugung tierischer Lebensmittel mehr Klimagase als der gesamte Verkehr. In Deutschland sinkt der Fleischkonsum zwar seit Jahren, ist aber weiterhin zu hoch. Mäßig statt übermäßig gilt also beim Fleischkonsum. Daher muss die Bundesregierung die Weichen auf Qualität statt auf Masse bei der Fleischproduktion setzen. Und wir brauchen mehr Ernährungsvielfalt in Schulen, Kitas und Kantinen, mit mehr vegetarischen und veganen Angeboten.
  • Gegen Lebensmittelverschwendung: Lebensmittelverschwendung ist nicht nur aus ethischer Sicht problematisch, sondern geht massiv zu Lasten von Umwelt und Klima. In der persönlichen Ernährungs-Klimabilanz schlägt die Lebensmittelverschwendung mit einem Fünftel zu Buche. Deshalb fordern wir, dass die Bundesregierung endlich verbindliche Reduktionsziele vorgibt anstatt weiter auf Freiwilligkeit und Runde Tische zu setzen. Sonst ist das Ziel, die Lebensmittelverschwendung bis 2030 zu halbieren, nicht zu schaffen.