Soforthilfen und Perspektiven

Die Filmbranche und die Corona-Krise

Auf der Anzeigetafel des Odeon Kinos in Bamberg steht der Schriftzug «Geschlossen. Bleiben Sie gesund und achten Sie aufeinander. Wir freuen uns wieder auf Sie. Bis bald! Alles wird gut.».
Auf der Anzeigetafel des Odeon Kinos in Bamberg steht der Schriftzug «Geschlossen. Bleiben Sie gesund und achten Sie aufeinander. Wir freuen uns wieder auf Sie. Bis bald! Alles wird gut.». Auch kleine Kinos sind wegen der Krise oft in ihrer Existenz bedroht. picture alliance/Nicolas Armer/dpa
11.05.2020
  • Die Corona-Krise bedroht die Filmbranche enorm. Die ganze Branche und damit die Filmkultur sind gefährdet.
  • Wir legen Maßnahmen vor, die den Filmstandort Deutschland sichern und so zum Erhalt unserer kulturellen Vielfalt beitragen.
  • In unserem Papier "Die Filmbranche und die Corona-Krise" schlagen wir wirksame Soforthilfen für die gesamte Filmbranche sowie Perspektiven für die Wiedereröffnung der Kinos und die Aufnahme von Dreharbeiten vor.

Die Corona-Krise hat auch die Filmbranche schwer getroffen, sie steht vor großen Herausforderungen. Deswegen braucht sie Hilfe. Doch die Maßnahmen von Bund und Ländern wirken sehr unterschiedlich und oft nur unzureichend auf die einzelnen Gewerke, Filmschaffende und Dienstleistungen. Dabei ist die Lage dramatisch: Seit der Kinoschließungen Mitte März haben Kinos keine Einnahmen mehr, sondern nur noch Ausgaben für weiterlaufende hohen Betriebskosten. Filmproduktionen erfahren keine Kinoauswertung für ihre fertigen Filme und wegen uneinheitlicher Vorgaben in den Ländern tragen ProduzentInnen alleinig das Haftungsrisiko, wenn sie die Dreharbeiten unterbrechen um ihr Team nicht zu gefährden.

Und auch die vielen projektbezogenen Honorarkräfte und Soloselbstständigen sind bei Drehabbrüchen durch Honorarausfälle in ihrer Existenz bedroht. Zum Erhalt unserer kulturellen Vielfalt, zu der die Kinos und der Film maßgeblich beitragen, müssen Maßnahmen getroffen werden, die den Filmstandort Deutschland sichern.

Kino ist Kultur für alle

Kino ist eine Weltreise, ein Abtauchen aus dem Alltag und ein Eintauchen in andere Welten. Ein gemeinsames Erleben mit Freundinnen und Freunden oder auch nur mit meinem Sitznachbarn. Und jetzt, wo sich das Leben in den eigenen vier Wänden abspielt, wird uns bewusst, wie sehr wir Gemeinschaftserlebnisse schätzen. Der Hauptverband Deutscher Filmtheater e. V. (HDF) geht von wöchentlichen Ertragsverlusten von 17 Millionen Euro aus und fürchtet, dass die Hälfte der bundesweiten Filmspielstätten kaum bis Juli überleben kann. Dieser dramatische Verlust an Kultur in der Fläche – vor allem im ländlichen Bereich – ist nicht hinnehmbar.

Die Filmbranche braucht Perspektiven

Genau wie die Bevölkerung braucht die Filmbranche eine Perspektive. Kinos und Filmverleihe brauchen Planungssicherheit und einen Zeitplan für die schnellstmögliche Wiedereröffnung der Kinos unter strengen Hygienemaßnahmen (wie Ticketverkauf nur online, Sitzplatzvergabe mit Sicherheitsabständen, Desinfektionsmaßnahmen vor Ort, Schulungen von MitarbeiterInnen), um den wirtschaftlichen Zusammenbruch der Branche zu verhindern. Dabei müssen sich Bund und Länder auf bundeseinheitliche Regelungen verständigen und Kinos die Möglichkeit geben, zeitgleich wiederzueröffnen, unabhängig von ihrem Ort. Auch für die Wiederaufnahme von Dreharbeiten sind klare Regelungen und ein Zeitplan erforderlich.

Verbindliche Ansagen und eine Perspektive für die Zukunft sind wichtig. Damit es jedoch überhaupt noch eine Branche gibt, die wieder hochgefahren werden kann, sind jetzt wirksame Soforthilfen nötig. Kinos und Produktionsfirmen sind oftmals Betriebe zwischen 11 und 250 MitarbeiterInnen und bisher von vielen Hilfsmaßnahmen ausgeschlossen. Dieser Mittelstand ist das Rückgrat der Film- und Kinobranche. Hier gilt es durch Hilfsmaßnahmen Arbeitsplätze und kreatives Potential zu sichern.

Geld ist immer knapp, aber jetzt muss alles getan werden, um die Kinolandschaft zu erhalten. Die über 900 Kinostandorte in Deutschland spielen eine wichtige Rolle für das (kulturelle) Zusammenleben. Auch nach Corona muss das so sein.