Lokaljournalismus

Journalismus öffentlich fördern

Ein Stapel Zeitungen
Journalismus muss frei und unabhängig sein. Aber das Geschäftsmodell Werbefinanzierung ist kaputt. Gerade vor Ort im Lokalen wird es immer schwieriger, anspruchsvollen Journalismus zu finanzieren. congerdesign / Pixabay.com
12.05.2021
  • Gute und verlässliche Informationen sind die Grundlage für freie Meinungs- und Willensbildung und damit für demokratische Teilhabe.
  • Aber anspruchsvoller Journalismus ist immer schwieriger zu finanzieren, gerade im lokalen und regionalen Bereich.
  • Die Krise des Lokaljournalismus darf nicht zur Krise der informationellen Grundversorgung werden. Deshalb wollen wir eine öffentliche Förderung des Lokaljournalismus diskutieren.

Die Medienkonzentration hat gerade im Lokalbereich in den letzten Jahren bedrohliche Züge angenommen. In einer Langzeitstudie zur Pressekonzentration stellte der Zeitungsforscher Horst Röper zuletzt 2020 fest, dass die Vielfalt im Lokaljournalismus immer mehr zurückgeht. Auflagensteigerungen erreichen die Verlage nur noch durch Übernahmen. Die Folge: Immer mehr Lokalredaktionen werden dichtgemacht, die betreffenden Regionen werden von Zentralredaktionen versorgt. Das ist das Gegenteil von Medienvielfalt.

Mit Möglichkeiten einer staatsfernen Journalismusförderung hat die grüne Bundestagsfraktion sich erstmalig 2013 auseinandergesetzt. Die Grüne Europafraktion hat 2018 eine vielbeachtete Studie zu Finanzierungsmöglichkeiten für Investigativjournalismus vorgestellt. Die Bundesregierung hat 2020 ein „Konzept für die Förderung der digitalen Transformation des Verlagswesens“ vorgelegt, das allerdings inzwischen aufgrund von verfassungsrechtlichen Bedenken gescheitert ist.

Neues Gutachten

Möglichkeiten öffentlicher Förderung von Lokal- und Regional-Journalismus bei Wahrung der Staatsferne (pdf, 12.5.2021)
Gutachten von Professor Dr. Matthias Cornils, Direktor des Mainzer Medieninstituts; Junior-Professorin Dr. Leyla Dogruel, Johannes Gutenberg-Universität Mainz; Katrin Gessinger, LL.M., Mainzer Medieninstitut; Pascal Schneiders, M.A., Johannes Gutenberg-Universität Mainz - im Auftrag von Bündnis 90/Die Grünen im Bundestag.

Was stattdessen gebraucht wird, ist ein Förderkonzept, das einerseits staatsfern ist, also die journalistische Unabhängigkeit wahrt, und andererseits den redaktionellen Bereich stärkt, also die Produktion von journalistischen Inhalten vor Ort direkt unterstützt. Im Auftrag der grünen Bundestagsfraktion haben Prof. Leyla Dogruel und Prof. Matthias Cornils vom Mainzer Medieninstitut jetzt ein solches Fördermodell für den Bereich des Lokaljournalismus entworfen. Es basiert auf drei Säulen:

  1. einer kriterienbasierten Produktionsunterstützung: Zuwendungsberechtigt sollen For-Profit- und Non-Profit-Medienorganisationen mit regelmäßiger regionaler oder lokaler Berichterstattung sein, die eine eigenständige Redaktion mit mindestens zwei bezahlten Vollzeitäquivalenten haben.
  2. einem Innovationsfonds für neue Ideen im Bereich der Geschäftsmodelle und Verbreitungsformen, durch die ein Beitrag zur journalistischen Innovation oder zur Nachrichtenversorgung geleistet wird.
  3. einem Projektförderfonds für in sich abgeschlossene, zeitlich begrenzte, aber besonders aufwändige journalistische Einzelprojekte.

Diese Vorschläge werden nun in die weitere Debatte gegeben, um Modelle einer staatsfernen Journalismusförderung zu entwickeln.

Digitales Fachgespräch (12.5.2021, 10 Uhr)