ErnährungWeniger Zucker, Fett, Salz

Tiefgefrorene Pizzen laufen am 23.05.2017 im Pizzawerk der Firma Dr. Oetker in Wittenburg (Mecklenburg-Vorpommern) über ein Transportband.
Es ist zwar allseits bekannt, dass zu viel Salz, Zucker und Fett schädlich für die Gesundheit sind, aber der Ernährungsminister unternimmt nichts gegen den hemmungslosen Einsatz.

Kurz vor Ende der Wahlperiode hat der Bundesminister für Landwirtschaft und Ernährung Christian Schmidt doch noch das Thema Ernährung entdeckt und arbeitet an einer „Nationalen Strategie für die Reduktion von Zucker, Fetten und Salz in Fertigprodukten“. Bislang ist es allerdings nur ein nicht-öffentlicher Entwurf – doch auch der sorgt schon für große Aufregung bei der Lebensmittelwirtschaft.

Das gescheiterte Modell der freiwilligen Vereinbarung

Dabei hat Schmidt in seiner Strategie noch nicht einmal konkrete Ziele für die Reduktion von Fett, Zucker und Salz in Fertigprodukten als Diskussionsgrundlage vorgegeben. Die soll es erst in Absprache mit den Unternehmen bis Mitte 2018 geben, und auch dann soll es bei einer freiwilligen Vereinbarung bleiben.

Minister Schmidt bleibt bei seinem Kurs der Unverbindlichkeit

So wird er aber lange nicht alle Unternehmen erreichen – und genau das ist nötig, um wirkliche und flächendeckende Verbesserungen zu bewirken. Starke Kritik an Schmidts Strategie kam daher auch von Seiten der Krankenkassen: AOK-Chef Martin Litsch bewertete die vorgesehene Freiwilligkeit als Einknicken vor der Lebensmittelindustrie und verwies beim AOK-Zuckerreduktionsgipfel auf andere Länder wie Großbritannien, wo es schon lange nationale Reduktionsstrategien gibt.

Zucker-Lobby wird vom Ministerium angehört

In unserer Kleinen Anfrage haben wir abgefragt, mit welchen Verbänden und Unternehmen das Ernährungsministerium bereits Gespräche geführt hat. Das Ergebnis: Minister beziehungsweise Staatssekretäre trafen sich fast ausschließlich mit der Zucker- und Süßwarenindustrie. Während diese sich 17mal in der Auflistung findet, sind andere Branchen oder Unternehmen in der Liste nicht zu finden. Dabei geht es neben der Zuckerreduktion in Erfrischungsgetränken, Frühstückscerealien und Joghurt auch um weniger Salz in Brot und weniger gesättigte Fettsäuren und Salz in Tiefkühlpizzen. Und trotz der vielen Gespräche mit der Zucker-Lobby protestiert diese nun am lautesten.

Dringender Handlungsbedarf

Wir Grüne im Bundestag meinen: Angesichts der Zunahme von Übergewicht, Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist dringend Handlungsbedarf gegeben. Dazu gehört auch, den Zucker-, Fett- und Salzgehalt in Fertiglebensmitteln zu reduzieren. Hierfür braucht es klare Vereinbarungen mit der Wirtschaft statt unverbindlicher Papiere.

Nährwertkennzeichnung

Außerdem brauchen wir eine Nährwertkennzeichnung, die jeder versteht und einfach signalisiert, wenn zu viel Zucker, Salz oder Fett in Lebensmitteln steckt. Zudem setzen wir uns für klare Regeln für Lebensmittelwerbung, die sich an Kinder richtet, ein. Dass Kinder unerfahren und leichter zu manipulieren sind, darf nicht ausgenutzt werden.

Mehr zum Thema Ernährung

Dieser Artikel ist älter als zwei Monate, deshalb werden keine Kommentare mehr angenommen.

4403956