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Deutsche Islam KonferenzNeustart der Islamkonferenz

Zwei verschleierte Frauen schauen auf ihr Handy, das gerade die Deutsch Islam Konferenz aufzeichnet.
Wir brauchen einen Neuanfang der Islamkonferenz. Dazu gehört, dass bei uns in Deutschland mehr Imame ausgebildet werden. Und es braucht endlich konkrete Vorschläge zur Anerkennung islamischer Religionsgemeinschaften.

Am 28. und 29. November startet die vierte Phase der Deutschen Islam Konferenz mit einer Auftaktveranstaltung in Berlin. Die Einführung der Deutschen Islam Konferenz im Jahr 2006 unter dem damaligen Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble war ein wichtiges Zeichen.

Nach wir vor ist die Deutsche Islam Konferenz  die zentrale Dialogplattform zwischen staatlichen VertreterInnen, islamischen AkteurInnen und Verbänden. Die TeilnehmerInnen müssen die Bereitschaft zeigen, Lösungen gemeinsam und zielorientiert zu erarbeiteten – und einen Dialog auf Augenhöhe führen.

Nach zwölf Jahren Deutscher Islam Konferenz wird es endlich Zeit für einen selbstkritischen Neustart. Der fällt allerdings auch in dieser Legislaturperiode nur lauwarm aus. Nach wie vor fehlen verbindliche Unterstützungsangebote und ein klarer Kompass.

Anerkennung der islamischen Religionsgemeinschaft

Die Frage nach der Anerkennung der islamischen Religionsgemeinschaften im Sinne des Grundgesetzes fehlt weiterhin auf der Tagesordnung. Die Gleichbehandlung aller Religionen ist aber kein Geschenk, sondern der Auftrag unseres Grundgesetzes.

Der Islam ist ein Teil Deutschlands!

In Deutschland gibt es ein vielfältiges und engagiertes religiöses Miteinander. Menschen muslimischen Glaubens bilden schon lange einen nicht mehr wegzudenkenden Bestandteil unseres sozialen und kulturellen Zusammenlebens, ob in sportlichen oder sozialen Vereinen, Initiativen an Schulen oder Universitäten. Um dieses Miteinander weiter wachsen zu lassen, erwarten wir von der Bundesregierung einen ernsthaften und verbindlichen Dialog mit muslimischen Verbänden.

Noch am Anfang seiner Amtszeit bereitete Bundesinnenminister Horst Seehofer mit ausgrenzenden Parolen einen Nährboden für islamfeindliche Hetze. Mittlerweile wünscht er sich einen „deutschen Islam“ – den kann man sich jedoch nicht einfach backen. Es wird dem Ansprach der Deutschen Islam Konferenz nicht gerecht, darüber zu entscheiden, welches Islamverständnis auf die Gunst des Staates hoffen darf.

DIK muss Vielfalt des Islams abbilden

Die Deutsche Islam Konferenz muss die Vielfalt des muslimischen Lebens in Deutschland abbilden und repräsentieren sowie einen ernsthaften und verbindlichen Dialog gestalten – und darf die Teilnehmenden nicht in die Kategorien Gut und Böse aufteilen. Klar ist aber auch: Wer staatliche Anerkennung anstrebt, muss die fundamentalen Verfassungsprinzipien unserer Gesellschaft akzeptieren.

Ausbildungen für Imame in Deutschland

Wird die zentrale Frage nach dem Weg zur Anerkennung islamischer Religionsgemeinschaft(en) nicht beantwortet, kommt man auch bei anderen zentralen Fragen nur zu kurzfristigen und temporären Lösungen. Das betrifft insbesondere auch die Ausbildung von Imamen und islamischen Religionsbediensteten in Deutschland.

Dafür braucht es dringend verbindliche und transparente Ausbildungs- und Qualifizierungsstandards sowie Lösungen für die Finanzierung der Imame in den Moscheegemeinden. Wir haben dazu einen Antrag in den Bundestag eingebracht. Eine Ausbildung in Deutschland mit einheitlichen Qualifizierungsstandards ist ein zentraler Baustein für eine qualifizierte, den heterogenen und komplexen Anforderungen unserer Einwanderungsgesellschaft entsprechende Gemeindearbeit.

Es wäre außerdem ein notwendiger Schritt für eine von den Herkunftsländern unabhängige Religionsausübung. Wer möchte, dass Imame nicht nur die Sprache, sondern auch die Probleme und kulturellen Codes muslimischer Jugendlicher in Deutschland kennen und  wer den muslimischen Verbänden eine nachhaltige Alternative zu im Ausland finanzierten Imamen anbieten möchte, muss endlich ernsthaft über die Etablierung und Finanzierung einer Ausbildung im Anschluss an ein theologisches Universitätsstudium diskutieren.

Es geht nur zusammen!

Die Etablierung nachhaltiger Strukturen für die Ausbildung von Imame und islamische Religionsbedienstete in Deutschland lässt sich nur in der Abstimmung mit Verbänden realisieren. Gemeinsam lässt sich eine Vision für unsere pluralistische, multireligiöse Gesellschaft im Sinne unseres Grundgesetzes gestalten.

Die Deutsche Islam Konferenz kann daher eine große Chance sein, die die Bundesregierung nicht verstreichen lassen sollte.

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