Jugend in der Krise

Perspektiven für junge Menschen in der Corona-Pandemie

Junge versteckt sein Gesicht
Durch die Covid-19-Pandemie und ihre einschneidenden Auswirkungen hat sich das Leben vieler junger Menschen gravierend verändert. Bisher blieb die Perspektive von Jugendlichen und jungen Erwachsenen weitgehend ungehört. Das wollen wir ändern. picture alliance / blickwinkel/McPHOTO
25.03.2021
  • In der Corona-Pandemie wurden die Bedarfe junger Menschen bislang viel zu wenig berücksichtigt.
  • Junge Menschen dürfen nicht nur auf ihre Rolle als Schüler*innen, Student*innen oder Auszubildende reduziert werden. Das wird der komplexen Entwicklungsphase der Identitätsfindung und dem Übergang ins Erwachsenenleben nicht gerecht.
  • Wir wollen, dass auch junge Menschen gut durch die Krise kommen und schlagen dafür in unserem Antrag „Jugend in der Krise – Perspektiven für junge Menschen in Zeiten der Covid-19-Pandemie“ verschiedene Maßnahmen vor.

Durch die Covid-19-Pandemie und ihre einschneidenden Auswirkungen auf öffentliche und private Bereiche hat sich das Leben vieler junger Menschen sehr verändert. Freunde und Freundinnen können kaum noch getroffen werden. Die Möglichkeiten, Freizeitaktivitäten und Hobbys nachzugehen, sind sehr eingeschränkt. Angebote von Vereinen, offener Jugendarbeit und Kultureinrichtungen sind weggebrochen. Freiwilligendienste, Auslandsaufenthalte und Schüleraustausche fallen aus. Praktika sind kaum möglich. All die Dinge, die für die persönliche und auch berufliche Entwicklung junger Menschen relevant sind, können in Pandemiezeiten nicht oder nur sehr eingeschränkt stattfinden.

Während die Problemlagen vieler gesellschaftlicher Gruppen in der Corona-Krise ausführlich analysiert und diskutiert wurden, blieb die Perspektive von Jugendlichen und jungen Erwachsenen bis vor Kurzem weitgehend außen vor. So geben in der aktuellen JuCo2-Studie des Forschungsverbunds „Kindheit – Jugend – Familie in der Corona-Zeit“ immerhin knapp 65 Prozent der befragten jungen Menschen an, dass sie „eher nicht oder gar nicht den Eindruck“ haben, „dass die Sorgen junger Menschen in der Politik gehört werden“.

Auswirkungen der Krise auch auf junge Menschen in den Blick nehmen und bekämpfen

Viele junge Menschen haben gute Strategien mit der Krise umzugehen und viel Rückhalt in ihrem sozialen Umfeld. Andere nicht. So hatten bereits nach dem ersten Lockdown viele junge Menschen mit psychischen Problemen aufgrund der sozialen Isolation zu kämpfen. Nach einer repräsentativen Umfrage des Zentralinstituts für seelische Gesundheit erfüllten 57 Prozent der befragten Jugendlichen Kriterien einer leichten bis mittleren, 38 Prozent sogar einer mittleren bis schweren psychischen Belastungsstörung. Am meisten von den Auswirkungen der Krise betroffen sind laut Expert*innen vor allem zwei Gruppen der jungen Menschen. Einerseits die, die sich gerade an einem institutionellen Übergang befinden, etwa dem von Schule in Ausbildung oder Studium. Andererseits die Jugendlichen, die bereits vor dem Ausbruch der Pandemie wenig oder nur eingeschränkt Ressourcen beispielsweise aufgrund geringer finanzieller Mittel, Lernschwierigkeiten oder eines fehlenden stabilen sozialen Umfelds zur Verfügung hatten. Damit junge Menschen nicht zu Verlierer*innen der Krise werden, schlagen wir ein ganzes Paket an Maßnahmen vor.

Mit wirkungsvollen Maßnahmen gemeinsam durch die Krise

Bei der weiteren Ausgestaltung der Corona-Maßnahmen muss die Perspektive junger Menschen deutlich mehr als bisher berücksichtigt werden. Deshalb sind starke institutionelle Beteiligungsmöglichkeiten auf verschiedenen Ebenen erforderlich, auch in der Bundespolitik. Wir wollen beispielsweise im Rahmen eines Nationalen Aktionsplans für Kinder- und Jugendbeteiligung konkrete institutionalisierte Beteiligungsstrukturen für die bundespolitische Ebene entwickeln.

Die Digitalisierung darf nicht länger aufgeschoben werden, auch Bildungs- und Freizeitangebote müssen zukünftig umfassend digital genutzt werden können. Ebenso muss die Jugendhilfe als systemrelevant eingestuft und auch entsprechend ausgestattet werden, damit ihre die Angebote in Pandemiezeiten nicht wegfallen.

Um die Auswirkungen der Krise auf junge Menschen und die Hilfebedarfe identifizieren zu können, ist ein genaues Monitoring sinnvoll. Deshalb fordern wir ein entsprechendes Forschungsvorhaben, um die psychischen Folgen der Pandemie auf die Entwicklungsphasen von Kindern und Jugendlichen erfassen und untersuchen zu können. Mit diesen Ergebnissen können auch präventive Hilfsprogramme für zukünftige Krisen schneller und effektiver entwickelt werden.