Bauflächenoffensive

Dachausbau statt Flächenfraß

Statt Flächen zu versiegeln, wollen wir zunächst die ungenutzten Dächer zu Wohnungen umbauen und haben ein "Hunderttausend Dächer und Häuser Programm" entworfen. Dazu haben wir einen Antrag in den Bundestag eingebracht. picture alliance / Arco Images GmbH
21.03.2019

Die Wohnungsnot spitzt sich immer weiter zu. Bauland ist knapp und die Preise hierfür steigen. Dies macht den Bau bezahlbarer Wohnungen sehr schwierig. Allerdings besteht laut einer Studie der Technischen Universität Darmstadt und des Pestel-Instituts ein großes Potential ungenutzter Dachgeschosse und leerstehender Gebäude für über zwei Million Wohnungen. Ein Förderprogramm für den Ausbau von Dachgeschossen und die Aktivierung leerstehender Gebäude, wie wir es mit der Grünen Bauflächenoffensive vorschlagen, wurde in einer Anhörung im Deutschen Bundestag einhellig von den Expertinnen und Experten begrüßt.

Bestehende Gebäude viel stärker nutzen

Dafür fordern wir eine millionenschwere Bauflächenoffensive für den Wohnungsausbau. Durch ein Förderprogramm „Hunderttausend Dächer und Häuser Programm“ können in den nächsten drei Jahren bereits bis zu 100.000 Dächer ausgebaut und leerstehende Wohnungen modernisiert und attraktiv gemacht werden.

Vor allem im Ausbau von Dächern liegt ein riesiges und notwendiges Potenzial in den dicht besiedelten Ballungsräumen. Studien zeigen, dass auf Wohnimmobilien, Parkhäusern in Innenstädten, Büro- und Verwaltungsgebäuden, eingeschossigem Einzelhandel, Discountern und Märkten oder der mit der Umnutzung von Leerständen von Verwaltungsgebäuden bundesweit bis zu 2,7 Millionen Wohnungen realisiert werden könnten.

Insgesamt wollen wir für unser Programm mehr als 800 Millionen Euro bis 2021 in die Hand nehmen, um diese Potenziale zu heben. Nur wenn die Bundesregierung endlich die Weichen richtig stellt, kann sie den Wohnungsmangel noch abfedern.

Das Programm sieht eine Förderung mit Investitionskosten für Ausbau und Modernisierung von bis zu 150 Euro pro Quadratmeter vor. Diese Summe kann sich beim Bauen mit Holz oder der Einplanung von Solarthermie oder Sonnenstrom auf dem Dach auf 225 Euro erhöhen. Die Förderung ist kumulierbar mit den Programmen der sozialen Wohnraumförderung, der Klimaschutzförderung der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), einer Förderung für Bauen mit Holz und nachwachsenden Baustoffen, sowie dem Marktanreizprogramm Wärme aus erneuerbaren Energien.

Mit unserem „Hunderttausend Dächer und Häuser Programm“ wollen wir den Aus- und Aufbau von Dächern und die Aktivierung von leerstehenden Gebäuden in Ortskernen des Umlandes finanziell unterstützen. Wir stärken mit dem Programm die Innenentwicklung im Bestand, wirken wir den steigenden Baulandpreisen und hohen Erschließungskosten entgegen und ermöglichen Wohnungsbau ohne Flächenfraß.

Im Gegensatz zur Sonderabschreibung für Mietwohnungsbau in ihrer jetzigen Form wird die Grüne Bauflächenoffensive keine steigenden Bauland- und Kaufpreise zur Folge haben und ein wirkliches Mehr an Wohnungsbau bringen.

Unser Antrag war Anfang Juni 2019 Gegenstand einer Anhörung im Bauausschuss des Deutschen Bundestags.

Die geladenen Experten sprachen sich einhellig dafür aus die großen Potentiale von brachliegenden Dächern und leerstehenden Gebäuden für den Wohnungsbau zu nutzen und dafür ein Förderprogramm aufzulegen. Ihre Stellungnahmen bezogen sich auf zu klärende Details wie Mietpreisbegrenzungen, Stellplätze, Beteiligung und Aufzüge sowie nötige Änderungen im Baurecht für flächensparendes und soziales Bauen und Wohnen.

