Tourismus-Krise

Reisebranche und Verbraucher in der Krise stützen

Ostseebad Prerow
Auch der Boulevard vor der Seebrücke in Prerow an der Ostsee ist fast menschenleer, die Geschäfte sind geschlossen. Unter den ausbleibenden Einnahmen leiden alle, Geschäfte, Arbeitnehmer und Selbstständige. picture alliance/Bernd Wüstneck
06.04.2020
  • Die Corona-Krise hat die Tourismuswirtschaft in besonderem Ausmaß lahmgelegt. Hunderttausende Arbeitsplätze sind in Gefahr.
  • Aber auch Verbraucherinnen und Verbraucher müssen weiter geschützt werden
  • Die Bundesregierung muss jetzt gezielt ein Hilfsprogramm zuschneiden

Das neuartige Coronavirus legt die gesamte Tourismuswirtschaft lahm – nicht nur in Deutschland und Europa, sondern weltweit. Bereits jetzt sind touristische Unternehmen existentiell bedroht. Vor allem Reisebüros, Gastronomie und Gastgewerbe, aber auch kleinste und kleine Tourismus- und Veranstaltungsbetriebe, Familienunternehmen sowie Selbstständige bangen Tag für Tag um ihre Existenz. Diese wirtschaftliche Notlage ist nicht nur einmalig, sie ist auch erstmalig in dieser weitgehenden Form.

Tourismuswirtschaft am Boden, keine Neubuchungen

Gesetzliche Regelungen, die in normalen Zeiten dem Verbraucherschutz dienen, haben in der aktuellen Situation ungewollte Auswirkungen auf die Reisebranche. Angesichts der globalen Reisewarnungen müssen Veranstalter Reisen stornieren und den Kundinnen und Kunden den vollen Reisepreis erstatten. Reisebüros wiederum verlieren aufgrund der Stornierungen ihre Provisionsansprüche auf bereits getätigte Buchungen und somit ihre Einnahmen.

In normalen Zeiten könnten Reisebüros und Veranstalter diese Verluste durch neue Buchungen kompensieren, aber angesichts des eingeschränkten Reiseverhaltens aufgrund der Pandemie sind Neubuchungen zum Erliegen gekommen. Reisebüros und Veranstalter stehen nicht nur vor hundertprozentigen Einnahmeausfällen und dem Ausfall der Sommersaison, sondern vor einem erheblichen – im Reiserecht begründeten – Mittelabfluss.

Verbraucher schützen – Arbeitsplätze erhalten

Darauf muss die Politik reagieren. Die Lösung kann nicht darin bestehen, Verbraucherschutzstandards zu reduzieren und das Problem auf die Endkunden zu verlagern. Der Bund muss in dieser einmaligen Situation die Reisebranche stützen, damit Vermittler und Veranstalter ihre Verpflichtungen einhalten können, ohne daran wirtschaftlich zu zerbrechen.

Nicht nur im Reisevertrieb und bei den klassischen Reiseveranstaltern hängen hunderttausende Jobs an diesem Wirtschaftszweig. Für viele, gerade ländlich geprägte Regionen, ist der Tourismus der zentrale Motor der lokalen Wirtschaft und ganze Regionen hängen in ihrer wirtschaftlichen Prosperität vom Tourismus ab. Deshalb ist konsequentes Handeln auch strukturpolitisch das Gebot der Stunde.

Strukturen erhalten

Die Politik muss dafür sorgen, dass trotz Krise die touristischen Strukturen in den Regionen erhalten bleiben. Denn ein Aufschwung nach der Corona-Krise kann nur gelingen, wenn die Tourismusbranche die gegenwärtige Krise übersteht, Strukturen erhalten und Fachkräfte gesichert werden. Die Bundesregierung muss deswegen dringend die bisher verabschiedeten Beschlüsse hinsichtlich der Vergabekriterien von Liquiditätshilfen überprüfen. Wir müssen jetzt dafür sorgen, dass Niemand unter die Räder kommt.

Jugendherbergen, kirchlich getragene Beherbergungsstätten oder andere gemeinwohlorientierte und als Verein organisierte touristische Institutionen dürfen keinesfalls übersehen werden. Sie haben schon aufgrund ihrer gemeinnützigen Struktur keinerlei Rücklagen, sind aber für unsere Gesellschaft unverzichtbar.

Wir fordern für den Tourismus daher effektive Instrumente und Sofortmaßnahmen zur Kompensation der Einnahmeverluste. Aus den verabschiedeten Hilfspaketen müssen Liquiditätshilfen für die Tourismusbranche abfließen.

Unsere wichtigsten Forderungen:

  • Aus den Hilfspaketen gezielte Unterstützungsmaßnahmen auf die Tourismusbranche zuschneiden
  • Schnelle Liquiditätshilfen, um Rückzahlungen an die KundInnen zu sichern
  • Lohnfortzahlungen sichern
  • Risikoübernahme für kurzfristige Hilfen seitens der KfW erhöhen
  • Unbürokratische Stundungen von Steuern und Sozialabgaben ermöglichen
  • gemeinnütziger Häuser und Strukturen unterstützen
  • Europäische Zusammenarbeit in der Krise, Regionalfonds stärker für Tourismusbranche  öffnen