Bau- und Wärmewende

Aktionsplan Faire Wärme für wirkungsvollen Klimaschutz im Gebäudebereich

Der grüne Gesetzesentwurf sieht vor, dass beim Austausch oder dem nachträglichen Einbau einer Heizanlage mindestens 15 Prozent des Wärmeenergiebedarfs durch erneuerbare Energien zu decken ist oder der Wärmeenergiebedarf um mindestens 15 Prozent reduziert
Wir wollen die Klimakrise aufhalten. Dafür müssen wir – alle Menschen in Deutschland - unseren CO2-Ausstoß dramatisch reduzieren und unsere Gebäude so bauen, dass sie CO2 speichern statt ausstoßen. Corbis
27.01.2021
  • Wir müssen in Deutschland unseren CO2-Ausstoß dramatisch reduzieren, um die Klimakrise abzuwenden. Ein Drittel des klimaschädlichen CO2 stammt aus dem Energieverbrauch im Gebäudebereich, vor allem dem Heizen und Kühlen. Von der Bundesregierung kommt leider viel zu wenig: der CO2-Ausstoß von Gebäuden geht seit einem Jahrzehnt nicht zurück. Die Kosten für das Wohnen steigen. Nur 15 Prozent der Heizwärme stammt aus erneuerbaren Energien. 
  • Wir Grüne im Bundestag wollen bis 2040 alle Wohnungen und Gebäude so klimaneutral umbauen oder bauen, dass sie CO2 speichern statt ausstoßen.
  • Dazu bringen wir unsere Anträge für eine Bauwende, den Aktionsplan Faire Wärme und für das Drittelmodell zur fairen Kostenverteilung in den Bundestag ein. So zeigen wir, wie jede und jeder beim Wohnen Energie sparen oder in erneuerbare Wärme und Niedrigstenergiehäuser investieren kann.

Um die Pariser Klimaziele einzuhalten und die Klimakrise aufzuhalten, müssen wir den CO2-Ausstoß in Deutschland bis zum Jahr 2050 weitestgehend reduzieren. Jede und jeder soll sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten daran beteiligen können, denn wir können diese überlebenswichtige Aufgabe nur gemeinsam meistern.

Gebäudebereich ist zentral für den Klimaschutz

Heizen, Kühlen, Warmwasserbereitung und Beleuchten unserer Wohnungen sowie der öffentlichen und gewerblichen Gebäude verbraucht 35 Prozent der Endenergie und erzeugt ein Drittel des gesamten Treibhausgas-Ausstoßes in Deutschland. Dazu hat der Bausektor hat einen enorm hohen Ressourcenverbrauch, insbesondere von CO2-intensiven Materialien wie Stahl und Zement. 

Eine von uns beauftragte Studie zeigt: Ein Drittel aller Gebäude, das Drittel mit dem höchsten Energieverbrauch, erzeugt die Hälfte des klimaschädlichen CO2 im Gebäudesektor. Wenn wir dieses klimaschädlichste Drittel klimaneutral umbauen, sparen wir im Gebäudesektor die Hälfte allen CO2s. Und hier ist es besonders wirtschaftlich, da bei gleichem Aufwand besonders viel Energie gespart wird.

Die Dekarbonisierung und Kreislaufwirtschaft bei Gebäuden sind entscheidend, wenn wir die Klimaziele erreichen wollen.

Verheerende Bilanz der Bundesregierung

Die Bilanz der unionsgeführten Bundesregierungen ist verheerend und belastet auch die privaten Haushalte. Die Kosten für das Wohnen steigen. Gleichzeitig stagniert seit einem Jahrzehnt die Sanierungsquote von Gebäuden und der CO2-Ausstoß bleibt viel zu hoch. Nur 15 Prozent der Heizwärme stammt etwas aus erneuerbaren Energien. Dabei gibt es die technischen Lösungen doch längst.

Bauwende und Faire Wärme

Wir Grüne im Bundestag wollen dafür sorgen, dass auch das Klima zwischen Eigentümer*innen und Mieter*innen endlich wieder stimmt. Dafür stellen wir mindestens 7 Milliarden Euro Fördermittel für vermietete Wohnungen bereit. Wir wollen mit einer Informationsoffensive erreichen, dass alle Eigentümer*innen den Modernisierungspfad von KfW 55 für ihre Häuser kennen.

Zudem setzen wir endlich den Rahmen so, dass sie diese erneuerbar heizen und im Neubau den Passivhausstandard schaffen. Diese Gebäudestandards setzen wir als rechtlich als Mindeststandards und sorgen dafür, dass Eigentümer*innen und schnell und einfach Fördermittel erhalten, um die Baumaßnahmen wirtschaftlich umsetzen zu können.

Mit dem Drittelmodell sorgen wir dafür, dass für Mieter:innen in der Regel die Warmmiete gleich bleibt. Mit einem Gebäuderessourcengesetz, mit einem Ressourcenausweis und gesetzlichen Standards zur Verbreitung CO2-speichernder Baustoffe schaffen wir die Bauwende.