Herr Bunzel vom Deutschen Institut für Urbanistik führte aus, dass dabei eine Mietpreisbindung sinnvoll wäre. Diese wäre über den Paragraphen 34 des Baugesetzbuches aktuell schwierig ist. Daher müsse hierfür eine neue Satzungsmöglichkeit geschaffen werden müsste. Damit unterstützt Herr Bunzel eine Forderung der grünen Bundestagsfraktion.

Frau Esser vom Gesamtverband der Wohnungswirtschaft machte deutlich, dass die in dem Verband organisierten Unternehmen schon gute Erfahrungen mit seriellen Aufstockungen gemacht haben. Auch mehrstöckige Aufstockungen seien demnach möglich. Einige Anbieter böten bereits Komplettlösungen an. Weiterhin wies Frau Esser darauf hin, dass es wichtig ist, die soziale Mischung in den Quartieren zu erhalten. Sie sprach sich für ein Förderprogramm für die Dachaufstockung mit einer Investitionszulage aus, da die Kosten für den Dachausbau etwas höher lägen. Die Mietpreise der geförderten Wohnungen sollten begrenzt werden.

Herr Ewald von der Wigger & Ewald Projektmanagement für Immobilien GmbH verwies auf die 16 verschiedenen Bauordnungen der Ländern als Baukostentreiber und forderte, dass der Bund sich noch einmal die Musterbauordnung ansehen und verbindlicher gestalten sollte.

Auch Herr Andrej Holm von der Humboldt-Universität Berlin sprach sich für Bindungen der Mietpreise bei dem Ausbau von Dachgeschossen aus und forderte, sich bei der Aktivierung dieses Potentials auf die Gebäude der 1950 bis 1990 Jahre zu konzentrieren. Es sei sinnvoll, die Förderung an das Vorliegen kommunaler Wohnraumversorgungskonzepte zu knüpfen.

Herr Kaup vom Bund Deutscher Architekten verwies auf die nicht mehr zeitgemäßen  Stellplatzsatzungen mit viel zu umfangreichen Stellplatzpflichten, die ein großes Problem darstellten.

Herr Nagel von der Bundesstiftung Baukultur macht sich für eine ganzheitliche Betrachtung stark um die Akzeptanz für solche Projekte zu heben. Dachlandschaften sollten so geplant werden, dass diese für möglichst viele Anwohner nutzbar sind. Zusätzlich forderte er die Innenentwicklung zu fördern, die Außenentwicklung zu erschweren und das Ziel, die Neuinanspruchnahme von Flächen für Siedlungen und Verkehrswege auf höchstens 30-Hektar am Tag zu begrenzen, ernst zu nehmen. Der ländliche Raum mit gezielten Förderprogrammen gestärkt werden, wie etwa mit dem Programm Jung-kauft-Alt, das auch im grünen 100.000-Dächer-und-Häuser-Programm enthalten ist. Es sollte aus seiner Sicht ein baukultureller Ausgleich eingeführt werden und nachgewiesen werden, dass das Umfeld durch eine Baumaßnahme qualitativ verbessert worden ist, im Sinne der doppelten Innenentwicklung – dichtere Bebauung und mehr Grünflächen.

Herr Tichelmann von der Technischen Universität Darmstadt machte deutlich, dass der § 34 des Baugesetzbuches oftmals zu eng ausgelegt wird. Man könne noch höher und dichter bauen als es oft erfolge. Er führte aus, dass ab dem 4. Stock ein Aufzug notwendig ist, um die Mieter möglichst lange im Bestand zu halten und verwies darauf, dass das Thema Aufzug zu oft problematisiert sehr wird, obwohl die Kosten umgerechnet auf den Quadratmeter nicht zu teuer seien.

Herr Warnecke von Haus und Grund Deutschland plädierte dafür alles was aus seiner Sicht den Wohnungsbau teuer machen würde zu streichen und forderte Barrierefreiheit und Brandschutz zu begrenzen. Er forderte weiterhin, dass Stadtentwicklungsprogramme den Quartiers-Kümmerer finanzieren sollten, der die Kommunikation zwischen den verschiedenen Eigentümern organisiert und die einzelnen Eigentümerinnen einer Wohneigentumsgemeinschaft anspricht. Einer Begrenzung der Mieten bei Dachausbau erteilte er eine klare Absage, da diese auf Eigentümer abschreckend wirken würden.

Hier finden Sie unseren Antrag "Sofortprogramm Bauflächenoffensive - Hunderttausend Dächer und Häuser Programm“.