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NeubauEnergiesparhäuser sind günstiger

Neubau in München
Wir haben gefragt: Wie steht es um das Thema Niedrigstenergiehäuser in Deutschland? In ihrer Antwort offenbart die Bundesregierung, wie wenig ihr an einer Weiterentwicklung entsprechender Standards liegt.

Die Bundesregierung bestätigt in ihrer Antwort auf die Kleine Anfrage von Bündnis 90/Die Grünen zu Niedrigstenergiehäusern, dass steigende Miet- und Immobilienpreise in vielen Städten dem Missverhältnis von Angebot und Nachfrage geschuldet sind. In Nordrhein-Westfalen versucht die schwarz-gelbe Koalition ungeachtet dessen, klimaschützende und kostensparende Energiesparvorgaben als Preistreiber auf dem Wohnungsmarkt zu diffamieren, um diese rückabzuwickeln.

Die geschäftsführende Bundesregierung versteckt sich bei allen Fragen zum Energiesparen in Gebäuden hinter der sich hinziehenden Regierungsbildung. Dabei sind die EU-Vorgaben dazu aus der Gebäuderichtlinie lange bekannt. Auch der Verweis auf neue Gutachten ist reine Verzögerungstaktik.

Tatsache ist, dass sich bei der Energiewende im Gebäudesektor seit Jahren viel zu wenig tut. Energieeinsparung und der Einsatz Erneuerbarer Energien kommen nicht annähernd schnell genug voran. Die Koalition aus Union und SPD hat bereits in der letzten Wahlperiode verhindert, dass die energetischen Vorgaben für Neubauten an die international gemachten Zusagen für den Klimaschutz angepasst werden. Nun spielt die Regierung weiter auf Zeit. Doch die Klimakatastrophe wartet nicht.

Auch die Mieterinnen und Mieter brauchen angesichts explodierender Mieten dringend mehr Schutz vor steigenden Heizkosten. Hier helfen nur klare und zukunftssichere Vorgaben für Energieeinsparung.

In ihrem Koalitionsvertrag erteilen Union und SPD der Weiterentwicklung von Energiestandards für Gebäude eine Absage. Das ist schlicht falsch und geht zu Lasten der Mieter und Eigentümer.

Ein aktuelles Gutachten des Instituts für technische Gebäudeausrüstung (iTG Dresden) belegt, dass die Kosten für die klimaschützenden und energiesparenden Vorgaben beim Neubau weitaus geringer sind, als es die Immobilienwirtschaft behauptet.

Kosten für Energiesparhäuser weit geringer als angenommen

Der Bau von Energiesparhäusern nach heutigem Neubaustandard ist nach einem Gutachten der Bundesregierung günstiger als bisher in einem Gutachten im Auftrag der Bau- und Wohnungswirtschaft dargelegt. Statt – wie anhand eines Modellgebäudes dargelegt – rund 100 Euro pro Quadratmeter oder sechs bis sieben Prozent der Baukosten, fallen gemäß des Gutachtens der Bundesregierung nur die Hälfte davon an, um den aktuellen Energieeinsparverordnung (EnEV) 2016 Standard statt dem vorherigen Standard EnEV 2014 zu erreichen. Durch geeignete Technik könnten die Mehrkosten sogar auf ein Viertel davon gesenkt werden, so das Gutachten der Bundesregierung.

Auch die Baupraxis liefert entsprechende Belege. So konnte sogar nachgewiesen werden, dass die gegenüber dem heutigen Standard EnEV 2016 – er entspricht etwa einem Effizienzhaus 70 –die noch sparsameren Effizienzhäuser 55 und 40 in der Realität teilweise günstiger errichtet worden waren als die Effizienzhäuser 70 mindestens genauso effizient, oftmals sogar effizienter. Das belegen Studien anhand einer großen Zahl realer Bauvorhaben in Hamburg und Freiburg.

Energieeinsparung gleicht erhöhte Baukosten aus

Die Ausgaben für Energietechnik im Neubau werden durch die Einsparungen bei den Nebenkosten mehr als kompensiert. Sparsame Gebäude bieten den Bewohnern einen sicheren Schutz vor steigenden Energiepreisen und sichern dauerhaft günstige Nebenkosten. Dass das Energiesparrecht die Baukonjunktur bremsen soll, konnten die Forscher ebenfalls nicht nachweisen. Vielmehr herrsche trotz der EnEV-Verschärfung 2016 ein Bauboom und das Förderprogramm, das auf den besonders klimafreundlichen Effizienzhaus-55-Standard abzielt, wird bestens angenommen.

Engpassfaktor Grundstückspreis

Die immense Preissteigerung und Knappheit bei Grundstücken seien der „entscheidende Engpassfaktor“ für die Verteuerung von Neubauten, so das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR). Natürlich fallen damit auch platzintensive Stellplätze, aber auch teure Ausstattungen wie Tiefgaragen, bodentiefe Fenster oder Echtholzparkett ins Gewicht.

Grünes Programm „Faire Wärme“

Wir brauchen ein Programm für Faire Wärme, das Eigentümer und Mieter darin unterstützt, die Energiewende in Deutschland klimafreundlich, bezahlbar und ökologisch zu gestalten.

Statt in die Zukunft zu blicken und die wahren Kostentreiber zu identifizieren, stellt sich die Bundesregierung hinter die Immobilienwirtschaft. So verhindert die Bundesregierung die Energiewende im Gebäudebereich, einen wirksamen Klimaschutz und bezahlbaren Wohnraum.

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