Dazu haben wir unsere Anträge zur Bauwende und dem Drittelmodell sowie den Aktionsplan Faire Wärme in den Bundestag eingebracht. In einem weiteren Antrag „Mit dem CO2 Preis Lenkungswirkung erzielen“ haben wir gefordert und begründet, dass der CO2 Preis auf Wärmeenergie bei der oder dem Eigentümer*in eines Gebäudes verbleiben und nicht auf Mieter*innen umgelegt werden sollte.

Mit unseren Anträgen zeigen wir, wie CO2 sparen im Gebäudebereich sozial verträglich geht und sich sogar lohnt.

Investitionen in moderne Wärmeversorgung sind gut fürs Klima, machen uns unabhängiger von Öl und Gas (damit auch von unvorhersehbaren Preisrisiken, auch für Mieterinnen und Mieter) und wirken als Konjunkturprogramm für Wirtschaft und Handwerk, womit hunderttausende Arbeitsplätze gesichert und geschaffen werden.

Aktionsplan Faire Wärme

Mit dem Aktionsplan Faire Wärme können wir die Wärmewende meistern: Um Planung und Investitionen zu erleichtern, wollen wir öffentliche Mittel im Umfang von sieben Milliarden Euro im Jahr bereitstellen. Für einfache Energieberatung für jeden und jede. Für einen Steuerbonus für Hausbesitzer, die ihr selbstgenutztes Haus oder Wohnung energetisch modernisieren. Für ein Quartiersprogramm FairWärme, mit dem wir in allen Städten und Gemeinden den Umstieg auf klimafreundliche Wärmeversorgung, Energiesparhäuser und warmmietenneutrale Sanierungen für Menschen mit kleinem Einkommen ermöglichen.

Auch das Bauen mit nachwachsenden Baustoffen wie zum Beispiel Holz wollen wir finanziell fördern. Nachwachsende Baustoffe binden CO2 aus der Atmosphäre und machen es unschädlich, statt wie herkömmlicher Stahl oder Beton große Mengen CO2 bei der Herstellung freizusetzen.  

Wir wollen im Energiesparrecht echte Niedrigstenergie-Gebäude zum Neubaustandard machen und dafür sorgen, dass ab 2021 überwiegend Heizungen auf Basis erneuerbarer Energien eingebaut werden. Es sollen dann keine neuen Ölheizungen mehr eingebaut werden dürfen.

Erneuerbar statt fossil

Die Bundesregierung hingegen will laut ihrem Entwurf zum Gebäudeenergiegesetz den Einbau neuer Ölheizungen noch bis 2026, also bis in die übernächste Wahlperiode erlauben. Und auch danach sollen sie noch weiter eingebaut werden dürfen, wenn am Haus keine Gasleitung anliegt. Die Bundesregierung klammert sich sogar im Neubau weiter an die Verbrennung von Klima zerstörenden fossilen Energieträgern, statt entschlossen in die klimafreundliche Zukunft mit erneuerbarer Wärme zu schreiten.

Dabei liegen die Vorschläge für Änderungen am Gebäudeenergiegesetz längst auf dem Tisch.

Die öffentliche Förderung für fossile Gasheizungen wollen wir sofort beenden und stattdessen die Fördermittel für Heizungen auf Basis erneuerbarer Energien erhöhen. Daher haben wir uns auch für eine steuerliche Förderung der energetischen Gebäudesanierung eingesetzt, die selbstnutzende Eigentümerinnen und Eigentümer dabei unterstützt, ihr Haus oder ihre Wohnung klimagerecht zu modernisieren. Reine fossile Gasheizungen sind dort nicht förderfähig, aber solche, die erneuerbare Energien wie Solarthermie oder Erdwärme einbinden.

Wir haben erfolgreich dafür gekämpft, dass Kosten für Energieberatungen durch Energie-Effizienz-Experten, die Sanierungsfahrpläne erstellen, die energetische Modernisierung baulich begleiten oder die Maßnahme hinterher prüfen, zu 50 Prozent von der Steuer abgezogen werden können. Denn so erreichen wir eine hohe Qualität der geförderten Maßnahmen, für den Bauherren und für unser aller Klima.

Energiesparhäuser sind günstiger

Ein Gutachten des Instituts für technische Gebäudeausrüstung (iTG Dresden) belegt, dass die Mehrkosten für die klimaschützenden und energiesparenden Vorgaben beim Neubau mit 25-50 Euro je Quadratmeter gegenüber einem klimaschädlichen Weiterso überschaubar sind. Durch niedrigere Energiekosten kommt die Bauherrin eines Niedrigstenergiehauses (KfW 55 oder 40) im Ergebnis sogar günstiger weg, als bei einem Gebäude nach heutigem Energiestandard (EnEV 2016).

Mit den grünen Weichenstellungen legen wir die Grundlage für den Umstieg auf 100 Prozent erneuerbare Wärme innerhalb von 30 Jahren – sozialverträglich und bezahlbar.

Mehr Infos:

Gutachten zum Drittelmodell