Kreativwirtschaft

Förderung und Absicherung für Kreative

Am Filmset einer deutschen Fernsehsendung.
Viele kreative Köpfe sind heutzutage im Bereich der Kultur- und Kreativwirtschaft tätig. Doch häufig arbeiten sie als Soloselbstständige in hybriden Beschäftigungsverhältnissen und unter prekären Bedingungen. Wir Grüne im Bundestag wollen ihnen den Rücken stärken. dpa
12.11.2019

Hybride Arbeitsverhältnisse bei Kultur- und Kreativschaffenden

Durchaus nicht alle Kultur- und Kreativschaffenden erhalten öffentliche Fördergelder. Auch Autoren, die PR-Texte schreiben, oder Musikerinnen, die für die Games-Branche arbeiten, sind im Bereich der Kultur- und Kreativwirtschaft tätig. Ihre Arbeit muss sich ökonomisch rechnen. Doch das ist schwer. Oft genug fallen sie bei den Wirtschaftsförderprogrammen durchs Raster. Viele Kreative sind zudem in hybriden Arbeitsverhältnissen. Sie arbeiten mal selbstständig, mal auf Projektbasis befristet angestellt, dann wieder überbrücken sie eine Phase ohne Aufträge oder sind vorübergehend arbeitslos gemeldet. Die sozialen Sicherungssysteme sind auf solche hybriden Konstrukte nicht zugeschnitten. Dasselbe gilt für klassische Interessenvertretungen wie Gewerkschaften und Berufsverbände. Deshalb haben soloselbstständige Kreative häufig Existenzängste – obwohl sie einen ganz wesentlichen Beitrag zur Bruttowertschöpfung leisten.

Leichterer Zugang zu Gründungsförderung

Wir Grüne im Bundestag treten für eine Öffnung des Innovationsbegriffs in den Programmen zur Existenzgründungsförderung ein. Nicht-technische Innovationen gibt es nicht nur im Bereich der Start-up-Kultur, sondern auch in den Kernbranchen der Kultur- und Kreativwirtschaft. Ein Innovationsbegriff, der sich primär an den Ausgaben für Forschung und Entwicklung orientiert, geht an den spezifischen Bedürfnissen der Kreativen vorbei. Wir brauchen mehr spezifisch auf die Bedürfnisse der Kultur- und Kreativwirtschaft zugeschnittene Förderprogramme. Die Existenzgründung muss entbürokratisiert, die gesetzgeberischen Rahmenbedingungen für Stiftungsfinanzierung müssen verbessert werden, insbesondere im Hinblick auf die Anerkennung von Gemeinnützigkeit.

Stärkung von Berufsverbänden

Die wenigsten Kreativschaffenden sind Mitglieder von Gewerkschaften, viele sind jedoch in kleinen Berufsverbänden organisiert. Da diese über Mitgliedsbeiträge finanziert werden, die Kreativen jedoch in der Regel wenig verdienen, leben diese Verbände oft vom ehrenamtlichen Engagement Einzelner. Dabei leisten sie eine Menge für ihre Mitglieder, was etwa Beratung, Weiterbildung, Vernetzungsarbeit und politische Interessenvertretung angeht. Wir Grüne im Bundestag setzen uns dafür ein, dass für solche Arbeit projektgebundene Finanzmittel beantragt werden können – Hilfe zur Selbsthilfe.

Faire Vergütung der Kreativen

Kreative brauchen ein durchsetzungsstarkes Urhebervertragsrecht, damit sie von ihren Auftraggebern eine angemessene Vergütung erhalten. Auch digitale Plattformen müssen stärker in die Pflicht genommen werden, Kreative angemessen zu vergüten, wenn sie mit deren Leistungen wirtschaftliche Gewinne erzielen. In Branchen, in denen Kreative stark in Produktionsabläufe und Verwertungsketten eingebunden sind, sollen Branchenfonds entwickelt werden, um ökonomisch wenig trägfähige, aber gesellschaftlich oder kulturell bedeutsame Projekte ohne Dumpinghonorare zu ermöglichen. Natürlich wollen wir auch öffentliche und öffentlich-rechtliche Auftraggeber stärker in die Pflicht nehmen, angemessene Vergütungen zu zahlen.

Soziale Absicherung

Die Künstlersozialkasse (KSK) wollen wir erhalten – ohne Wenn und Aber. Digitale Plattformen, die nicht als Auftraggeber, sondern „nur“ als Vermittler kreativer Arbeit agieren, wollen wir dazu verpflichten, ebenfalls in die KSK einzuzahlen. Für Kreative, die dort nicht Mitglied werden können, wollen wir die Mindestbeiträge zur Krankenversicherung auf das Niveau der sonstig freiwillig Versicherten reduzieren. Nicht anderweitig abgesicherte Selbstständige wollen wir in die gesetzliche Rentenversicherung aufnehmen.